Peter Boots
3. Mai 2012, 01:19
Etwas mehr (oder auch mehr mehr) Recherche haette diesen Artikel doch sehr verbessert.
Z.B. Loewy. Schon 1908, als er 15 Jahre alt war, hat er den Gordon Bennet Cup fuer ein Modelflugzeug erhalten. Er war als Ingenieur ausgebildet und war im Ersten Weltkrieg im franzoesichen Ingeneurskorps.
Daher hat er sicherlich viel from Stomlinienprinzip gewusst und dass unter einer stromlinienformigen Verkleidung eine gewoehnliche Dampf oder Diesellokomotive steckte ist daher irrelevant.
Wie ist es nun mit diesem Rasierer? Unter der Verkleidung ist ein tradizioneller Einblattrasierer (one blade, wie es auch immer uebersetzt wird). Dieser 'one blade' Rasierer hat ueblicherweise einnen duennen Stiel mit dem 'the blade' ein und ausgeschraubt wird -- wie man es im Bild auch sehen kann. Die Verkleidung macht diesen duennen Stil griffiger.
Und als Industriedesigner hat er sehr, sehr viel mehr als stromlienige Produkte erstellt: die Coca Cola dose and den roten Verkaufsutomat, das moderne Shell logo und die von Exxon, BP, Spar (!), Fanta, Canada Dry, TWA, Lucky Strike und immer weiter.
Dann Moebel, Radios, Porzellan fuer Rosenthal, Besteck das man noch immer kaufen kann.
Der Electrolux-Staubsauger von Lurelle Van Arsdale Guild -- was genau ist falsch an einem Industriedesign das im Zug (ja, absichtlich) der Zeit enworfen wird und noch heute sofort als Elektrolux erkannt wird.
Was ist falsch an einer Schneidemaschine fuer Lebensmittel die nicht nur gut aussieht sondern sich sehr leicht reinigen laesst.
Am Ende, 'form follows function'. Der Eskimo Haarfoehn ist auf das Einfachste vermindert, hat eine griffigen Stiel, einen Koerper der den Motor und den Lufteinzug enthealt. Und warum nur 'Eskimo'? Weil das die Marke ist unter der zuerst kuehlende (Eskimo!) Ventilatoren gebaut hat.
Und das bringt uns am Ende zum Ventilator von Robert Heller. Auch wieder: Form follows function! Das schwerste Teil, der Motor, ist genau ueber der Mitte des Standes plaziert was einen kleinstmoeglichen Stand erlaubt. Und wie kann man ausgerechnet einen stromlinigen Ventilator kritisieren?
Um noch einmal den Verleiher des Model- (und richtiger) Flugzeuge zu zitieren: Gordon Bennet! Die Bedeutung dieses Englischen Ausdrucks lasse ich Sie aber selber finden.
Peter
NYC
Nils Holstein
13. August 2012, 15:02
Die Stromlinie fand bei der Bahn in Deutschland erst relativ spät (ab 1938) Eingang als vielgenutzte Serientechnik, aber dann dafür viel stärker als in jedem anderen Großtechnikbereich (abgesehen von der Luftfahrt).
Und zwar gerade die "alte Dampf-Technik" wurde dadurch deutlich konkurrenzfähiger im Vergleich zu Strom (und Diesel). Schließlich waren die Dampfloks, anders als schon alle damals üblichen E- und Dieselloks, noch mit allerhand frei- und außenstehen Teilen versehen, die erheblichen Windwiderstand ausübten (Rauchkammertür, Rohre, Ecken, Kanten, Handräder, Rahmen, Triebwerk, verwinkelte Hohlräume...); die Einführung von Stromlinienschalen sorgte gerade hier für einen überdurchschnittlichen Zugkraft- und Leistungszugewinn, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten. Dampfloks, wie die deutsche 05 001 und die britische "Mallard" demonstrierten dies beispielhaft bei deren Weltrekordfahrten im 200 km/h-Bereich.
Für die deutschen Serien-Baureihen 01 und 03 wurden zudem Leistungsgewinne bis ca. 25% auch schon bei den üblichen alltäglichen Geschwindigkeiten im Bereich 100-120 km/h gemessen (dadurch ein entsprechende Brennstoffersparnis). DieseStromlinienschalen, zumindest jene in Deutschland, waren aber nie aus einem Teil und nicht (an)ge- und verschweißt, da die einfache jederzeit und überall nötige Zugänglichkeit der darunter befindlichen Apparaturen aufjedenfall gegeben sein mußte und ein entscheidendes Kriterium darstellte.
Daß sich in der Nachkriegszeit bei Dampfloks (und später trotz gewisser revolutionärer Anfänge bei Dieselloks) die Stromlinie nicht endgültig durchsetzen konnte, hat neben den bis zur Energiekrise 1973 sinkenden Treibstoffkosten und umständlichen, längeren und somit teueren Wartung dann auch noch vor allem mit der vergleichsweise teuren, dreidimensionalen Fertigung der Stromschalen zu tun. Insbesondere Mitte bis Ende der 60er Jahre ging die Tendenz, zumindest bei der Bahn (sowohl Bundesbahn und Reichsbahn), mit wenigen Ausnahmen (E103) eindeutig in Richtung langweiliger kantenbetonter kastenförmiger Designs bzw. zweidimensional formbarer Außenhäute.