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Norbert Lill
9. Mai 2012, 12:20
Die Tonaufnahmen in der Wohnung der Dietrich waren ein Kampf. Ich weiß das, denn ich war damals als Tonmeister mit dabei. Wir waren ein ganz kleines Team: Maximilian Schell, seine Sekretärin, der Produktionsleiter, der aus welchen Gründen auch immer sich als mein
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Mathias Völlinger
4. Mai 2012, 17:02
"Marlene, liebst du mir nich so lieb ick mir alleene"
So, oder so ähnlich war ein geflügelter Spruch im Berlin der späten 1920er Jahre. Hat mir ein alter Berliner erzählt, als ich in den 1980er Jahren als Jungspund mal zu Besuch dort war. Dann, nach 1933, ist sie hier zur "Verräterin" geworden. Eigentlich bis zum Schluss und auch heute noch. Ich erinnere mich noch, als ich 1999 selbst nach Berlin zog, und der neue Potsdamer Platz kurz vor der Einweihung stand, ein Gezetere hier war um die Benennung des "Marlene-Dietrich-Platzes", welche letztendlich doch erfolgte.
Ich bewundere ihre gute deutsche Kultur und Moral welche sie bewahrt hatte, anders als bei den vielen, allzuvielen anderen, deutschen Volksgenossen in diesem 12-jährigen "Intermezzo" hierzulande. Sie war, neben vielen anderen Exilanten eine wahre Botschafterin Deutschlands während dieser schrecklichen Zeit.
RIP
Norbert Selbach
4. Mai 2012, 17:39
Ich habe Marlene zu Ihrem 80. Geburtstag in Ihrer Pariser Wohnung angerufen. Auch ich hatte zunächst die "Haushälterin" am Telefon. Nachdem ich mich vorgestellt hatte übergab sie den Hörer mit den Worten : "Madame, Allemagne" an Marlene weiter. Nachdem ich mich vorgestellt und ihr gratuliert hatte, erzählte ich Ihr, dass ich seit meiner Kindheit von Ihrer Person fasziniert. Es erschien ihr ganz entgegen meinen Erwartungen zu gefallen und sie bedankte sich lange und herzlich bei mir.
Patrick Oliver Ott
4. Mai 2012, 19:35
Wann hat den Udo Lindenberg für seine Platte/CD Herimine die Aufnahmen mit der Dittricht gemacht? Ich hatte den, Eindruck, die wären "life" enstanden, war das ein Irrtum?
Klaus Rathjens
4. Mai 2012, 19:58
Sie hat sich als prominente Schauspielerin von den braunen Barbaren nicht kaufen lassen. Das war sicherlich eine sehr moralische Entscheidung, aber auch eine, die ihr bei ihrer Position und den damit verbundenen Gagen in Hollywood nicht allzu schwer fiel.
Aber das nur am Rande.
Ich halte sie für eine höchst mittelmäßige Schauspielerin und geradezu unerträglich schlechte Sängerin und kann daher keinen Grund erkennen, ihr ein sogenanntes Diva-Image zuzuerkennen, wobei dieses ja sowieso ein durch und durch unkünstlerisches Phänomen darstellt, durch das die Masse glaubt, einem Menschen einen Sonderstatus geben zu müssen.
Falls nun jemand auf die Idee käme, ich sei erfolgreich durch solch einen Unfug wie "Verräterin" etc. indoktriniert worden, so muss ich dieses gleich im Keim ersticken. Nein, ich halte sämtliches Divatum, ob in Deutscland oder im Ausland, ob im Film oder in der Oper, für einen intellektuellen Schwachsinn, der im Gegenteil sogar noch gegen einen Künstler spricht, wenn er ihn denn derartig hingebungsvoll annimmt und zelebriert wie Frau Dietrich.
Das Diva-Phänomen hat etwas von der bei vielen Menschen tief verwurzelten Sehnsucht nach einer politischen Führungsgestalt. Es ist ein Massenphänomen, qualitativ vergleichbar mit Megasellern von Bohlen oder Lady Gaga. Es ist gleichzeitig eine Mischung aus Yellow-Press
Verehrung und Heiligsprechung durch den Papst. Es ist eben durch und durch Unfug.
Ich habe in meinem beruflichen Leben erfahren, dass diejenigen Künstler, die tatsächlich etwas gestalten, schaffen oder vermitteln können, sich per se von solch trivialen Versuchungen fernhalten und nicht virtuos darauf spielen - wie zum Beispiel Frau Dietrich.
Eberhard Schefold
4. Mai 2012, 20:29
Die Aussage, die Dietrich hätte sich erst "kurz vor Beginn" der Aufnahmen mit Maximilian Schell geweigert, sich filmen zu lassen, ist m.W. (u.a. Maria Rivas und Steven Bachs Biographien) falsch. Etwas anderes als Audio-Aufnahmen waren für dieses Projekt zu keinem Zeitpunkt geplant.
Martin Groher
5. Mai 2012, 14:11
>Sie hat sich als prominente Schauspielerin von den braunen Barbaren nicht kaufen lassen. Das war sicherlich eine sehr moralische Entscheidung, aber auch eine, die ihr bei ihrer Position und den damit verbundenen Gagen in Hollywood nicht allzu schwer fiel.
>Aber das nur am Rande.
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>Ich halte sie für eine höchst mittelmäßige Schauspielerin und geradezu unerträglich schlechte Sängerin und kann daher keinen Grund erkennen, ihr ein sogenanntes Diva-Image zuzuerkennen, wobei dieses ja sowieso ein durch und durch unkünstlerisches Phänomen darstellt, durch das die Masse glaubt, einem Menschen einen Sonderstatus geben zu müssen.
>Falls nun jemand auf die Idee käme, ich sei erfolgreich durch solch einen Unfug wie "Verräterin" etc. indoktriniert worden, so muss ich dieses gleich im Keim ersticken. Nein, ich halte sämtliches Divatum, ob in Deutscland oder im Ausland, ob im Film oder in der Oper, für einen intellektuellen Schwachsinn, der im Gegenteil sogar noch gegen einen Künstler spricht, wenn er ihn denn derartig hingebungsvoll annimmt und zelebriert wie Frau Dietrich.
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>Das Diva-Phänomen hat etwas von der bei vielen Menschen tief verwurzelten Sehnsucht nach einer politischen Führungsgestalt. Es ist ein Massenphänomen, qualitativ vergleichbar mit Megasellern von Bohlen oder Lady Gaga. Es ist gleichzeitig eine Mischung aus Yellow-Press
>Verehrung und Heiligsprechung durch den Papst. Es ist eben durch und durch Unfug.
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>Ich habe in meinem beruflichen Leben erfahren, dass diejenigen Künstler, die tatsächlich etwas gestalten, schaffen oder vermitteln können, sich per se von solch trivialen Versuchungen fernhalten und nicht virtuos darauf spielen - wie zum Beispiel Frau Dietrich.
Ich bedaure Ihren Beitrag, der offenbar von Impulsen geleitet ist.
Der Reihe nach: "Sie ließ sich als prominente Schauspielerin von den Nazis nicht kaufen" ist differenzierter zu sehen. Sie war "nur" eine Lokalgröße, als sie den Blauen Engel drehte und die Ufa nahm die Option nicht wahr, sie weiter zu beschäftigen, weil man den Film für zu lasziv und keinen potentiellen Kassenerfolg möglich hielt. Sie musste in die USA, wo man ihr von Paramount ein gar nicht so großzügiges - Angebot machte, um nicht arbeitslos zu werden. Dass Sie dort sofort mit der Garbo verglichen wurde, spricht für sich.
Ihr Engagement als Heldin, und das war sie wirklich, entstand erst im Laufe der Zeit, als sie - auf ihre Kosten - die Vielzahl der europäischen Immigranten - betreute und Hitler den Krieg begann. Dafür fühlte sie sich mitverantwortlich und erbrachte eine unvergleichliche Jahrhundertleistung, indem sie als Truppenbetreuerin nicht furchtsam im Hintergrund blieb, wie so manche Generäle, sondern die Truppen direkt an der Front betreute.
Dass Sie eine zweite Duse sein wollte, hat Sie nie behauptet. Sie hat von sich selbst gesagt, ihre Darstellung sei mittelmäßig. Aber was sie brachte, waren 200 % in ihrem Rollenfach, der femme Fatale. Und die geradezu unerträglich schlechte Sängerin ist ein Beispiel für ein totales Missverständnis. Dietrich wollte nie wie die Callas oder Barbra Streisand singen, ihr Metier war der Sprechgesang, das Chanson. Haben Sie je sag mir wo die Blumen sind in der Interpretation der Dietrich gehört? Wer da nicht fühlen kann, welche pazifistische Grundhaltung dahinter steckt, ist zu bedauern.
Diva wollte die Dietrich ebenso wenig sein. Sie schrubbte Fußböden im Haus der Tochter, agierte in Kochschürze für ihre Freunde, beschenkte notleidende Künstler ungemein großzügig und war alles in allem eine wahre Wohltäterin.
Ihren weiteren Ausführungen verstehe ich nicht was hat Zivilcourage, Humanität und Generösität mit tief verwurzelten Neigungen zu einer politischen Führungsgestalt zu tun? Sie ging 15 Jahre nach dem Krieg nach Deutschland und ließ sich bespucken und anpöbeln von Ewiggestrigen. Doch sie begeisterte die ihr zugetanen Menschen aufs tiefste. Und Ihr Zitat des Massenphänomens verkennt die Zeit, in der die Dietrich lebte Weltwirtschaftskrise, Krieg, Nachkriegszeit. Die Menschen lechzten nach Ablenkung. Ihr Schlussabsatz entblößt sie, sorry, als Neider.
Generell wäre noch zu sagen, dass die Tochter, Maria Riva, die das Skandalöse Enthüllungsbuch über ihre Mutter schrieb, ein Leben lang eben von dieser lebte, mitsamt Mann, vier Kindern, sonstiger Entourage, und dies im Luxusstil. Ihre nachtragende Haltung gegenüber ihrer Mutter lässt sich vielleicht auch so erklären, dass sie und ihr Mann selbst im eigenen Leben nie etwas zu Stande brachte. Die Mutter Marlene musste noch mitten in die siebziger Jahre, wahrlich schon zerbrechlich, auf die Bühne, um die Rechnungen ihrer Sippe" zu zahlen.
Warum Marlene eine Legende und nicht nur ein Massenphänomen war, erschließt sich Millionen, Ihnen nicht.
Markus Szczypiorski
7. Mai 2012, 15:47
OK, Herr Sternberg hat sein "von" wieder. Danke.
Das war aber der unwesentliche Fehler.
Ich verstehe nicht, warum auch hier der anscheinend unausrottbare Unfug kolportiert wird, MD sei "als Josef von Sternbergs blauer Engel berühmt" geworden.
Der "Blaue Engel" ist im Film (genau wie im Buch) die Spelunke, in dem sie als Sängerin LOLA LOLA (Vorbild im Buch: die "Künstlerin Fröhlich") auftritt.
Lothar Schuermann
8. Mai 2012, 23:06
>Wann hat den Udo Lindenberg für seine Platte/CD Herimine die Aufnahmen mit der Dittricht gemacht? Ich hatte den, Eindruck, die wären "life" enstanden, war das ein Irrtum?
1987/1988 es sind keine Liveaufnahmen, MD hat die Texte auf Tonband in ihrer Pariser Wohnung aufgenommen.
Norbert Lill
9. Mai 2012, 12:20
Die Tonaufnahmen in der Wohnung der Dietrich waren ein Kampf. Ich weiß das, denn ich war damals als Tonmeister mit dabei. Wir waren ein ganz kleines Team: Maximilian Schell, seine Sekretärin, der Produktionsleiter, der aus welchen Gründen auch immer sich als mein Tonassistent ausgab und ich.
Produzent Karel Dirka hatte diese Produktion schon seit einer halben Ewigkeit in Planung, aber es scheiterte jedes Mal am Regisseur. Dirka hatte Marlene Dietrich eine ganze Reihe von Kandidaten präsentiert, die aber allesamt von der Diva abgelehnt wurden (meines Wissens war sogar Orson Welles im Gespräch). Erst Maximilian Schell wurde von ihr akzeptiert, unter dem Vorbehalt, sich nicht filmen lassen zu müssen.
Es ist richtig, was in dem Artikel steht: Schell wollte den Menschen Marlene porträtieren und Marlene wollte über den Mythos "Dietrich" sprechen. Das passte nicht zusammen. Die Aufnahmen in der ersten Woche wir begannen an einem Montag waren immer wieder geprägt von verbalen Konfrontationen. Schließlich gelang es Maximilian am Freitag, ihr ein paar persönliche Statements zu entlocken (im späteren Film das eigentliche Finale).
Nach dem freien Wochenende sollten die Aufnahme fortgesetzt werden. Frau Dietrich so schien es mir hatte über das Wochenende wohl Zeit gehabt nachzudenken und den unbeabsichtigten Einblick in ihr Seelenleben bereut. Quittiert wurde das mit geradezu feindseeligem Verhalten gegenüber dem einst so bewunderten Maximilian Schell. Sie warf ihm vor, sich auf die Gespräche mit ihr nicht ausreichend vorbereitet zu haben völlig absurd! Schell wies den Vorwurf zurück, ein Wort gab das andere, bis Schell schließlich wortlos die Wohnung verließ. Marlene wechselte sofort die Tonlage. War sie vorher noch aggressiv, zeigte sie sich plötzlich fast kindlich erstaunt, dass Schell gegangen war. "He left? Nobody ever walked out on me
"
Als die Aufnahmen tags darauf fortgesetzt wurden, benahm Marlene sich Maximilian Schell gegenüber wie ein bockiges Kind. Die Stimmung war kühl bis frostig. Schell konnte damit seinen Traum, Marlene vielleicht noch einmal vor die Kamera zu kriegen, endgültig begraben. (Die ganze Zeit über wartete ein Kamerateam stand-by, sollte Frau Dietrich doch noch zustimmen)
Gegenüber der Crew gab sich Marlene Dietrich dagegen äußerst liebenswürdig. Mitten in der Feinschmecker-Metropole Paris hatte sie für uns Brötchen geordert: Aus dem deutschen Delikatessengeschäft - mit echter Thüringer Rotwurst!
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