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Papst Pius X. In unseliger Tradition



1 Diskussionsbeitrag zu diesem Thema

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Christiane Hanssen

10. Februar 2009, 14:08
ich denke man macht es sich zu einfach, diesen Papst einfach nur als rückständig und rückwärtsgewandt darzustellen.

Man sollte ihn eher im Lichte der gewaltigen und sicher auch bedrohlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts betrachten. Dieses war einerseits von geradezu mehr...

Christiane Hanssen
10. Februar 2009, 14:08
ich denke man macht es sich zu einfach, diesen Papst einfach nur als rückständig und rückwärtsgewandt darzustellen.

Man sollte ihn eher im Lichte der gewaltigen und sicher auch bedrohlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts betrachten. Dieses war einerseits von geradezu ungeheurem technischen Fortschritt und gesellschaftlichen Veränderungen durch das aufstrebende Bürgertum, andererseits von absolutistischen Strukturen geprägt, die erst infolge des 1. Weltkriegs teilweise hinweggefegt wurden.

Er hat sich nicht von seiner kirchlichen Karriere korrumpieren lassen, so kann man es sicher auch sehen, und ist ein "Landei" geblieben.
Philosophischer, auch theologischer Diskurs und damit auch Zugang zu naturwissenschaftlichem Denken war ihm fremd und bedrohte für ihn die Kirche als solche in den Grundfesten des Glaubens.

In einer allem Fortschritt zum trotz auch durchaus bildungsfeindlichen Zeit, vor allem in unteren Gesellschaftsschichten - Wissen verführt zum Hochmut und diese schadet der individuellen Frömmigkeit (die Ansicht gab es keineswegs nur in der katholischen Kirche!) - hat er sicher in bester Absicht gehandelt, wenn er versuchte den naturwissenschaftlichen Fortschritt zu "kontrollieren" und die Kirche und auch die Laien in ihrer Religiosität zu stärken, in dem er sie derart auf den Papst ausrichtet.

Und das war zu seiner Zeit nicht tumbe "Rückwärtsgewandtheit", über den Vorbildcharakter mancher Renaissance-Päpste und Klerus etwa könnte trefflich gestritten werden, sondern ein Anpassen der Kirche an aktuelle Erfordernisse.

So richtig "finster" kann ich diesen Papst also nicht finden. Er war eben ein Mann seiner Zeit.

In konservativen protestantischen Kreisen war die Skepsis gegenüber den gesellschaftlichen Veränderungen und wissenschaftlichem Fortschritt übrigens ähnlich und die Reaktionen waren durchaus vergleichbar, das darf nicht übersehen werden. Wo sich das heute noch widerspiegelt ist ein anderes Thema.

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