Über einestages

1939

Spanischer Bürgerkrieg Weiße Flaggen über Madrid



18 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Ernst Pelzing

20. Juni 2010, 12:10
Geschenk Francos an Hitler

Einer Veröffentlichung der Sonntagsbeilage "Domingo" der spanischen Tageszeitung "EL PAÍS" vom 20.06.2010 zufolge hat das Franco-Regime die in Spanien lebenden Juden erfasst. Die Nazis machten davon Gebrauch, als die Entscheidung zum mehr...

Tanja Krienen
28. März 2009, 10:03
Franco war EINER der Anführer einer Viererallianz. Der Faschistenanführer war jedoch Primo de Rivera - Franco war "nur" ein "autokratischer Katholik" im Militärdress.
Uwe Schwarz
28. März 2009, 13:56
Der Biologieprofessor Juan Antonio Negrín war kein Kommunist, sondern Sozialdemokrat. Und zu den Verteidigern der Republik gehörten keineswegs nur "Anarchisten, Kommunisten, Marxisten und linke Splittergruppen", sondern auch die Liberalen und die bürgerlichen Republikaner, baskische und katalanische Nationalisten, Freimaurer und beträchtliche Teile der Armee (fast die ganze Luftwaffe, der größte Teil der Flotte, aber auch viele Generäle und niedere Ränge blieben loyal). Der Präsident der Republik, Manuel Azaña, war Linksliberaler, die stärkste Partei der Volksfront waren die Sozialdemokraten, die stets den Premierminister und den Kriegsminister stellten.

Denn der spanische Bürgerkrieg war mehr als klassischer Rechts-Links-Konflikt nach westeuropäischem Schema. Es war auch ein Konflikt zwischen katholischen Fundamentalisten und Säkularen, Monarchisten und Republikanern, Zentralisten und Föderalisten, Stadt und Land. Diese "zwei Spanien" lagen seit über hundert Jahren miteinander im erbitterten Streit, der zu den Karlistenkriegen und unzähligen Putschen geführt hatte und im Bürgerkrieg gipfelte. Und er wirkt bis heute nach, auch wenn die "zwei Spanien" einander nicht mehr mit Waffen bekämpfen. Daß die Konfliktlinien einander teilweise überschnitten, führte zur Uneinigkeit im republikanischen Lager. Viele Gruppen verfochten ihre Lieblingsidee, zum Teil mit allen Mitteln. Die Kommunisten wollten unbedingt das Bürgertum bei der Stange halten und bremsten deswegen den revolutionären Überschwang anderer linker Gruppen, oft mit rabiaten Methoden (George Orwell hat in "Mein Katalonien" darüber berichtet). Etliche Anarchisten hatten erst mal nichts Besseres zu tun, als Priester und Nonnen umzubringen, weil sie eine der drei Hauptsäulen des Alten verkörperten, das ihrer Überzeugung nach der Revolution im Wege stand: Kirche, Staat und Eigentum. Von ihnen wurden auch unzählige Herrensitze in Brand gesteckt, das vernichtete Material fehlte nachher an allen Ecken und Enden. Die einen wollten eine Kriegswirtschaft organisieren, andere kämpften für Selbstverwaltung, und das Bürgertum verteidigte seinen Besitz. Da war es für Franco leichter, sein ebenfalls heterogenes Lager zusammenzuhalten, denn auf die Formel "Weg mit Roten und Freimaurern!" konnten sich alle einigen, Faschisten wie Monarchisten und katholische Fundis.
Ernst Pelzing
28. März 2009, 18:54
Hier ein kurzer Hinweis zur Schreibweise spanischer Begriffe im Beitrag "Weiße Flaggen über Madrid" von Christoph Gunkel:

Statt des italienischen "Generalissimo" sollte in diesem Beitrag verständlicherweise der spanischen Version "Generalísimo" der Vorzug gegeben werden, also ein "s" und Akzent.
Mir ist nicht bekannt, ob von Richthofen in seinem Tagebuch tatsächlich 'Viva Alemannia' notiert hat. Wie auch immer: Korrekt müsste es heißen "Viva Alemania", also ein "n".
Zum Thema selbst: Spanien beginnt erst jetzt mit der Aufarbeitung des Kapitels Bürgerkrieg. Hier ergeben sich Parallelen zu Deutschland mit der Aufarbeitung der Nazivergangenheit. Die spanische Presse ist ein Spiegel dieser Bemühungen. Die von Chr. Gunkel angesprochene Polarisierung kommt dort über die entsprechenden politischen Parteien zum Ausdruck. 70 Jahre nach Bürgerkriegsende ist kein Ende der Animositäten in Sicht.

Ernst Pelzing

Thomas Kuhl-Safier
28. März 2009, 22:50
Der Einfluss auswärtiger Mächte ist sehr verkürzt dargestellt. Ohne deutsche Flugzeuge hätte Franco den Putsch gar nicht auf das spanische Festland bringen können. Es handelt sich um deutsche Flugzeuge und deutsche Piloten ohne Uniform.
Auf der republikanischen Seite ist das lange Durchhalten erstaunlich wenn man berücksichtigt, dass bereits seit 1937 ideologische Kämpfe im Gange waren, z.B. von Moskau gesteuerte Sozialisten, auch die UGT gegen Anarchisten und Syndikalisten oder Trotzkisten. Auch innerhalb der Internationalen Brigaden wurden Säuberungen vorgenommen.
Schön wäre auch ein Hinweis, dass spätere deutsche Politiker wie Willi Brandt, Erich Mielke, Hans Beimler.
Ernst Pelzing
29. März 2009, 11:48
Die Veröffentlichungen der spanischen Presse zum 70. Jahrestag der Beendigung des spanischen Bürgerkriegs sind ein Spiegel der im Lande zu diesem Thema vorherrschenden Meinung. Sie geht je nach politischem Standort quer durch die Parteien.
So veröffentlicht auch die spanische Tageszeitung EL PAÍS (der regierenden sozialistischen Arbeiterpartei PSOE nahestehend) in ihrer Ausgabe vom 29.03.2009 unter dem Titel "Setenta años de la victoria de Franco" (Siebzig Jahre nach Francos Sieg) von Julián Casanova (J. C. ist Professor für Gegenwartsgeschichte an der Universität Zaragoza) einige Zahlen zu den Opfern des spanischen Bürgerkriegs, die ich hier ergänzend zu Chr. Gunkels Beitrag "Weiße Flaggen über Madrid" einbringen möchte. Weitere Einzelheiten siehe unter http://www.elpais.com/articulo/opinion/Setenta/anos/victoria/Franco/elpepuopi/20090329elpepiopi_5/Tes
"Die Gesamtzahl der durch den Bürgerkrieg verursachten Todesopfer lag nahe bei 600.000. Davon waren 100.000 auf die von den aufständischen Militärs entfesselte Unterdrückung zurückzuführen, 55.000 auf die in den republikanischen Gebieten verübten Gewalttaten. Eine halbe Million Personen landete in Gefängnissen und Konzentrationslagern. 450.000 gingen allein im ersten Vierteljahr 1939 ins französische Exil, davon 170.000 Frauen. Etwa 200.000 kehrten in den ersten Monaten danach zurück. Ihr Leidensweg setzte sich in den Kerkern der Franco-Diktatur fort".

Der Autor J. Casanova kommt in diesem Artikel u. a. zu dem Schluss, dass der "Sieg Francos auch ein Sieg Hitlers und Mussolinis und die Niederlage der Republik auch eine Niederlage der Demokratien war".

Ernst Pelzing
Ernst Pelzing
29. März 2009, 17:18
Zu den anfänglichen Bürgerkriegswirren in Spanien hier eine Anmerkung, wie sich bereits kurz nach Ausbruch des Krieges in einem kleinen Ort im Großraum Madrid das Leben der Bevölkerung Mitte 1936 veränderte. José A. Martín Aguado (Titularprofessor an der Fakultät für Informationswissenschaften der Universidad Complutense in Madrid) gibt in seinem Buch HISTORIA DE LA VIDA MUNICIPAL DE SAN AGUSTÍN DEL GUDALIX (1808-1979) einen kurzen Einblick in die seinerzeitigen Verhältnisse vor Ort.
"Der Bürgerkrieg bricht aus, die Spaltung zwischen den [politisch] rechts und links orientierten Nachbarn wird deutlich. Bereits im April [1936] hatte es Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen beider politischen Lager ["republicanos" und "nacionales" gegeben, bei denen es Verletzte gab. Das beherzte Eingreifen des Bürgermeisters [von San Agustín del Guadalix] Francisco Brandín verhütete jedoch Schlimmeres. Bei Kriegsbeginn und während der gesamten dreijährigen Auseinandersetzung liegt San Agustín in der republikanischen Zone. Einige Jugendliche schließen sich den Regierungstruppen an, anderen ... (es folgen drei Namen) wiederum ist es nicht möglich, in die "nationale" Zone zu gelangen. Sie müssen sich im "monte" oder bei Verwandten versteckt halten".

Diese Ereignisse und die Erinnerung an einzelne Personen im damaligen politisch gespaltenen Spanien sind noch heute, 70 Jahre nach Beendigung des Bürgerkriegs, der ein Bruderkrieg war, bei den Älteren im Ort präsent. Sie ist in Kommentaren zur Tagespolitik und augenblicklichen Krisenbewältigung deutlich vernehmbar. Diese Erinnerung wird auch und gerade bei den beiden größten politischen Parteien des Landes mit polarisierender Links- und Rechtsausrichtung deutlich.

Ernst Pelzing
Frauke Kersten-Schmunk
29. März 2009, 18:50
Bei Bild 19 handelt es sich nicht um Frauen, welche auf Seiten Francos kämpften. Dort war der Gedanke an kämpfende Frauen mit Waffen verpönt.
Es handelt sich vielmehr um sog. "milicanas": Frauen, die auf Seiten der Republik kämpften. Ihre Fotos wurden schnell zu Bildikonen, ihre tatsächliche Partizipation in der Truppe dürfte gering gewesen sein (ca. 200). Aber auch auf der Republikanischen Seite traten Schwierigkeiten in der Akzeptanz der kämpfenden Frau in der Truppe auf. Bereits im Herbst 1936 wurden die Soldatinnen auf Anweisung von Largo Caballero von der Front abgezogen. Begleitend dazu wurde eine Verleumdungskampagne über die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten und Prostitution in Gang gesetzt. Fortan konnten sich Frauen nur in den typischen weiblichen Kriegstätigkeiten einbringen: Feldküche, -wäscherei und -lazarett und an der Heimatfront.

Literatur:
Nash, Mary: Women in War. Milicianas and Armed Combat in Revolutionary Spain. 1936-1939. In: The International History Review 15 (1993).
Nash, Mary: Defying male Civilazation. Women in the Spanish Civil War. Denver/Colo. 1995.
Ernst Pelzing
30. März 2009, 09:58
Beim Kommentar von Frauke Kersten-Schmunk zum Bild 19 sollte es korrekt "milicianas" heißen.

Ernst Pelzing
Ernst Pelzing
30. März 2009, 11:11
Korrektur zur Ortsbezeichnung in meinem obigen Beitrag:
Es muss heißen HISTORIA DE LA VIDA MUNICIPAL DE SAN AGUSTÍN DEL GUADALIX (1808-1979)

Ernst Pelzing
Stephan Spiegelberg
30. März 2009, 13:43
Die Zeitschrift DER ADLER war mitnichten nur "Propagandablatt" der Legion Condor sondern der Deutschen Luftwaffe allgemein und wurde daher auch nach dem Einsatz in Spanien weiterhin publiziert. Die Bildunterschrift ist hier etwas irreführend.

Neuer Hinweis:

Bitte beachten: Auf einestages können Hinweise nur unter Ihrem Klarnamen veröffentlicht werden.


Sie möchten mitdiskutieren? Melden Sie sich hier an.


Artikelinfos

Im Web verfolgen




Verwandte Artikel

Spanischer Bürgerkrieg: Fotos, die Franco unterdrückte

Tote Kinder, Flugzeugwracks, Madrid in Trümmern: Mehr als...

Hitlers Bomben auf Guernica: "Sie haben die Stadt eingeäschert"

Der Angriff wurde zum Symbol für den Luftkrieg-Terror der...

Geheimdokumente: Franco träumte von der Bombe

Jetzt veröffentlichte CIA-Dokumente enthüllen: Spaniens...


Artikel bewerten

3,9 (80 Bewertungen bisher)


Foto hinzufügen


Mehr aus der Rubrik...



» Album bearbeiten


» Album-Metadaten bearbeiten


» Produktionsansicht