Matthias Frase
10. August 2011, 13:59
Wie einfältig muß man sein, um ernsthaft zu glauben, daß sich hier irgendwas angleichen wird - ja daß das überhaupt jemals so vorgesehen war.
In der ersten Nachwende-Blinheit hätte man ja noch so herumphantasieren können, aber mittlerweile muß doch auch den Letzten die Realität eingeholt haben.
Folgendes zur Erläuterung:
es wurden für die Sanierung die Steuergelder besonders der lohnabhängig Beschäftigten in die Hand genommen; der Markt von sich heraus hätte die Leistungsfähigkeit vielleicht besessen, aber jedes weitere Engagement von den Renditeerwartungen abhängig gemacht - Folge: vieles wäre weiter zerbröselt.
Das läßt sich sehr gut an den Städten bzw. Straßenzügen ablesen, die eben nicht im "Fokus" stehen.
Also: nicht wegen, sondern trotz des Kapitalismus' wurden eigentlich aufgegeben Häuser wieder nutzbar gemacht. Ich bezweifle, daß der "anziehende" Kapitalismus sich solche Sentimentalitäten weiterhin leisten wird.
Desweiteren empfehle ich eine Rundreise durch einige Gründungsländer der EWG: ich habe noch nie eine solch große Ansammlung von wunderschönen, kulturhistorisch bedeutsamen Gebäuden gesehen, die einfach dem Verfall preisgegeben werden, wie in BELGIEN.
Und das vor dem Hintergrund der Renaissance einer Nutzung alter Gemäuer.
Schlösser, Palais, Kirchen .. es verfällt, stürzt ein und wird abgerissen was das Zeug hält; und das in einem erzkapitalistischen Land.
Ähnliches, wenn auch nicht so drastisch, kann man in Spanien, Italien, Schottland usw. ausmachen.
Mit dem einfältigen Sozialismus-Bashing tut man sich als Architekturliebhaber lebst keinen Gefallen; die Mechanismen, die zu einer Herabwürdigung alter Bausubstanz führten und führen, sind deutlich vielfältiger.
Ich prophezeie auch diesem Land in Zukunft wieder mehr Verfall und Verödung, wer dagegen etwas unternehmen will, wird also schon heute etwas genauer hinsehen müssen.
Ich hätte noch Vorschläge für Fotos: der historische "Hornsche Hof" in Rostock; 'sah damals schon nicht so toll aus - ist heute eine komplette Ruine; ähnlich wie die "Anker-Spirituosen-Fabrik", auch in HRO.
Aber das paßt wohl nicht zu den Kernaussagen, die mit dem Artikel getroffen werden sollten.
Friedrich Stahlhuber
24. Dezember 2012, 09:23
Wie blind muss man sein, um ernsthaft zu behaupten, dass sich West und Ost in den vergangenen 22 Jahren nicht angeglichen haben. Die von Ihnen beschriebene "Nachwende-Blindheit" attestiere ich Ihnen, Herr Frase.
Zu Ihren Beispielen in Rostock:
Liste der Baudenkmäler in Rostock:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Rostock
Alle restauriert, renoviert!
Der historische "Hornsche Hof", den Sie ansprechen:
Wird restauriert!
http://www.ostsee-zeitung.de/fotogalerien_artikel_komplett.phtml?SID=2448f490a86ab53fe04a72854a5c71d5¶m=news&id=3630704
http://www.das-ist-rostock.de/artikel/47574_2012-04-25_wird-das-ein-happy-end/?type=98
und
http://www.denkmalschutz-rostock.de/files/presse/oz_26-04-12.pdf
Die "Anker-Spirituosen-Fabrik":
Mal abgesehen davon, dass es grundsätzlich ein Problem darstellt, eine heruntergekommene Fabrikanlage in der heutigen Zeit einem sinnvollen Zweck zuzuführen - es ist schließlich nicht für Wohnen gebaut worden.
Es soll ein Markt und Wohnungen entstehen. Bestehende denkmalgeschützte Gebäude werden saniert und integriert.
https://www.ostsee-zeitung.de/ozdigital/Druckansicht.phtml?param=news&id=3370347&print=1
"Also: nicht wegen, sondern trotz des Kapitalismus' wurden eigentlich aufgegeben Häuser wieder nutzbar gemacht."
Absoluter Quatsch genauso wie
"Folgendes zur Erläuterung:
es wurden für die Sanierung die Steuergelder besonders der lohnabhängig Beschäftigten in die Hand genommen"
Haben Sie schon mal von den Steuererleichterungen in den 90er Jahren gehört, wo westdeutsches privates Kapital dazu genutzt wurde, ganze Städte wieder aufzubauen?
Es gibt viele bekannte Persönlichkeiten in Deutschland, welche sich dadurch ihr finanzielles Grab geschaufelt haben, da die versprochenen Renditen ausblieben.
Und zur Kernaussagen des Autos im einestages-Artikel:
"Ansonsten wird er angenehm überrascht: Bis auf ein altes Fachwerkhaus in Halberstadt haben es alle seine Motive ins neue Jahrzehnt geschafft, einige wenige noch immer unberührt."
Er hat hunderte Fotos gemacht, einige wenige Häuser sind 10 Jahre später noch nicht restauriert, ein einziges wurde abgerissen.
Wenn ich immer dieses Schönreden der ewiggestrigen Sozialisten/Kommunisten lese...