Letzter Beitrag:
Oliver Toll
28. März 2013, 17:13
Es erscheint mir extrem unwahrscheinlich, dass sich US-Amerikaner, was die potentielle Grausamkeit angeht, großartig von irgendeiner anderes Nationalität unterscheiden sollen. Wen haben wir alles auf der Liste?: Römer gegen Christen, Protestanten gegen Katholiken, Nazis gegen Juden,
mehr...
Wolfgang Leist
14. März 2008, 20:12
Ich habe vor einigen Jahren einen Bericht eines der beteiligten Offiziere des Massakers gelesen. Es war Lieutenant Kelley(?), der einzige Verantwortliche, der für das Massaker angeklagt und verurteilt wurde (und nach kurzer Zeit begnadigt).
Dieser Bericht mit dem Titel "Ich bin nicht Jesus" zeigt deutlich, wie es zu dem Massaker kommen konnte. Bei den beteiligten Soldaten hatte sich über Monate ein gewaltiger Frust aufgestaut. Sie operierten in einem fremden Land, dessen Sprache und Sitten sie nicht verstanden, und in dem sie keine Ahnung hatten, wie sie Freund und Feind außereinander halten sollten. Häufig wurden sie aus dem Hinterhalt beschossen, ohne jemals selbst größere Erfolge gegen die unsichtbaren Feinde erzielen zu können. Dieser permanente Frust entlud sich dann schließlich in dem Massaker.
Norbert Ommler
14. März 2008, 20:44
Der SPIEGEL und/oder entspr. Leser sollten hier auch darüber berichten, wer unter welchen Mühen und gegen welche Widerstände dieses Kriegsverbrechen aufgedeckt hat.
Robert Abel
15. März 2008, 02:24
Liest man Bernd Greiners Buch, welches auf den in den 90ern veröffentlichten Archiven der USA beruht, wird sehr schnell deutlich, dass My Lai nicht ein Einzelfall war, sondern Massaker gegen die Zivilbevölkerung zur Systematik des Krieges gehörten.
Der Erfolg des Abnutzungkrieges in Vietnam wurde nicht an Territorial-Gewinnen sondern an "body counts" fest gemacht. Ab einem gewissen Zeitpunkt wurde von Niemandem mehr unterschieden, ob der Getötete ein Kämpfer war oder zur Zivilbevölkerung zählte. Im Gegenteil: der Kampf gegen die Zivilbevölkerung wurde von obersten Stellen sanktioniert und sollte, begründet durch eine perverse Logik, zum Sieg führen.
Äußerst verstörend in Greiners Buch sind die Beschreibungen über sanktionierte und legitmierte Killerkommandos, die gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung vorgingen. Zwangsläufig wird man hierbei an SS-Säuberungstruppen im 2. Weltkrieg erinnert.
Nach der Lektüre des Buches wird klar, dass sich die USA während des Vietnam-Krieges bewusst aus der Staatengemeinschaft der zivilisierten Völker verabschiedet haben. Diese Erkenntnis vermittelt ein durchaus neues Bild jener abscheulichen Kriegsführung.
Helmut Müller
15. März 2008, 11:25
Was geschehen war, war geschehen !
wichtig ist, was uns noch übrig bleibt ? nach allen diesen Groll taten
ich hofe, daß an dieser Stelle, eine würdige Diskussion über einen der besten dokumentierten Massaker der Geschichte fortgeführt wird.
Van-Khanh Tran
16. März 2008, 11:27
Es ist sehr traurig diese unmenschliche Bilder wieder vor Augen zu bekommen und
wie beurteilen wir heute darüber ? Ein Bedauen nämlich was passiert war ? Es ist
wertlos für die Betroffene, ihre Familien und die ganze Welt der friedfertigen Menschen, denn Amerika weiter diese Grausamkeitsspiele in Afganistan, Irak, Guantanamo... im Name "Schutz der Freiheit" treiben. Die Menschheit schaut zu !
Weltmächte von Gestern waren so und Weltmächte von Heute sind genau so. Recht, Freiheit, Menschenwürde haben nur die Stärkerer !
Frank Garbe
30. März 2008, 19:24
Ich denke, man macht es sich etwas zu einfach die Brutalität der US-Soldaten allein auf Frust und unverantwortliche Befehle zurück zuführen.
Ein wichtiger Faktor, den man auch im Irak wieder findet, ist die us-amerikanische Hybris des "besseren Menschen". Auch, wenn es sehr unpopulär ist dies zusagen, aber gerade US-Sodlaten werden - ähnlich wie einst unter Deutsche unter Hitler - auf ihre gehobene Stellung gegenüber anderen gedrillt. Sie haben danach keinerlei Achtung mehr vor dem Leben von Nicht-Amerikaner bzw. denen die nicht in ihrer Wertewelt vorkommen. Im Falle des Irak lässt sich diese Verachtung sogar genau beziffern. Ermorden US-Truppen dort einen Zivilisten erhalten dessen Angehörige zwischen 1000 und 2000 US-Dollar "Entschädigung". Stirbt ein US-Soldat im Irak erhält dessen Familie rund 400.000 Dollar. Natürlich ist dies den Soldaten bewusst und sie ziehen dann eben daraus ihre Schlüsse...
Norbert Ommler
1. April 2008, 23:15
Frank Garbe berücksichtigt in seinem Beitrag mit keiner Silbe, dass es US-Soldaten waren, die sich ihren mordenden Kameraden entgegenstellten einschließlich der Bereitschaft, auf sie zu schießen. Sie haben sich danach auch gegen zähen Widerstand ihrer militärischen Vorgesetzten dafür eingesetzt, dass dieses Verbrechen untersucht und veröffentlicht wurde. Ähnlichkeit zu deutschen Soldaten unter Hitler?
Frank Garbe
8. April 2008, 12:50
Dies waren weniger als ein Duzend, die auch erst eingriffen als fast die gesamte Bevölkerung abgeschlachtet war. Doch solch wenige gab und gibt es bei solchen Verbrechen immer wieder. Diese gab es auch in der Wehrmacht und sogar bei der Waffen-SS. Dennoch überdecken diese nicht, daß die große Mehrzahl ihrer Kameraden, bei solchen Verbrechen wegschauten und sie meistens auch befürworteten und zum Teil eben auch mitwirkten. Mein Beitrag bezog sich jedoch vorallem auf die Aussage, daß die Verrohung der US-Soldaten in Vietnam (oder meinetwegen generell auf Soldaten im Krieg) allein auf Frustation zurück zuführen war/ist. Dies mag sicher ein entscheidenter Auslöser sein. Die Ursachen sind aber in der Ausbildung und Indoktrination zu suchen. Gerade bei den US-Marines wird dies deutlich. Dazu sollte man sich nur einmal das "Glaubensbekenntnis" My Rifle - A Warrior's Creed durchlesen, welches Marines in ihrer Ausbildung ablegen.
Oliver Toll
28. März 2013, 17:13
Es erscheint mir extrem unwahrscheinlich, dass sich US-Amerikaner, was die potentielle Grausamkeit angeht, großartig von irgendeiner anderes Nationalität unterscheiden sollen. Wen haben wir alles auf der Liste?: Römer gegen Christen, Protestanten gegen Katholiken, Nazis gegen Juden, Russen gegen Deutsche, Briten gegen Inder, Mexikaner gegen Mexikaner, Amerikaner gegen Schwarze und Indianer ... usw. Im Endeffekt heißt es immer Alle gegen Alle, solange die 'anders' sind. Und wie macht man sie anders? Indem man ein Feindbild aufbaut. Für jemanden, der ein Minimum an Intelligenz mitbringt, ist das eine leichte Übung. Die Sündenbock-Schiene funktioniert z.B. immer. Immun ist dagegen kaum ein Mensch und diese Minderheit hat im Falle eines Falles kaum bis keinen Einfluss. Den schreibt man ihr dann manchmal in Büchern Jahrzehnte später zu, aber am Ergebnis hat meist kaum etwas geändert.
Sie möchten mitdiskutieren? Melden Sie sich hier an.