Philipp Kalwies
16. März 2012, 12:28
Lieber Herr Weiss,
Sie werden die Castro-Gläubigen wohl kaum umstimmen können. Wer glauben will, der tut das, egal was passiert.
Natürlich wird auch auf Cuba gefoltert und gemordet. Wenn Regimekritiker von der Stasi (CDR - Comite de la defensa de la revolución) verprügelt und eingesperrt werden, so kann man wohl kaum von einer humanen Behandlung sprechen. Wahr ist, dass auf Kuba niemandem mehr die Fingernägel rausgerissen oder Menschen an Ampel aufgeknüpft werden. Die werden lieber still und heimlich auf Erlass des Führers in der Henkerskammer erschossen. Das ist natürlich viel besser.
2003 ließ Castro drei junge Männer hinrichten, weil sie mit Messern und Macheten eine Fähre gekapert hatten um damit aus dem Land zu fliehen. Für die Castrogläubigen eine angemessen Strafe für so ein frevelhaftes Verhalten, einfach das karibische Paradies verlassen zu wollen.
Im Verlaufe der Revolution ließ Castro nach eigenen Angaben 1.900 Menschen hinrichten, realistische Schätzungen sprechen von mindestens 3.000 Hingerichteten, andere Kreise von bis zu 12.000. Es ist überliefert, wie Che Guevara selbst ein Kind erschoss, als es sich der Hinrichtung seines Vaters in den Weg stellte. So human war die Revolution!
Zu Herrn Hintze: Kuba ist mitnichten ein Beispiel für eine ach so tolle medizinische Versorgung, wie uns das Regime immer glauben machen will. Es mangelt an allem und haufenweise Krankheiten, die in Deutschland oder anderen Südamerikanischen Ländern behandelt werden können, finden auf Kuba keine angemessene Behandlung. Ich selbst war live dabei, als ein alter Mann auf der Straße von einem Motorrad angefahren und schwer verwundet wurde. Kein Hubschrauber, kein Krankenwagen, nichts! Hubschrauber hat nur das Militär, dafür ist das Volk wieder nicht wichtig genug. Seine Enkelin und seine Nichte mussten ihn auf der Ladefläche eine LKWs in die nächste Stadt ins Krankenhaus bringen, während der arme Mann bewusstlos vor sich in blutete. Kuba hat tatsächlich prozentual mehr Ärzte als Deutschland, bloß sind die zum großen Teil auf dem Niveau besserer Krankenpfleger und ohne Ausrüstung kann auch der beste Arzt nicht viel ausrichten. Aber darüber wird natürlich nicht berichtet.
Kuba ist auch mitnichten ein Musterbeispiel für soziale Errungenschaften. In allen nur denkbaren Merkmalen ist Chile mittlerweile gleichauf und das ohne Sozialismus und ohne Diktatur, die dort schon seit über 20 Jahren vorbei ist. War Kuba zur Zeit Batistas das reichste Land Lateinamerika und Chile das Armenhaus, ist aktuell Chile das ganz deutlich reichste Land mit den besten Wachstumsraten und Kuba bestenfalls im Mittelfeld.
Wenn man den offiziellen Zahlen überhaupt Glauben schenken mag, denn gefälscht sind die alle. So soll Kuba eine geringere Analphabetenrate haben, als Deutschland, was sich komischerweise überhaupt nicht damit deckt, wenn man mal in die ländlichen Provinzen fährt und auf etliche des Lesens und Schreibens Unkundige trifft.
Eines kann man sich sicher sein: dass alle Zahlen, die Kuba zu seiner sozialen Lage liefert, maßlos geschönt sind. Und unabhängige Beobachter werden einfach nicht ins Land gelassen. So kommt eine Alphabetisierungsrate von über 99% zu Stande.
Zu Frau von Germersheim: Huber Matos war einer der wichtigsten Verbündeten der Revolution, der Castro und Consorten mit Waffen und Material versorgte. Bis Castro eine Diktatur ins Leben rief und sich selbst zum König krönte. Das Todesurteil war von Castro schon unterschrieben und nur Dank des Vetos von Raúl Castro und Che Guevara - der auf einmal seine menschliche Seite entdeckte - konnte es in eine 20 jährige Haftstrafe umgewandelt werden.
Dafür war Castro dann im Falle Camilo Cienfuegos schlauer und hat sich dessen sehr elegant erledigt. Sein Flugzeug verschwand auf dem kaum zweistündigen Weg von Camaguey nach Havanna auf einmal spurlos und ward nie wieder gesehen, justamente nachdem er sich von Castro abgewandt hatte. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Auch Che Guevara konnte gerade noch die Kurve kratzen und setzte sich in einer Nacht und Nebel Aktion von Kuba ab, bevor der Bruch mit Castro ihn das Leben kostete.
Fidel Castro hat unbestritten so manch Gutes auf Kuba umgesetzt, das entschuldigt seine Morde und die mittlerweile 53 jährige Diktatur jedoch nicht. Millionen Kubaner sind oder waren unterernährt und moralisch und psychisch verwahrlost. Tausende wurden umgebracht, Millionen außer Landes getrieben. Wer opponiert, landet ohne jeden Prozess im Gefängnis und wer zu aufmüpfig wird, bekommt eine Kugel in den Kopf.
So ist Kuba, so ist Castro.