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nils gronmeyer
21. August 2012, 14:54
Es geht überhaupt nicht um die Verurteilung einer ganzen Generation. Wie sollte das gehen. Nur, aufgrund der Faktenlage und damit meine ich nicht ihre Zahlenspiele, wusste eine deutliche Anzahl der Deutschen um die unzähligen Morde, viele ahnten das Schreckliche haben aber nie, und das
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Stefan Wenzel
15. August 2012, 14:28
@ Siegfried Wittenburg:
"Im Film geht hervor, dass zivile Personen von den Soldaten zum Ausheben von Gräben aufgefordert wurden. Es handelte sich weder um Zwangsarbeiter, noch wurden Juden gezwungen, sondern es war eine öffentliche Zivilschutzmaßnahme für alle Bürger. Die Abgebildeten haben Gräben geschaufelt. Mehr nicht."
Genau, deswegen schaufelt der Soldat auch nicht mit, nimmt das Gewehr in Vorhalte und pflanzt gerade das Bajonett auf!
Vielleicht übersehe ich ja die Satire in Ihrem Beitrag. Dieses Bild ist auch noch lange unter "Juden müssen Ihre eigenen Gräber schaufeln" gelaufen ist - natürlich nur solgange, wie man annahm, der Soldat sei ein Deutscher. Als es ein Pole war, beschützte der Soldat - mit vorgehaltener Waffe im Hinterland vor erkennbar versammelter Schaulustigenmenge - plötzlich die Juden. Wie ich schon schrieb: Ein Treppenwitz.
Siegfried Wittenburg
15. August 2012, 17:11
"Genau, deswegen schaufelt der Soldat auch nicht mit, nimmt das Gewehr in Vorhalte und pflanzt gerade das Bajonett auf!"
Das geht aus dem Foto nicht hervor. Der Mann rechts im Bild lächelt sogar in die Kamera. Die Vielzahl von Interpretationen dieses Fotos zeigt, wie emotionsgeladen diese Diskussion ist. Mehr nicht. Wovor der polnische Soldat schützen soll, geht ebenfalls nicht aus diesen Informationen hervor. Also: Dieses Foto zeigt für mich nur Menschen, die lt. Kommentar um 1939 vermutlich Panzersperren schaufeln.
Stellt sich lediglich die Frage: Für wessen Panzer? Oder worauf wollen Sie hinaus?
Andreas Dombek
15. August 2012, 20:36
Anmerkung 1 zum Bild 8: Die Waffe des Soldaten deutet mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein polnisches Gewehr hin. Typologisch folgt dieser verm. pol. Karabiner dem System Mauser 98 und kann deshalb leicht mit dem dt. Karabiner K98 verwechselt werden.
Hier aber einige signifikante Unterschiede: - Das Gewehr im Bild hat nach der Riemenhalterung zum Rohrende / Korn hin erkennbar am oberen Teil des Rohres einen Handschutz. Beim dt. K98 ist dort das blanke Rohr ohne Handschutz. - Die Bajonett-Halterung scheint hier auch größer zu sein. Beim dt. k98 ist diese recht zierlich unter dem Rohr. Eine Aufplanzung eines Bajonettes ist nicht erkennbar. - Die Riemenhalterung ist am Gewehr unterseitig angebracht. Beim dt. K98 ist diese linksseitig.
Fasst man diese Punkte zusammen, müsste es sich hierbei um einen pol. Karabiner nach dem System RADOM handeln. Fazit: War J. Brayen in der Anfangszeit des dt. Angriffs auf Polen (Sep. 39) auf der pol. Seite, kann dies eigentlich nur ein pol. Soldat sein.
Anmerkung 2 zum Filmbericht vom 14.08.2012 bei ARTE: Dort wurde bei den Bildern vom NS-Parteiaufzug in Nürnberg gesagt, dass wohl wegen der vielen gotischen Kirchen uam. deshalb die Nazis in Nürnberg seien. Dem ist nicht so, denn Hitler und seine Entourage haben wegen eines anderen und aus NS-Sicht historisch-legitimierten und berechtigten Grunde Nürnberg gewählt.
Denn in dieser Stadt befanden sich im Mittelalter die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation)! Nach 1804 dauern verbleibend in Wien. Nach dem Anschluss des geliebten Heimatlandes des Führers waren sie wieder in Nürnberg gelagert. Es sollte von dem alten und wirklichen tausendjährigen 1. Reich des HRR nun eine logische und legitimierte Brücke und Verbindung für das gegenwärtige 3. Reich geschaffen werden. Und dann auch noch für zukünftig tausend Jahre. Hierin ist die angestrebte und heilige Verknüpfung des 3. Reiches mit dem 1. Reich zu finden und das unendlich-nervige geblubbere vom Tausendjährigen Reich.
Anmerkung 3 zum Filmbericht vom 14.08.2012 bei ARTE:
Es ist erst aus heutiger Sicht so richtig verständlich nachvollziehbar, warum der Großteil der Amerikaner vom Film etwas enttäuscht waren. Man sah meist Menschen wie überall auf der Welt. Zwar mit viel Uniformen, Marsch- und Paradeschritt, Hackenkreuze und Plakate in Unendlichkeit, Menschenmassen und den einzigartigen Führer, aber keine Morde, keinen Totschlag, keine Leichen und keine offensichtliche Gewalt. Es wurden (zu?) oft sogar idyllische und auch banale Zustände gezeigt. Optisch wird in diesem Film vorgeführt, was man damals scheinbar real in Deutschland vorgefunden und aufgezeichnet hat.
Wie könnte man zum Inhalt des Filmes im Sinninhalt von Hanna Arendt so treffend schreiben : Man sah und erkannte doch oder noch nicht die Banalität des Bösen.
nils gronmeyer
16. August 2012, 09:56
Das Interessante ist immer wenn man auf Aussagen derjenigen stösst die schon recht frühzeitig erkannt haben wie es um den Nationalsozialismus und deren Konsequenzen stand und dementsprechend "anders" auf diese Umstände reagiert haben. Hier mal ein Beispiel
aus meiner Heimatstadt Hamburg :
http://www.amazon.de/Durchgemogelt-Die-Memoiren-Peter-Petersen/dp/3934376436
Fernab jedes Pseudoheldentums oder Möchtegernwiderstands.
Dito die Aussagen der Besetzten, Verfolgten, Gefolterten etc. aus den von der Wehrmacht eroberten Länder.
Von denen bekommt man dann recht ungeschönt genau die Aussage das sich zu 98% der Deutschen, ob im einfachen Feldgrau oder Tiefschwarz sich als Herrenmenschen aufgeführt haben und keinen Augenblick an der unmenschlichen Ideologie gerüttelt wurde.
All die die als Heimkehrer dann als Ahnungslose nix gewusst und mit bekommen haben.
Nope, das wahre Schwarz/Weiß ist die ignorante Selbstlüge derjenigen die recht komplex bis ultimo die KZ'ler in den Tod geprügelt haben ( Neustädter Bucht ) oder zu Tausenden beim Zwangsauszug der Juden aus dt./österreichischen Städten in den 30ern feixend und lachend am Strassenrand gestanden haben zur Verabschiedung in die "Sommerfrische"....
>>@ Kristian Matthes
>>
>>Sollen wir bzw. Einestages Ihre Fragen beantworten oder können wir uns über einen Beitrag von Ihnen freuen?
>
>Herr Jens Habermann hat mit seinem Beitrag ein ziemlich verbreitetes Meinungsbild gezeigt, welches meiner Meinung nach vor allem auf Halbwissen beruht. Meine "Denkanstöße" sollten dazu dienen ein paar Grautöne in dieses Schwarz-Weiß-Bild zu bringen. Ich halte es eben für unmoralisch Menschen, die vor die Wahl zwischen Pest oder Cholera gestellt sind einen Vorwurf zu machen, wenn sie sich für eines von beiden entschieden haben.
Siegfried Wittenburg
16. August 2012, 11:33
"...und keinen Augenblick an der unmenschlichen Ideologie gerüttelt wurde."
Es war die Handlungsweise, die Psyche einer Generation, die vielfach ihre Jugend in den Schützengräben von Verdun verbracht hat. Es ist ein Versuch, dieses zu verstehen, um die Gewaltspirale, die Spirale der Schuldzuweisung zu durchbrechen.
Es ist wie mit einem Kind, das von den Eltern geprügelt wird, damit es stark wird und ihrem Ideal entspricht.
Kristian Matthes
16. August 2012, 14:11
@ nils gronmeyer:
Das sind sicherlich interessante und teilweise aufschlussreiche Dinge. Nur - in wie weit wollen Sie aus diesen Teilaspekten auf die gesamte deutsche Bevölkerung schließen?
Glauben Sie ernsthaft jeder hätte die Möglichkeit gehabt, sich wie Herr Petersen dem Ganzen zu entziehen? Sind die EInschätzungen der Menschen aus den besetzten Gebiete auf JEDEN DEUTSCHEN übertragbar? Was hat die mangelnde Einsichtsfähigkeit der tatsächlichen Täter (der KZ-Bewacher und Einsatzgruppen) mit der Schuld der deutschen als Ganzen zu tun? Repräsentieren die "feixenden und lachenden" am Straßenrand etwa alle Deutschen (und Österreicher)?
Ich kritisiere die Verallgemeinerung der Schuld auf eine ganze Generation und Sie antworten, indem Sie irgendwelche spezifischen Spezialfälle nennen?!
Vielleicht helfen ja Zahlen:
Deutsche Bevölkerung 1938 = ca. 79 Mio.
Beteiligte am Holocaust = ca. 500.000
davon Deutsche = ca. 250.000 - 300.000
300.000 / 79.000.000 = 0,003795 = 0.3 %
In Worten: Nicht einmal ein halbes Prozent der deutschen Bevölkerung hat sich AKTIV am Judenmord beteiligt. - Warum der andere Teil der Bevölkerung diese Verbrechen nicht verhindern konnte oder wollte ist eine äußerst komplexe Fragestellung. Die Verurteilung einer kompletten Generation hingegen ist ausgesprochen "unklug".
Siegfried Wittenburg
16. August 2012, 14:31
Herr Matthes, wenn jemand das Haus Ihres Nachbarn in Brand steckt, jubeln Sie, sehen Sie weg oder alarmieren Sie die Feuerwehr?
Kristian Matthes
16. August 2012, 15:21
>Herr Matthes, wenn jemand das Haus Ihres Nachbarn in Brand steckt, jubeln Sie, sehen Sie weg oder alarmieren Sie die Feuerwehr?
Vorrausgesetzt, dass ich es - aus welchen Gründen auch immer - nicht selbst angezündet hätte, würde ich die Feuerwehr rufen und wenn es ohne unverhältnismäßige Gefähr für mich selbst möglich ist, evetuell auch mit löschen.
Die Preisfrage ist, ob diese Analogie irgendwie zum Thema 1933 - 1945 passt. - Ich habe große Zweifel.
Siegfried Wittenburg
16. August 2012, 16:06
Ja, die Preisfrage passt zum Thema:
Berufsverbote für Juden ab März 1933, Boykott jüdischer Geschäfte ab April 1933, Entfernung von jüdischen Beamten aus dem Staatsdienst und Ausschluss aus dem öffentlichen Leben ab April 1933, Konzentrationslager ab 1934, Nürnberger Rassengesetze (einstimmig verabschiedet!) 1935, Entzug sämtlicher Bürgerrechte der deutschen Juden ab 1935, Blutschutzgesetz 1936, Entzug des jüdischen Eigentums ab 1938, Reichskristallnacht 1938...
Bis zu diesem Zeitpunkt herrschte Frieden in Europa, niemand ahnte den Krieg, doch die Häuser der Nachbarn "brannten" und jeder hat es gesehen! Die Schilder "Juden nicht erwünscht" wurden in ganz Deutschland überall sichtbar aufgestellt.
Jetzt sind Sie wieder dran.
Kristian Matthes
16. August 2012, 16:36
Danke ;)
Einverstanden, da brennt tatsächlich ein Haus. Es gab auch jemanden der es angebrannt hat. Und nun, ich bin ratlos, wen ich anrufen soll - wer ist denn die Feuerwehr?
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