Letzter Beitrag:
Uwe Schulz
9. Januar 2011, 13:19
Nette Story. Ich frage mich seit Langem, ob es mit dem Geierschrei eine ähnliche Bewandtnis hat, zuletzt gesehen in "Der mit dem Wolf tanzt". So gut wie nie ist der Vogel zu sehen, aber immer wenn sich irgendwo Prärie oder Steppe ausbreitet, hört man diesen Laut. Weiss
mehr...
Harald Haack
13. Juli 2009, 22:04
Beim NDR-Fernsehen gibt es im Schallarchiv eine Möwen-Atmo. Jedes Mal, wenn in irgendeiner NDR-Produktion der Hafen sichtbar wird, kreischen immer wieder dieselben Möwen.
Vor 39 Jahren war ich Kamerapraktikant beim NDR-Fernsehen in Hamburg-Lokstedt. Ich durfte bei etlichen Produktion in viele Aufgabenbereiche hereinschauen. So kam es, dass ich auch bei der Mischung und Nachsynchronisation der Tatort-Folge "AE 612 ohne Landeerlaubnis" dabei sein und mithelfen durfte. Damals wurde alles noch analog gemacht und um Atmos - atmosphärische Hintergrundsgeräusche - zu verlängern, wurden mit den Tonbändern Endlosschleifen gebastelt, die teilweise über viele im Raum aufgestellte Rollen liefen. Einmal brach alles zusammen, weil eine aufmerksame Assistentin die Tür zu unserem Schleifenraum öffnete, um uns liebenswürdigerweise ein paar Tortenschnitten hereinzureichen. Ich durfte damals aus einem Tonband des Tonmeisters, der am Set den Ton aufgezeichnet hatte, die besten Möwenlaute heraussuchen und zu einer Endlosschleife zusammenstellen. Dabei konnte ich hören, was auf dem Tonband sonst noch so zu hören war, was nie gesendet wurde, was nie gesendet werden konnte. Der Tonmeister, leider weiss ich seinen Namen nicht, beschwerte sich nämlich beim Filmteam darüber, dass niemand für diese Aufnahme still sein konnte. Alle schnatterten nämlich durcheinander wie eine Herde Gänse. Später, als ich selbst als Kameramann an ähnlichen Filmproduktionen beteiltigt war, erlebte ich dann wie schwer es Tonmeister haben die doch eigentlich sehr wichtigen Hintergrund-Atmos, damit durch Schnitte keine Tonsprünge entstehen, aufnehmen zu können. Also: Die Möwenatmos vieler heutiger NDR-Tatort-Folgen stammen definitiv von der Produktion "AE 612 ohne Landeerlaubnis". Das Tuten von Schiffen - was man heutzutage gar nicht mehr hören sollte, weil Gesetze diesen Lärm einschränken, stammt wahrscheinlich aus noch früheren Produktionen; wahrscheinlich aus den Fünfziger Jahren, wenn nicht sogar noch früher, aus dem Nazi-Deutschland nämlich. Es ist schon irre komisch, einen modernen Krimi der Gegenwart zu sehen und dazu die Klänge längst vergangener, schlimmer Zeiten im Hintergrund zu hören.
Julian Flach
14. Juli 2009, 08:01
/klugscheiß modus an
Die erwähnte Band heißt "A Wilhelm Scream" also mit einem 'a' und keinem 'the'.
/aus
ansonsten, sehr interessanter Artikel. Heute Abend gleich mal das Videoarchiv durchgehen.
Harald Haack
14. Juli 2009, 11:30
Inzwischen fand ich in der Datenbank von imdb.de die Namen zweier Mitarbeiter, die unter "Ton Stab" stehen: Wolfgang Schmeiss und Günter Sievers. Ich gehe davon aus, dass es Wolfgang Schmeiss war, der damals das Team energisch um Ruhe bat, und weil jemand ihm mit Nennung des Vornamens Wolfgang antworte und ihn aufforderte, er solle sich beeilen - als wenn man die Aufnahme einer Atmo verkürzen könnte. Eine gute und brauchbare Atmo hat nun mal eine gewisse Länge.
Jürgen Schulze
14. Juli 2009, 13:11
Danke für diesen netten, unterhaltsamen und kurzweiligen Artikel.
Obwohl ich mich selbst als ausgewiesenen Filmfreund und -kenner bezeichne, war mir diese Geschichte noch nicht bekannt. Und sie wird in mein Small-Talk-Repertoire aufgenommen.
Und ab jetzt werde ich bei Schreien (und Möven) genauer hinhöhren.
Matthias Marx
19. Juli 2009, 11:53
Der Schrei: http://www.youtube.com/watch?v=cdbYsoEasio&feature=related
Uwe Schulz
9. Januar 2011, 13:19
Nette Story. Ich frage mich seit Langem, ob es mit dem Geierschrei eine ähnliche Bewandtnis hat, zuletzt gesehen in "Der mit dem Wolf tanzt". So gut wie nie ist der Vogel zu sehen, aber immer wenn sich irgendwo Prärie oder Steppe ausbreitet, hört man diesen Laut. Weiss jemand dazu näheres?
Sie möchten mitdiskutieren? Melden Sie sich hier an.