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1945

Filmfund in Prag Grausame Sieger



21 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Siegfried Wilhelm

5. Februar 2011, 07:28
Trau, schau wem. Vielleicht täuscht mich mein trübes Auge, aber ich bilde mir ein, mindestens 2x im Film (http://tinyurl.com/3xxt42a) deutsche Uniform gesehen zu haben.

Es ist zuviel «Glauben» in dem Streifen. Ich muß glauben, daß die armen Menschen von einer mehr...

torsten steinbeck
3. Juni 2010, 17:17
manche Aussage von Vorrednern sind regelrecht widerlich. Der Krieg war offiziell am 08.05.1945 beendet, die Wehrmacht hat die Kapitulation unterschrieben. Waren Hinrichtungen von Zivilisten während des Krieges schon verboten, so sind sie das nach der Kapitulation erst recht und Verstöße dagegen noch weit schlimmer zu bewerten - nämlich als Kriegsverbrechen!

Derjenige der kapituliert hat ein Recht auf Schonung, sonst bräuchte es keine Kapitulation ! Mein mittlerweile verstorbener Nachbar war Sudentendeutscher und Soldat in jener Zeit. Einige Vorredner behaupten einfach es hätte Erschießungen von Zivilisten seitens deutscher Soldaten geben, so einfach meine Herren ist es nicht. Sicher gab es die Vergeltungsaktion aufgrund des Anschlages gegen Heydrich, diese sind auch absolut zu verurteilen und wurde auch zur Genüge verurteilt. Aber bis zu diesem Anschlag war es in der Tchechei absolut ruhig und die Tchechen wurden wider aller Propaganda fair behandelt.

So durften deutsche Soldaten nur mit besonderen Papieren in die Tchechei und nur mit Marken einkaufen um günstige Hamsterkäufe und damit leere Läden für die Tchechen zu vermeiden. Außerdem mussten die Tchechen keinen Kriegsdienst leisten, wurden also auch noch verschont von jeglichen Kampfhandlungen. Warum fuhr Heydrich im offenen Wagen? Weil es nichts zu befürchten gab und das wollten die Briten unbedingt ändern, denn Frieden war ihr Ding nicht. Die meisten Tchechen hatten sich arrangiert und kollaborierten mit Deutschland, war ja die Tchechei fast Tausend Jahre Teil des Deutschen Reiches, was heute gerne verschwiegen wird.

So wurde ganz gezielt mit britisch organisierten Anschlägen in der bis Dato zwar besetzten aber friedlichen Tchechei Vergeltung auf deutscher Seite provoziert um daraus Widerstand der Tchechen zu provozieren.

Trotzdem wurde das tschechische Volk bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich verschont und von deutscher Seite fair behandelt bis zum Kriegsende, wer etwas anders behauptet lügt und wird für diese Lüge keine Beweise vorbringen können.

Die nun aufgetauchten Filmaufnahmen sind nur ein Puzzleteil das den Befreiungsmärchen widerspricht. Vieles ist noch gar nicht bekannt geworden, aber wer weiterhin von der Befreiung Deutschlands durch die rote Armee spricht, ist ein Spinner und Ignorant, denn befreien wollte uns wahrlich niemand !
Oliver Mann
3. Juni 2010, 19:53
>... Aber bis zu diesem Anschlag war es in der Tchechei absolut ruhig und die Tchechen wurden wider aller Propaganda fair behandelt.
>
>So durften deutsche Soldaten nur mit besonderen Papieren in die Tchechei und nur mit Marken einkaufen um günstige Hamsterkäufe und damit leere Läden für die Tchechen zu vermeiden. Außerdem mussten die Tchechen keinen Kriegsdienst leisten, wurden also auch noch verschont von jeglichen Kampfhandlungen. Warum fuhr Heydrich im offenen Wagen? Weil es nichts zu befürchten gab und das wollten die Briten unbedingt ändern, denn Frieden war ihr Ding nicht. Die meisten Tchechen hatten sich arrangiert und kollaborierten mit Deutschland, war ja die Tchechei fast Tausend Jahre Teil des Deutschen Reiches, was heute gerne verschwiegen wird.
>

Ihrer rührselig verharmlosenden Darstellung der deutschen Besatzung möchte ich mal die Antrittsrede von Heydrich gegenüberstellen. Letztendlich ist den Deutschen dort das widerfahren, was die Nazis den Tschechen angedacht hatten:

http://zavodsky.webz.cz/dobias/heydrich_de.htm

Auf Youtube kann man den Film sehen. Es ist ein grausiger Anblick, wie alle diese Fragmente aus dieser Zeit, auf denen in scheinbarer Selbstverständlichkeit für uns unvorstellbares passsiert - egal wer da gerade erschossen oder misshandelt wird. Der Krieg scheint den Menschen seiner Fähigkeit zur Empathie zu berauben.
Die Kommentare einiger Betrachter (auf Youtube) lassen mich allerdings noch mehr erschaudern. Es ist doch immer noch genug Potential an Dummköpfen vorhanden, um den Kreislauf des Abschlachtens wieder zu beleben.
Ralf Klein
3. Juni 2010, 21:51
Verbrechen an deutschen Zivilisten wiegen nach Meinung einiger Leute hier weniger schwer. Sie haben es nach deren Meinung also verdient! Zynischer geht es kaum! Wie verblendet muß man sein, angesichts der Opfer keinerlei Mitgefühl zu empfinden? Verbrechen der Deutschen werden immer wieder bis ins Detail analysiert und mögliche Täter überführt und verurteilt. Umgedreht wendet man sich lieber ab und denkt, was nicht sein darf, gibt es auch nicht. Hier mal ein Link zur Doku, die man in Deutschland aus unerfindlichen Gründen gar nicht erst gesendet hat.
http://video.idnes.cz/?idvideo=V100504_141525_tv-zpravy_zkl
Mein Respekt gilt den tschechischen Journalisten die diese Aufnahmen veröffentlicht haben.
Axel Eick
3. Juni 2010, 23:42
>manche Aussage von Vorrednern sind regelrecht widerlich. Der Krieg war offiziell am 08.05.1945 beendet, die Wehrmacht hat die Kapitulation unterschrieben. Waren Hinrichtungen von Zivilisten während des Krieges schon verboten, so sind sie das nach der Kapitulation erst recht und Verstöße dagegen noch weit schlimmer zu bewerten - nämlich als Kriegsverbrechen!
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>Derjenige der kapituliert hat ein Recht auf Schonung, sonst bräuchte es keine Kapitulation ! Mein mittlerweile verstorbener Nachbar war Sudentendeutscher und Soldat in jener Zeit. Einige Vorredner behaupten einfach es hätte Erschießungen von Zivilisten seitens deutscher Soldaten geben, so einfach meine Herren ist es nicht. Sicher gab es die Vergeltungsaktion aufgrund des Anschlages gegen Heydrich, diese sind auch absolut zu verurteilen und wurde auch zur Genüge verurteilt. Aber bis zu diesem Anschlag war es in der Tchechei absolut ruhig und die Tchechen wurden wider aller Propaganda fair behandelt.
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>So durften deutsche Soldaten nur mit besonderen Papieren in die Tchechei und nur mit Marken einkaufen um günstige Hamsterkäufe und damit leere Läden für die Tchechen zu vermeiden. Außerdem mussten die Tchechen keinen Kriegsdienst leisten, wurden also auch noch verschont von jeglichen Kampfhandlungen. Warum fuhr Heydrich im offenen Wagen? Weil es nichts zu befürchten gab und das wollten die Briten unbedingt ändern, denn Frieden war ihr Ding nicht. Die meisten Tchechen hatten sich arrangiert und kollaborierten mit Deutschland, war ja die Tchechei fast Tausend Jahre Teil des Deutschen Reiches, was heute gerne verschwiegen wird.
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>So wurde ganz gezielt mit britisch organisierten Anschlägen in der bis Dato zwar besetzten aber friedlichen Tchechei Vergeltung auf deutscher Seite provoziert um daraus Widerstand der Tchechen zu provozieren.
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>Trotzdem wurde das tschechische Volk bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich verschont und von deutscher Seite fair behandelt bis zum Kriegsende, wer etwas anders behauptet lügt und wird für diese Lüge keine Beweise vorbringen können.
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>Die nun aufgetauchten Filmaufnahmen sind nur ein Puzzleteil das den Befreiungsmärchen widerspricht. Vieles ist noch gar nicht bekannt geworden, aber wer weiterhin von der Befreiung Deutschlands durch die rote Armee spricht, ist ein Spinner und Ignorant, denn befreien wollte uns wahrlich niemand !

Hallo Herr Steinbeck,
gehören sie bereits einer rechtsextremen Gruppierung an oder sind sie nur auf dem Weg dahin? Jedenfalls versuchen sie das Terroregime der Nazis in Europa zu relativieren und das macht mir doch Angst?
Was mich an dem Spiegel-Artikel stört, ist das über die Jahre 1938 bis 1945 kein Wort geschrieben worden ist. Die Verbrechen nach dem Kriegsende sind wohl kaum verständlich, wenn nichts dazu gesagt wird, was in den Jahren vorher den Tschechen passiert ist.
Soviel ich weiß, war die deutsche Terrorherrschaft in der CSR weniger brutal als in Polen, aber Prag war einer der größten Stützpunkte der Gestopa und SD in Europa. Die Gestapo hat viele Tschechen umgebracht, die Prager Universität wure geschlossen und bei Demonstartionen wurden tschechische Studenten erschossen. Heydrich und Lidice sind auch in Deutschland Begriffe und Theresienstadt liegt auch in Tschechien. Über diese Zusammenhänge sollte mehr geschrieben werden um die Morde durch die Tschechen nach Kriegsende verständlich machen.
Leider konnte ich im Film und auf den Bildern nicht erkennen, dass es sich um Deutsche handelte, nur weiße Armbinden konnte ich erkennen. Hoffentlich lassen sich diese Morde genauer erforschen, aber wir sollten alles tun, dass ein solcher Hass sich nie wieder in Europa ausbreiten kann.
Roberto Mühlenkamp
4. Juni 2010, 01:04
Zur Opferzahl der Nachkriegsverbrechen an Deutschen in der Tschechoslowakei: In der Publikation "Vertreibung und Vertreibungsverbrechen 1945 – 1948 Bericht des Bundesarchivs vom 28. Mai 1974 Archivalien und ausgewählte Erlebnisberichte", herausgegeben von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn 1989, S. 45-47 und S. 53, ist von mehr als 130.000 Opfern die Rede. Für den Prager Aufstand wurden hiernach vom Statistischen Bundesamt 15.000 Opfer geschätzt, für die Geschehnisse in Aussig am 31.7.1945 werden 600 – 2.700 Opfer genannt. Die Zahl der in Gefängnisse und Lager verbrachten Deutschen wird mit 350,000 angegeben, die Zahl der Todesopfer unter diesen auf ca. 100.000 geschätzt.

Bei Wikipedia findet man unter
http://en.wikipedia.org/wiki/Expulsion_of_Germans_from_Czechoslovakia folgende Information:

"Estimates of casualties range between 20,000 and 270,000[5] people, depending on source.[6] These casualties include violent deaths and suicides, deaths in "internment camps"[6] and natural causes.[7] The joint Czech-German comission of historians stated in 1996 following numbers: The deaths caused by violence and abnormal living conditions amount approximately to 10 000 persons killed. Another 5000 - 6000 persons died of unspecified reasons related to expulsion making the total amount of victims of the expulsion 15 000 - 16 000 (this excludes suicides, which make another approximately 3400 cases).[8] [9]"

Der Text der letztgenannten Quelle ("Stellungnahme der Deutsch-Tschechischen Historikerkommission zu den Vertreibungsverlusten" - Pressemitteilung vom 17.12.1996), findet sich unter
http://www.tschechien-portal.info/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=134.:

"Danach sind in den Jahren 1945-1946 durch Gewalt, in Internierungslagern, bei Arbeitseinsätzen u.s.w. mindestens 10.000 Menschen ums Leben gekommen; hinzu kommen ca. 5.000-6.000 nicht näher spezifizierte Todesfälle, die jedoch in unmittelbarem Zusammenhang mit den Vertreibungsvorgängen standen, so daß sich nach dem bisherigen Forschungsstand eine Mindestzahl von 15.000-16.000 Opfern – ohne Selbstmorde – ergibt. Diese Zahl wird auch durch die tschechoslowakischen Statistiken für die Jahre 1945 und 1946 bestätigt, die insgesamt 22.247 Todesfälle durch „Gewalt, Fremdeinwirkung und aus ungeklärter Ursache“ sowie Selbstmord (6.667) ausweist.
Dem nähert sich die in den genannten Suchkarteien addierte Zahl von nachweislich 18.889 Todesfällen, in der 3.411 nachgewiesene Selbstmorde enthalten sind. Selbst wenn man annimmt, daß die Datenüberlieferung Lücken aufweisen könnte, gelangt man durch eine Verdoppelung der Mindestzahl zu einer maximalen Anzahl von 30.000 Opfern."

Die im Artikel genannte Zahl beruht offenbar auf dieser Pressemitteilung.
Michael Schnickers
4. Juni 2010, 02:27
Das, was mein Vorredner (der bewusst "Tchechei" schreibt, es müsste "Tschechei" heißen, was als sog. "Rest-Tschechei" vor der endgültigen Annektierung des "Protektorates Böhmen und Mähren" auch schon ein Nazi-Begriff war, den man im heutigen TSCHECHIEN tunlichst vermeiden sollte!) da hinklatscht, ist ja wohl die übelste tendenziöse Verharmlosung der Nazi-Besetzung, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!
Und sowas hier?

Heydrich war einfach nur zu arrogant, das hat ihn verdientermaßen das Leben gekostet- wer über die Briten sagt: "Frieden war ihr Ding nicht" ist ein schlimmer Hetzer, der mit feisten Lügen um sich schmeißt!

PFUI!
Mir ist schlecht!
Olaf Nyksund
4. Juni 2010, 07:56
Werter Herr Steinbeck,

Sie verwenden das Wort "widerlich". Sie tun es allerdings allzu leichtfertig. Denn, mit Verlaub, der Begriff passt auf Ihren Artikel ausgezeichnet.

Es fängt mit dem Sprachgebrauch an. Es gibt - und es gab nie - eine "Tchechei" (wie sie wiederholt schreiben, womit ich einen simplen Tippfehler ausschließe) - ich nehme an, Sie meinen damit "Tschechei" - hach, aber auch eine solche gab es niemals, alleine im Sprachgebrauch des "Dritten Reichs" wurde das Land südlich des Riesengebirges so genannt.

Was Ihre Behauptung angeht, die Tschechen seien "grundsätzlich verschont und von deutscher Seite fair behandelt bis zum Kriegsende", so ist sie schlicht und einfach falsch und im Zynismus kaum zu übertreffen.

Ich schlage vor, Sie schreiben wieder dort, woher der Wind weht. Hier ist Geschichtsaufklärung willkommen, Geschittsklitterung nicht.
Roberto Mühlenkamp
4. Juni 2010, 12:31
Lesenswert in diesem Zusammenhang ist Abschnitt 2 des Artikels "Tschechische Häftlinge im Konzentrationslager Dachau" von Zuzana Mosnáková, Link: http://www.hagalil.com/czech/dachau/index.htm >> http://www.hagalil.com/czech/dachau/dachau-1.htm . Am Ende dieses Abschnitts wird die Zahl der tschechoslowakischen Opfer der nationalsozialistischen Besatzungsregimes wie folgt angegeben:

"Insgesamt fielen zwischen 337.000 und 343.000 Tschechen und Slowaken dem national-sozialistischen Terror zum Opfer[71], wobei über 20.000[72] von ihnen in Konzentrations- oder anderen Lagern, auf Todesmärschen oder in den Gestapogefängnissen starben."

Fußnote 71: "Darunter ca. 265.000 Juden und 7.000 Roma, die die rassische Verfolgung im Zuge der "Endlösung der Judenfrage" nicht überlebt haben. Weiter etwa 3.000 Personen, die während des Zwangsarbeitseinsatzes starben sowie ca. 6.800 Soldaten der Auslandsarmee, die an der Ostfront oder in Afrika fielen. Zusätzlich starben über 4.000 Menschen bei Luftangriffen und rund 8.000 bei "bewaffneten Zusammenstößen" im Protektorat. Schließlich wurden etwa 8.500 Tschechen und Slowaken von den Nationalsozialisten hingerichtet. Zu näherer Aufschlüsselung der Zahlenangaben siehe bei: Škropil, Pavel: Probleme bei der Berechnung der Zahl der tschechoslowakischen Todesopfer des nationalsozialistischen Deutschlands, in: Brandes, Detlef/Kural, Václav (Hrsg.): Der Weg in die Katastrophe. Deutsch-tschechoslowakische Beziehungen 1938 – 1947 (= Veröffentlichungen des Instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa; 3), Essen 1994., S. 163 – 164."

Fußnote 72: "In dieser Zahl sind die Opfer der rassischen Verfolgung, wie Juden und Roma nicht enthalten. Ebenda, S. 163."
Sascha Otto
4. Juni 2010, 15:28
>@ Sascha Otto:
>
>Sie haben vollkommen Recht, während Sie das aus der Perspektive eines Mittelwesteuropäers schreiben, im Warmen sitzend und nachdem seit über 20 Jahren die Gefahr eines großen Krieges in Europa gebannt zu sein scheint - hoffentlich nicht nur "scheint".


@Olaf Nyksund
Ich gebe Ihnen soweit Recht, daß ich als 1971´er Jahrgang das große Glück hatte, von allem wirklich großen Elend der Vorgängergeneration(en) verschont geblieben zu sein.


>Versetzen Sie sich aber in die Lage der damaligen Tschechien. Nach einem Krieg, den Ihr Volk nicht verschuldete, nach Jahren Deportation, Demütigung, Not, Folter, Exekutionen, nachdem es in praktisch in jeder Familie irgend jemand von der NS-Regime verschleppt, gequält, umgebracht wurde. Jetzt, auf einmal, stehen die Verbrecher vor Ihnen - wehrlos, gestern noch Herrscher über Leben und Tot, heute haben sich die Rollen gedreht. Zudem ist die eine Macht weg und die andere noch nicht angekommen. Keiner weiß, was weiter kommen wird, außer, dass die Peiniger von eben plötzlich ohne Schutz da stehen. (Ob das wirklich diejenigen sind, die töteten, folterten und entwürdigten? Das wissen wir nicht. Das ist in der beschriebenen Situationsdynamik auch egal.)


@Olaf Nyksund:
Ich habe das große Glück gehabt, mehrere ehemalige Häftlinge des KZ Buchenwald kennengelernt zu haben. Auf vielen Reisen nach Polen und nach Peterburg konnte ich Zeitzeugen der deutschen Besetzung Polens, der Belagerung Leningrads kennenlernen. Das, was mich auch heute noch in immer wieder fasziniert, beschämt und berührt- ausnahmslos alle Menschen, die Schlimmstes im Krieg erlebten, deren Familien zum Teil restlos ausgelöscht wurden, kamen zu ein und demselben Punkt: Der Hass auf alles Deutsche war überwaltigend. Und als die Gelegenheit gekommen war, sich zu rächen, verhinderte die eigene Menschlichkeit und die eigene Erfahrung das, was hier im Bericht aus Prag geschildert wurde.

Es geht !
Es gab es !
Und daran sollten wir uns als Deutsche erinnern: An die Greuel, die unsere Großeltern verübten, an die Greuel, die unseren Großeltern angetan wurden und an die Gnade, als Volk nach diesem Krieg weiter existieren zu können.


>Ich glaube grundsätzlich an das Gute im Menschen, aber in diesem Fall weiß ich wirklich nicht, wie ich mich verhalten würde. Vor allem wenn entsprechender Gruppendruck entsteht und die momentane Situation als permissiv erscheint, da offensichtlich die (zu dem Zeitpunkt noch als Freunde und Aliierte empfundenen) Befreier selbst nicht zimperlich sind.
>
>Wie gesagt, aus der heutigen Friedens- und Wohlstandsperspektive ist es ein Leichtes, Moralapostel zu spielen. Ich betone noch einmal: dies soll kein Versuch sein, dieses oder andere Verbrechen zu relativieren (falls jemand auf die vage Idee kommen sollte), aber _nachvollziehbar_ ist solch ein Verhalten für mich allemal.

@Olaf Nyksund:
Da bin ich vollkommen bei Ihnen.
Ich würde nie behaupten, ich wäre der bessere Mensch und hätte die Chance zur Rache nicht ergriffen. Aber zu meiner Überzeugung gehört es, daß ich dafür ebenso vor ein Gericht gehört hätte. Schlechtes wird nicht durch ein weiteres Übel gut, wie Minus mal Minus Plus ergibt.

Die Aufarbeitung der Schuld auf allen Seiten ist meiner festen Überzeugung nach die Grundlage für eine spätere Vergebung.

Aber vielleicht bin ich auch nur ein idealistischer Idiot, der glaubt, das Bildung, Erziehung und Kultur die Bestie im Menschen am besten unterdrücken. ;o)
Burkhard Grafenstein
4. Juni 2010, 20:24
Der Film selbst ist unter folgender Adresse zu finden, warum wird er im Text nicht verlinkt? http://tinyurl.com/3xxt42a

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