Veröffentlicht: 15.10.2012 Eingereicht von: Ralf Kotschka
Louis Scheuer war vor 1933 eine bekannte Persönlichkeit in Trier, wo er eine kaufmännische Privatschule betrieb. Zu seiner Bekanntheit trugen zahlreiche Bühnenstücke bei, die nicht nur regionalen Charakter hatten. In New York trat er selbst als Bühnenstar auf. 1894 stand er zum ersten Mal auf der Bühne des Trierer Karnevalsvereins "Heuschreck". Seine Lustspiele und Schwänke zeichneten sich durch einen gesellschaftskritischen Unterton aus. Der Schwank "Der Sittenapostel" brachte es auf fast 1200 Aufführungen, sein Stück "Der Klapperstorch fliegt" auf 1300. Lange blieb er in Trier populär mit seinem Revueschlager "Mein Trier wie lieb' ich Dich!" Insgesamt schrieb er in Trier 45 Bühnenstücke, von denen 38 zur Aufführung kamen. Im Ersten Weltkrieg wurde seine Schrift "Die Juxquelle" an die Trierer Soldaten verschickt; sie enthielt die vollständigen Texte seiner Revuen 1898 bis 1903.
Mit der NS-Diktatur begann für Louis Scheuer eine harte Zeit. Er wurde als Jude 1934 aus dem deutschen Kulturkreis ausgeschlossen. 1936 musste er seine Privatschule, die 43 Jahre lang als die beste in der Region galt, schließen und Trier verlassen. Er verzog nach Frankfurt am Main, wo er zunächst noch für die jüdische Volksbühne tätig sein konnte. Da seine Frau Christin war, blieb er zunächst von der Deportation verschont. 1944 wurde seine Wohnung mit allen Manuskripten ausgebombt.
Leider ist von Louis Scheuers Revuen, Vaudeville- und Purim-Stücken, seinen Fastnachtsschlagern und anderen Werken keine einzige Note oder Tonaufnahme bekannt. Textbücher (Selbstverlag) sind in Amsterdam (De zedelijkheidsapostel. Nieuwste klucht met zang en dans in 3 bedrijven door Louis Scheuer en Leo de Wilde) und Milwaukee zu erhalten. Da die Stücke mitunter mit großem Orchester aufgeführt wurden, sind vielleicht doch noch irgendwo Notationen oder sogar Aufnahmen auffindbar - danke für alle weiterführenden Hinweise!