Veröffentlicht: 10.01.2013 Eingereicht von: Doris Köhn
Dieses Werkzeug wurde dem hiesigen Heimatverein für das Heimatmuseum aus einer Haushaltauflösung überlassen. Es handelt sich dabei um fünf halbrunde Schneidflächen, die von vier beweglichen Holzscheiben getrennt werden. Die Holzscheiben können über einen Bügel nach unten über die Metallschneiden bewegt werden.
Wer hat so etwas schon einmal gesehen und weiß was das ist? Könnte es sich eventuell um ein Sattlerwerkzeug zum Riemen schneiden handeln?
Vielleicht handelt es sich um ein Kräuter-Wiegemesser mit Mehrfachklinge.
Kräuter ist gut, ein Krautschneider für Sauerkraut? Nach Druck auf den Hebel über dem Griff schieben die Holzscheiben das "Schnittgut" heraus.
Einer Nutzung als Wiegemesser widerspricht das Gewicht von 1,4 kg und die vielen nässeempfindlichen Metallteile.
Kein Wiegemesser: die Handgriffe sprechen eindeutig gegen ein Wiegemesser. Diese sind für eine schräg nach links gerichtete Kraftausübung konstruiert, keinesfalls für Wiegebewegungen. Eine Bewegung wie man sie vom Hobeln kennt (freilich ist es kein Hobel). Auch ist der Radius der Schneide für das Wiegen nicht geeignet, da bei vollem Abrollen der Abstand zum Schnittgut zu klein ist.
Kein Riemenscheinder: Riemenschneider haben eine Abstandsführung, die an der Kante des Lederbandes entlangführt. Nur so können gleichmäßige Riemenbreiten ohne Verschnitt erzielt werden. Das Werkzeug hat keinerlei Abstandsführung. Eine grade Schnittführung wäre unmöglich.
Die stabile Ausführung lassen große Kräfte vermuten. Möglicherweise wurde etwas mehrlagiges geschnitten und das Werkzeug war es in einer Halterung eingesetzt und das Schnittgut wurde darunter entlangeführt?
Beim zweiten Hinsehen glaube ich, dass es sich um ein einlagiges Schnittgut, kein mehrlagiges Schnittgut handelt. Die Querkräfte die den Haltegriff links erforderlich machen, werden größer als mögliche Reibungskräfte zwischen dem Schnittgut sein. Mehrlagiges Material würde sich also verschieben, statt geschnitten zu werden.
Die "Schneiden" sehen auf dem Bild auch nicht besonders scharf aus. Ist denn gesichert, dass die Kanten Schneiden sind? Wenn ja, gibt es Schneidkanten auch an den Seitenflächen oder nur auf dem runden Teil?
Das scheint mir eher ein Teil eines historischen Schlosses zu sein. Der Bart des Schlüssels greift in die Zwischenräume zwischen den Metallplatten und bewegt dann die darin befindlichen Platten synchron nach oben (wenns halt passt). Weitere Hebel und der Drehpunkt des Schlüssels fehlen.
Kein Schlossteil: Auch wenn die Metalllamellen an ein Schlossteil erinnert, sehen alte Schlösser im Detail ganz anders aus. Auch die Handgriffe (s.o) sprechen eindeutig gegen ein Schloss. Diese sind wie gesagt eindeutig für eine schräg nach links unten gerichtete Kraftausübung konstruiert. Was immer von unten gegen die Lamellen drückte bewegte sich im Bild von links nach rechts und wurde wie Frau Köhn richtig vermutet hat mit den Holzlamellen von zeit zu zeit ausgeworfen (für ein häufigeres Auswerfen ist der Mechanismus zu umständlich zu bedienen).
Es könnte auch ein elektrisches Regelteil sein, wie am Karusell verwendet.