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1960

Olympische Momente Ohne Schuhe zur Goldmedaille


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Getty Images
Der Barfußläufer: Abebe Bikila, hinter ihm der Marokkaner Rhadi Ben Abdesselam, ist nur noch wenige Meter von der Ziellinie entfernt.

Flott ohne Sohle: Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom gewann ein äthiopischer Läufer den Marathon - barfuß. Zur Einstimmung auf London 2012 zeigt einestages zehn unvergessliche Olympia-Momente. Im dritten Teil: Abebe Bikila, der erste schwarzafrikanische Olympiasieger. Von Christian Gödecke


Noch 300 Meter. Die Zuschauer auf den provisorischen Tribünen am Straßenrand klatschen und jubeln, Autos hupen. Ohrenbetäubend ist der Lärm, der Abebe Bikila begleitet. Noch 200 Meter. Der Römer Konstantinbogen ist mittlerweile in Sicht. Bikila hat die Arme angewinkelt, mit kleinen Schritten rennt er dem Ziel entgegen. Niemand kann ihm diesen Sieg mehr nehmen, Bikila weiß das, seit er Rhadi Ben Abdesselam aus Marokko vor ein paar Minuten davongelaufen ist. Seinem letzten verbliebenen Gegner.

Noch 100 Meter. Noch 50. Als Abebe schließlich die Ziellinie passiert, hebt er kurz die dünnen Ärmchen und winkt zaghaft. Da sind keine geballten Fäuste in diesem Moment und kein lauter Schrei. Es ist ein sehr bescheidener Jubel über ein historisches Ereignis: Abebe Bikila, 28 Jahre alt, Äthiopier, hat gerade die erste Goldmedaille geholt - als erster Olympiasieger aus einem schwarzafrikanischen Staat. Und noch etwas macht seine Leistung an diesem 12. September 1960 in Rom so besonders: Bikila ist den Marathon barfuß gelaufen.


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Sein Sieg ohne Schuhe ist der krönende Abschluss einer der unglaublichsten Erfolgsgeschichten Olympias. Denn Bikila, Mitglied der Leibgarde des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, war erst zu seinem Glück gezwungen worden und hatte schließlich auch noch von der Dummheit eines Kameraden profitiert. "Ich war nur einer von vielen Leibwächtern des Kaisers, als im vergangenen Jahr der Befehl kam, eine Olympiamannschaft zu bilden", erzählte er nach seinem Erfolg den Reportern. 2:21:23 Stunden sei er gelaufen - genug für das Olympia-Trainingscamp, 50 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt.

Aber einer war noch besser als Abebe Bikila: Wami Birrato. Eines Tages büxte der Konkurrent aus und rannte erst nach Addis Abeba und dann wieder zurück. 100 Kilometer insgesamt. Im Camp verschwieg er seinen Ausflug - und bezahlte schließlich den Preis. "Er hatte Angst, es könnte entdeckt werden, dass er zu Fuß zurückgekehrt war. Und die Trainer, die ja nicht wussten, was er getan hatte, schickten ihn gleich am nächsten Tag zu einem neuen Trainingslauf über 32 Kilometer." Birrato landete im Krankenhaus - Bikila fuhr zu Olympia.


Lust auf weitere Olympische Momente? Hier finden Sie die anderen Teile der einestages-Serie

Abebe Bikila Sieg von Rom wurde zum Signal für einen ganzen Kontinent. In den folgenden Jahrzehnten sollten es vor allem Afrikaner sein, die über die Mittel- und Langstrecken olympische Medaillen gewannen. Auch Bikila: 1964 konnte er seinen Marathontriumph in Tokio wiederholen. Dieses Mal trug er allerdings Schuhe.


Zur Einstimmung auf die Olympischen Spiele hat einestages zehn unvergessliche Momente der vergangenen Jahrzehnte gesammelt. Morgen: Bob Beamons Jahrhundertsprung.


Debatte

insgesamt 3 Beiträge zur Debatte
Konrad Hünnefeld am 20. Juli 2012, 10:18
Hallo Herr Berger,

natürlich ist nichts schlimmes an dem Artikel. Und ich glaube auch nicht soviel mehr an Lebenserfahrung anderen Lesern gegenüber zu haben ;-)

Mir...

Dirk Berger am 19. Juli 2012, 21:26
Hallo Herr Hünefeld,
was ist so schlimm an diesem Artikel, nur weil Sie die Story schon kennen. Mir war dies nicht bekannt. Das mit Jesse Owens schon. Vieleicht kann nicht...


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