| Einladend: Die Fassade des Luxushotels Ritz am Place Vendôme Nummer 15 in Paris erstrahlt in warmen Licht an einem Abend im September 2010. Die Beleuchtung war schon Gründer César Ritz sehr wichtig gewesen: Er ließ in allen Zimmern indirekte und dezente Lichtquellen installieren - weil die indirekte Beleuchtung dem Teint der Damen schmeichle. |
Elefantenfüße zum Dinner? Das geht nur im Ritz! Das französische Hotel war dafür bekannt, dass es seinen Gästen jeden Wunsch erfüllte. Nun wird die Luxusherberge für zwei Jahre geschlossen. Zeit für einen Rückblick - auf liebestolle Monarchen und bewaffnete Bewohner. Von Sarah Levy
Georges Scheuer kannte etliche Anekdoten. Zum Beispiel die über den Herren, der sich für seine zwanzig Dinnergäste Elefantenfuß als Hauptgericht wünschte. "Wir kauften dem Zoo einen Elefanten ab und servierten seine Füße", erinnerte sich Scheuer. "Ich habe das Fleisch probiert, es schmeckte nach Schwamm und Flanellstoff." Oder als F. Scott Fitzgerald beschloss, sich den hoteleigenen Chauffeur für eine Weile auszuleihen - und auf der Fähre in Le Havre kurzerhand entschied, sich von Paris bis in die Vereinigten Staaten fahren zu lassen. "F. Scott Fitzgerald war einer der Menschen", erinnerte sich Scheuer später, "die sich in den zwanziger und dreißiger Jahren im Ritz wie zu Hause fühlten."
Als "Chef du Bar" arbeitete Georges Scheuer vier Jahrzehnte im Pariser Luxushotel Ritz. In diesen vierzig Jahren mixte der Barkeeper aber keinen einzigen Drink. Seine Aufgabe war es, seine Mitarbeiter zu beaufsichtigen, den Problemen der Gäste zu lauschen und ihre Wünsche zu erfüllen - wie extravagant sie auch sein mochten.
"Seht alles, ohne hinzusehen. Hört alles, ohne hinzuhören", bläute der Schweizer Hotelier César Ritz bei der Eröffnung seines Hotels 1898 seinen Mitarbeitern ein. "Seid aufmerksam, ohne unterwürfig zu sein. Lest dem Gast jeden Wunsch von den Augen ab, ohne aufdringlich zu sein. Wenn ein Gast sich über ein Gericht beschwert, entfernt es sofort und ersetzt es, ohne Fragen zu stellen." Ritz' Credo "Der Kunde hat immer Recht" war einzigartig in der damaligen Hotelwelt. Indem er die Allüren seiner Gäste vollends akzeptierte, sie gar pflegte, machte César Ritz sein Hotel zu einem Paradies für Stars und Sternchen, Minister und Royals, Exzentriker und Narzissten.
Ein Kronprinz in der Klemme
Ernest Hemingway, Marcel Proust, König Alfons von Spanien, Coco Chanel - sie alle waren Stammgäste im Ritz. Im Hotel am Place Vendôme blieb ihnen kein Wunsch verwehrt, ganz gleich, wie ausgefallen er war. "Wenn ich von einem späteren Leben im Himmel träume", schrieb Hemingway einst, "dann spielt sich immer alles im Ritz ab." Der Modezarin Coco Chanel gefiel es gar so gut in dem Luxushotel, dass sie von 1936 bis zu ihrem Tod 1971 eine Suite in dem Haus an der Rue Cambon bewohnte, direkt gegenüber ihrer Boutique.
Exzesse bis zum Exitus: Als John Belushi vor 30 Jahren im...
Übernachten sie noch oder feiern sie schon? Seit mehr als 70...
Hier betteten sich Präsidenten und Könige, hier wurde Glanz...