Über einestages

1970-1989

Actionhelden der Achtziger Ein Mann, eine Armee


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Jenseits der Vorstellungskraft: Niemand hat dem Ein-Mann-Armee-Film zu solcher Beliebtheit verholfen wie Sylvester Stallone mit seiner "Rambo"-Filmreihe, die ab 1982 in den Kinos lief. Stallone schrieb darin Kinogeschichte als Vietnam-Veteran John Rambo, der nach seiner Heimkehr in die USA in einer Kleinstadt mit dem sadistischen Sheriff aneinandergerät - die schließlich in einen blutigen Kleinkrieg mündet.

Härteste Mission: Als Sonnenbrille tragende Kampfmaschine Marion "Cobra" Cobretti, der 1986 in "Die City Cobra" eine Zeugin, nebenbei auch Fotomodell, vor den Häschern einer finsteren Sekte schützen muss.

Denkwürdiges Zitat: "Hören Sie auf! Hören Sie auf, oder ich gebe Ihnen einen Krieg, den Sie sich nicht vorstellen können!" ("Rambo", 1982)

Kerle, Sprüche, Explosionen: In den Achtzigern eroberte eine neue Generation von Kampfmaschinen die Kinos. Im Alleingang besiegten Stallone, Van Damme und Co. ganze Heere und rissen dabei noch lässige Kalauer. einestages huldigt den Männern aus Stahl - auch wenn mancher längst Rost angesetzt hat. Von Danny Kringiel


Ein Kinobesuch im Jahr 1984: Ex-Soldat James Braddock (Chuck Norris) hat den Schrecken des Vietnam-Kriegs hinter sich gelassen. Doch finstere Machenschaften im Dschungel von Vietnam zwingen ihn, noch einmal den Kampf aufzunehmen - und seine einstigen Peiniger für ihre Verbrechen zahlen zu lassen.

Ein Kinoabend 1988: Ex-Soldat Nico Toscani (Steven Seagal) hat den Schrecken des Vietnam-Kriegs hinter sich gelassen. Doch die finsteren Machenschaften eines ehemaligen Vorgesetzten zwingen ihn, noch einmal den Kampf aufzunehmen - und skrupellose CIA-Agenten für ihre Geschäfte mit einem Drogenkartell zahlen zu lassen.

Ein Jahr später im Kino: Ex-Soldat Nick Parker (Rutger Hauer) hat den Schrecken des Vietnam-Kriegs hinter sich gelassen. Doch die finsteren Machenschaften eines Drogenbarons zwingen ihn, noch einmal den Kampf aufzunehmen - und die Entführer seines Freundes für ihre Verbrechen zahlen zu lassen.

Norris' "Missing in Action", Seagals "Nico", Hauers "Blinde Wut" - drei Actionfilmklassiker mit der gleichen Erfolgsformel: In den achtziger Jahren, noch in den Nachwehen von Vietnam und auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, gebar Hollywood einen neuen Helden-Typus. Keinen strahlenden Ordnungshüter, sondern einen von Traumata geschüttelten, rachsüchtigen Einzelgänger, dessen Kampfmaschine Körper ebenso tödlich war wie sein Waffenarsenal und der unentwegt markige Sprüche klopfte: Die Ein-Mann-Armee. Ein Jahrzehnt lang sollten One-Man-Army-Streifen das Actionkino beherrschen. Ausgelöst worden war dieser Boom - wie sollte es auch anders sein - durch einen einzigen Mann.

Geburt des Kung-Fu-Bodybuilder-Rächers

Im Jahr 1982 schlenderte Sylvester Stallone in der Rolle des Kriegsheimkehrers John Rambo eine einsame amerikanische Landstraße entlang - und mitten in einen Kleinkrieg hinein. In "Rambo" misshandeln sadistische Dorfpolizisten den Ex-Soldaten so lange, bis dieser mit Hilfe von Guerilla-Taktiken einen blutigen Rachefeldzug anzettelt. Eigentlich war vorgesehen gewesen, den einsamen Kämpfer am Ende des Filmes sterben zu lassen. Doch auf Wunsch Stallones wurde die Szene geändert. Rambo überlebte - und brachte etliche Kinder im Geiste zur Welt.

Ganze Armeen kleiner und großer, männlicher wie weiblicher Rambos tummelten sich plötzlich im Kino - natürlich jeder strikt auf eigene Faust: Der schwedische Ex-Türsteher Dolph Lundgren legte sich in "Red Scorpion" 1988 allein mit dem KGB an. Der österreichische Bodybuilding-Champion Arnold Schwarzenegger fegte bei der Suche nach seiner entführten Tochter 1985 in "Das Phantom Kommando" einen südamerikanischen Diktator und dessen ganzes Regime hinweg. Und selbst Kampfsportexperte Chuck Norris beschloss plötzlich, lieber um sich schießende Vietnam-Veteranen zu spielen.


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Natürlich war die Idee des einsamen Rächers nicht wirklich neu: Schon Bruce Lee hatte in den siebziger Jahren in Kung-Fu-Filmen wie "Der Mann mit der Todeskralle" (1973) ganze Armeen von Gegnern im Alleingang aus dem Weg geräumt. Charles Bronson und Clint Eastwood hatten in "Ein Mann sieht rot" (1974) und "Dirty Harry" (1971) längst Selbstjustiz über Recht und Ordnung gestellt. Und schauspielernde Bodybuilder kannte Hollywood schon, seit Reg Park, dreifacher Mr. Universe, in den sechziger Jahren in "Herkules"-Sandalenfilmen aufgetreten war. Doch Stallones wortkarger "Rambo" vereinigte all ihre Eigenschaften in sich: Die Körperbeherrschung des Kung-Fu-Films, die Erbarmungslosigkeit der Selbstjustiz-Dramen und die imposante Physis der Bodybuilder.

Ensemble der Einzelgänger

Doch das goldene Zeitalter der Ein-Mann-Armeen dauerte nicht lange an. Zum Teil waren es politische Umwälzungen, die in den neunziger Jahren den ewigen Kampf des einsamen Wolfes für Gott, Amerika und gegen die bösen Kommunisten seinen Reiz verlieren ließen: Das Vietnam-Trauma verblasste allmählich, der Kalte Krieg war beendet.

Zudem machte moderne Tricktechnik den Typus des bis in die Zehen durchtrainierten Leistungssportler-Schauspielers à la Michael Dudikoff oder Jean-Claude Van Damme allmählich obsolet. Mit Hilfe von Computern brauchte man keinen schwarzen Gürtel mehr, um wie Keanu Reeves 1999 in "Matrix" meterhoch durch die Luft zu springen und Gegnergruppen mit spektakulären Trittkombinationen außer Gefecht zu setzen. Mit dem richtigen Make-up aufgemotzt verwandelten sich selbst eher durchschnittlich trainierte Typen wie Ron Perlman in "Hellboy" (2004) in Muskelprotze vom Kaliber eines Schwarzenegger.

Vor allem aber wurden die zähen Bodybuilder und Kampfsportmeister, die in den Achtzigern in enganliegenden Unterhemden dem Bösen dieser Welt nachgejagt hatten, zu Opfern ihres eigenen Körperkults: Das Alter holte sie ein. Steven Seagal ist mittlerweile 60 Jahre alt, Chuck Norris 72. Ein gutes Alter, um Roundhouse-Kicks und Weltrettung auch mal anderen zu überlassen.

Der Urvater der Ein-Mann-Armeen denkt indes noch immer nicht ans Aufhören: Sylvester Stallone, der in diesem Jahr 66 wurde, scharte 2010 noch einmal Actionstars wie Arnold Schwarzenegger, Dolph Lundgren und Bruce Willis um sich - für "The Expendables", einen Ensemblefilm der einsamen Wölfe. Sogar die Stunts für sein Actionspektakel machte Stallone noch selbst. Bei der Fortsetzung "The Expendables 2" allerdings überließ der Schauspieler das dann doch lieber Jüngeren: Bei einem Stunt im Vorgängerfilm hatte er sich einen Genickbruch zugezogen, nun trägt er eine Metallplatte im Nacken. Eine erneute Verletzung könnte seinen Tod bedeuten. Der Film läuft heute in den deutschen Kinos an - mit dem Slogan "Jeder ist entbehrlich".


Muskelshirts und explodierende Hochhäuser: Erinnern Sie sich mit einestages an die unentbehrlichsten Ein-Mann-Armee-Klassiker der achtziger Jahre von "Mad Max" bis "Stirb langsam" - und an die markigsten Macho-Einzeiler ihrer Helden.


Debatte

insgesamt 16 Beiträge zur Debatte
Mike Winterhalter am 4. September 2012, 15:03
>Der Sowjetische Rambo...
>
>irgendwann, mitte-ende 80er gab es einen sowjetischen Action Film, in dem ein Einzelkämpfer einen Weltkrieg verhinderte. Plot -...

Solnzevo Wolkow am 4. September 2012, 13:22
Der Sowjetische Rambo...

irgendwann, mitte-ende 80er gab es einen sowjetischen Action Film, in dem ein Einzelkämpfer einen Weltkrieg verhinderte. Plot - Böser...


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