| Abschied eines Stars: Nach drei Hollywood-Filmen, in denen Alfred Hitchcock Regie geführt und sie als Hauptdarstellerin eingesetzt hatte, befand sich die Schauspielerin Grace Kelly 1955 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Was der schöne Star zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Schon ein Jahr später würde sie ihrer Hollywood-Karriere für immer den Rücken kehren - und Fürstin von Monaco werden. |
Das Leben von Grace Kelly ist 30 Jahre nach ihrem Tod bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Über Hitchcock gibt es zahlreiche Biografien. Der intime Austausch der beiden aber blieb bislang unbekannt. Jetzt offenbart eine neue Kelly-Biografie tiefe Einblicke in die innige Freundschaft. Von Sarah Levy
"Es ist ein Jammer, dass es so kommen musste, und es tut mir zutiefst leid. Ich danke dir, lieber Hitch, dass du so verständnisvoll und hilfsbereit bist; ich finde es furchtbar, dich enttäuschen zu müssen."
Diese aufgewühlten Worte richtete Grace Kelly am 18. Juli 1962 in einem handgeschriebenen Brief an Alfred Hitchcock. Die schöne Amerikanerin war zu diesem Zeitpunkt schon sechs Jahre lang Fürstin von Monaco und zweifache Mutter - die Zeiten, in denen sie zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen Amerikas gehörte, waren längst vorüber. Was brachte die damals 33-Jährige dazu, sich so bedauernd an einen der größten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts zu wenden?
Das Leben der Hollywood-Schönheit und späteren Fürstin von Monaco ist 30 Jahre nach ihrem Tod bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Über Hitchcock, den Meister der Spannung, gibt es zahlreiche Biografien. Auch, dass die beiden ein Verhältnis hatten, das die Grenzen der Kollegialität überschritt, ist kein Geheimnis. Wie innig aber diese Freundschaft und wie intim der Austausch der beiden war, blieb bislang unbekannt. Jetzt aber erscheint eine Kelly-Biografie, die erstmals den Briefwechsel der beiden veröffentlicht - und dadurch tiefe Einblicke in deren Beziehung offenbart.
Stilvoll-schön statt üppig
Alfred Hitchcock und Grace Kelly begegneten sich erstmals im Juni 1953 in Burbank, Los Angeles. Hitchcock, schon damals ein renommierter, wenn auch eigenwilliger Regisseur, hatte schwarzweiße Probeaufnahmen der gerade mal 23 Jahre alten Nachwuchsschauspielerin gesehen - und war begeistert. Grace hatte zu jenem Zeitpunkt zwar in einigen mehr oder weniger erfolgreichen Kinofilmen mitgespielt, war als Darstellerin aber unsicher und unerfahren.
In starkem Kontrast zu der üppigen Marilyn Monroe verkörperte die zurückhaltende Schönheit Grace stilvolle Eleganz. Sie besaß eine Vielschichtigkeit, die den damals 55 Jahre alten Filmemeister faszinierte. "Grace Kelly ist ein schneebedeckter Berg, und wenn der Schnee schmilzt, entdeckt man darunter einen glühenden Vulkan", schwärmte er einst über seine Entdeckung. Er machte sie zu seiner kühlen, blonden Lieblingsheldin.
Zwischen 1953 und 1955 drehten sie gemeinsam drei Kinofilme: "Bei Anruf Mord", "Das Fenster zum Hof" und "Über den Dächern von Nizza" - eine kreative, inspirierende und erfolgreiche Zeit für den Regisseur und die junge Schauspielerin. In "Hitch", wie sie ihren Meister liebevoll nannte, hatte Grace einen Mentor gefunden, den sie zutiefst bewunderte und dem sie vertraute: "Die Zusammenarbeit mit Hitchcock war eine fantastische Erfahrung und auch eine große Bereicherung für mich. (…) Hitchcock gab mir eine ganze Menge Selbstvertrauen."
Anzügliche Witze am Set
In der Zusammenarbeit mit "Hitch" wuchs Grace Kelly über sich hinaus. Als der Regisseur sie für die Mordszene in "Bei Anruf Mord" in einen schweren Morgenrock hüllen wollte, widersprach die junge, modebewusste Darstellerin. Eine Dreistigkeit am Set des Meisters - der überraschenderweise zustimmte. Grace erschien in glänzendem Seidennachthemd und bestimmte von nun an ihre Garderobe mit.
Sogar auf Hitchcocks eigensinnigen Humor reagierte die wohlerzogene Schauspielerin mit überraschender Schlagfertigkeit. Auf seine anzüglichen Scherze soll sie stets entgegnet haben, diese bereits von der Klosterschule zu kennen. "Mit Hitch war alles anders", erzählte Grace über die Dreharbeiten mit Alfred Hitchcock. "Er hatte endlose Geduld mit mir."

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