| Schön bunt: Ein roter Ara sitzt in dieser Szene des ersten Farbfilms der Filmgeschichte auf einer Stange. Das Material wurde von Filmpionier Edward Turner um 1902 aufgenommen und nach mehr als 100 Jahren in den Archiven des National Media Museum im britischen Bradford wiederentdeckt. |
Er ist kurz, aber bunt: Ein Expertenteam des National Media Museum im britischen Bradford hat einen Fund gemacht, nach dem die Filmgeschichte neu geschrieben werden muss: Einen Farbfilm aus dem Jahr 1902, den wohl ersten der Welt. Von Fabienne Hurst
Drei Kinder sitzen um ein Goldfischglas - und die Filmgeschichte steht Kopf. Denn genau diese Bilder zeigt ein Film, den jetzt eine Forschergruppe des National Media Museum im britischen Bradford entdeckt hat. Das Werk des jungen Fotografen Edward Turner stammt den Berechnungen der Experten zufolge aus dem Jahr 1902. Der Film wäre demnach acht Jahre älter als die bislang als Pioniere geltenden Filme von Kinemacolor - und damit der älteste Farbfilm der Welt.
Das Museum in Bradford ist von der Echtheit der Aufnahmen überzeugt. "Ich glaube nicht, dass wir übertreiben, wenn wir sagen, dass wir die Filmgeschichte neu schreiben werden", sagte der Sammlungsleiter Paul Goodman der britischen Zeitung "The Guardian".
Die Geschichte des jungen Edward Turner ist die eines leidenschaftlichen Erfinders, der kurz vor dem Durchbruch steht, zu wenig Geld für seine Experimente hat - und einfach nicht lange genug lebt.
Der 1873 geborene Brite arbeitet zunächst für den amerikanischen Fotografie-Pionier Frederic Eugene Ives, der ihn dazu animiert, über das Zusammenspiel von Farbe und bewegten Bildern nachzudenken. Eine teure Angelegenheit, die Turner nur mit der Hilfe des Unternehmers Frederick Lee durchführen kann.
Fünf Jahre lang sponsert der Geschäftsmann den Tüftler, bis er die Geduld verliert und nicht mehr zahlt. Die Finanzierung übernimmt ein reicher Amerikaner, Charles Urban, der sich in London niedergelassen hat und stark ins Kinogeschäft investiert.
Doch dann stirbt Turner.
Geldgeber Urban führt die Forschung an dem Farbfilmprozess weiter, verliert aber bald die Geduld und das Vertrauen in das Verfahren und konzentriert sich auf die Entwicklung von Kinemacolor. 1937 spendet er seine Filmmaterial-Sammlung dem Science Museum in London.
Jahrzehnte später, 2009, wird das Privatarchiv umgepackt ins National Media Museum in Bradford. Dort staunen Experten über den historischen Schatz, den sie in den Kisten entdecken. Der Kurator für Kinematographie des Museums, Michael Harvey, erkennt sofort, dass es sich bei den 38 Millimeter-Filmen mit zwei Randperforierungen um Material von Lee und Turner handelt. "Wir wussten nicht, dass sie in der Sammlung waren", sagte der begeisterte Harvey dem "Guardian".
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