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1962

James-Bond-Casting Lauter Nullen als 007


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Der Bond fürs Leben: Nachdem Sean Connery 1967 die Rolle des Agenten abgelegt hatte, durch die er berühmt geworden war, ließ er sich für den 1971 erschienenen 007-Film "Diamantenfieber" schließlich doch noch mal zu einer Rückkehr bewegen - für die Rekordgage von 1,25 Millionen Dollar.

Anschließend übernahm sein Schauspielkollege Roger Moore den Part des Doppel-Null-Agenten, doch 1983 ließ Connery sich schließlich noch einmal zu einem letzten 007-Auftritt überreden: Für "Sag niemals nie" - eine Neuverfilmung von "Feuerball", die allerdings nicht von der Bond-Produktionsfirma Eon Productions gedreht wurde.

Keiner spielte Bond wie Sean Connery, doch 1967 hatte er das Agentenleben satt und warf hin. Hunderte rissen sich um die Rolle - und mussten bei Vorsprechen mit Martini und Bond-Girls beweisen, dass sie das Zeug zum Superspion hatten. Am Ende machte ausgerechnet ein Anfänger das Rennen. Von Danny Kringiel


Er hatte Ruhm, er hatte Geld, er hatte Sexappeal. Aber er hatte einfach keine Lust mehr: Seit er 1962 die Rolle des Geheimagenten James Bond übernommen hatte, war der unbekannte Schauspieler Sean Connery mit Filmen wie "007 jagt Dr. No", "Goldfinger" und "Feuerball" zum Superstar aufgestiegen und hatte eine weltweite Bondmanie ausgelöst. Aber auf der Höhe seines Erfolgs, als 1967 "Man lebt nur zweimal" in die Kinos kam und die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman Pläne für einen sechsten Bond-Film machten, schmiss der 37-jährige Connery alles hin. Er hatte einfach "die Nase voll von dieser Bond-Rolle", wie ihn schon 1965 der "Playboy" zitierte.

Für Broccoli und Saltzman muss sein Ausstieg einer Katastrophe gleichgekommen sein: Aus der imposanten Physis des ehemaligen Bodybuilders Connery und den feinen englischen Umgangsformen, die Regisseur Terence Young ihm mühselig beigebracht hatte, war eine spannungsreiche Figur entstanden, deren Kombination aus Grobschlächtigkeit und Charme dem schottischen Schauspieler buchstäblich auf den Leib geschrieben war. Sean Connery spielte in den Augen der Fans nicht nur James Bond, er war James Bond. Wer sollte ihn ersetzen können?

Noch im gleichen Jahr - gerade erst war "Man lebt nur zweimal" in die Kinos gekommen - starteten die Produzenten ihre Casting-Sitzungen, um einen neuen Bond zu finden. Doch während Connerys James Bond sich stets mit Leichtigkeit und Eleganz in den Kampf gegen die Bösewichte der Welt begeben hatte und dabei noch immer einen ironischen Kommentar auf den Lippen hatte, blamierten sich seine Nachfolger in spe nun mit reichlich blassen Darbietungen.

Da war etwa der Brite John Richardson, der 1966 gerade als Steinzeitmensch in "Eine Million Jahre vor unserer Zeit" einen unfreiwillig komischen Kinoauftritt geliefert hatte. Er überzeugte zwar in den Probe-Bettszenen mit steinzeitgemäßer Brustbehaarung, doch wirkte der spindeldürre Richardson im Vergleich mit dem athletischen Connery viel zu hager, um als kampfbereiter Superagent durchzugehen.

Ähnlich fragwürdige schauspielerische Vorerfahrung wie Richardson brachte sein Mitbewerber Anthony Rogers mit. Er hatte zuvor in der britischen Fernsehserie "Doctor Who" mitgespielt - als Außerirdischer. Ohne seine gewohnte Alien-Maske jedoch agierte Rogers eher unbeholfen vor der Kamera: Bei den Probeaufnahmen strengte er sich so an, Connerys süffisantes Lächeln nachzuahmen, dass sein Gesicht zur absurden Karikatur eines flirtenden Playboys verkrampfte. Sein niederländischer Konkurrent Hans de Vries versuchte genau das Gegenteil: Er bemühte sich nach Kräften, böse auszusehen und zog dabei seine Augenbrauen so tief herunter, dass seine Augen kaum noch zu sehen waren.


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Ein Möchtegern-007 nach dem anderen warf sich in Agenten-Posen, schlürfte falsche Martinis, zeigte sein Lächeln und trat zum Probeküssen mit einem provisorischen Bondgirl an. Und ein Kandidat nach dem anderen enttäuschte die Produzenten. Zu allem Überfluss hatte Broccolis Wunschkandidat, Timothy Dalton, selbst die Flinte ins Korn geworfen: Der damals noch 23-Jährige fand sich selbst einfach zu jung, um einen überzeugenden Bond abgeben zu können.

Am Ende entschied ein Stück Schokolade darüber, wer Connerys Nachfolge antreten durfte: Broccoli sah den Australier George Lazenby, einen ehemaligen Autohändler, der sein Geld mittlerweile als Werbemodel verdiente, in einem Werbeclip für den "Big Fry"-Schokoriegel. Er war begeistert von Lazenbys Ausstrahlung und lud ihn zum Vorsprechen ein. Abgesehen von Werbeclips hatte Lazenby praktisch keine Erfahrung als Schauspieler, doch nachdem er bei einem Probekampf angeblich so hart zuschlug, dass er einem Stuntman die Nase gebrochen haben soll, beschlossen die Produzenten, dass sie ihren Spion gefunden hätten.

Zwei Jahre später war es dann so weit: Der 30-jährige Lazenby brachte in "Im Geheimdienst ihrer Majestät" den beliebtesten Doppel-Null-Agenten der Welt zurück auf die Leinwand. Die Produzenten vermarkteten ihn bewusst als "anderen 007" - und anders war er tatsächlich: Wo Connery im eleganten Smoking aufgetreten war, trat Lazenby in albernen Rüschenhemden vor die Kamera oder watschelte gar O-beinig im Schottenrock durchs Bild. Wo sein Vorgänger mit einer Gespielin nach der nächsten ins Bett gehüpft war, verliebte sich der Lazenby-Bond sofort unsterblich und heiratete.

Die Kritiker zerrissen den Darsteller förmlich in der Luft: Der "Daily Mirror" ätzte im Dezember 1969, Lazenby wirke für die Rolle so unpassend wie ein "Fuß der Schuhgröße 37 in einem Gummistiefel der Schuhgröße 45". Und der "Observer"-Rezensent prophezeite sogar: "Ich bin sicher, dass dies der letzte Bond-Film sein wird."

Er sollte Unrecht behalten: Nur zwei Jahre später erschien mit "Diamantenfieber" das nächste Bond-Abenteuer - allerdings wieder mit Sean Connery in der Hauptrolle.


Debatte

insgesamt 9 Beiträge zur Debatte
Ingo Howind am 8. Oktober 2012, 14:21
Connery schmiß die Rolle, weil sie schauspielerisch einfach nichts mehr hergab: nach dem Erfolg von Drahtschlingen-aus-der-Armbanduhr ("Liebesgrüße aus...

Markus Wolf am 4. Oktober 2012, 09:44
>James Bond war in ertser Linie eine idealisierte Version von Ian Fleming selber. Von seinen Ess- und Trinkgewohnheiten, bis zu seiner bevorzugten Zigarettenmarke. Fleming war...


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