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1947

Überschallpionier Chuck Yeager Flug durch Wackelpudding


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U.S. Air Force PD
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Glamorous Glennis: Pilot Chuck Yeager benannte das Raketenflugzeug nach seiner ersten Ehefrau. Mit der glamourösen Glennis, einer Bell X-1, schaffte es Yeager am 14. Oktober 1947 die Schallmauer zu durchbrechen.

Er wagte, was Experten für den sicheren Tod hielten: 1947 hob US-Pilot Chuck Yeager ab, um als erster Mensch die Schallmauer zu durchbrechen. Keiner ahnte, dass er mit gebrochenen Knochen ins Cockpit geklettert war. Doch das schmerzhafte Himmelfahrtskommando gelang - dank eines Besenstiels. Von Katharina Hoier


Er muss nur noch einsteigen, dann kann er den Flug seines Lebens starten. Der Ablauf ist Routine: Ins Cockpit setzen, die schwere Luke zuziehen bis sie einrastet, den Druck für den Sauerstoff überprüfen, die Instrumente kontrollieren, die am Oberschenkel festgeschnallte Prüfliste noch einmal durchgehen, alles okay. Rückmeldung an die Crew, "Roger".

Doch heute fällt Charles Elwood Yeager der Einstieg schwer. Sein Körper schmerzt bei jeder Bewegung, er muss sich krümmen, um durch die schmale Luke auf seinen Platz im Cockpit zu kommen. Tief gebückt steht Chuck, wie Yeager von allen genannt wird, auf der letzten Sprosse der Leiter. Es ist wahnsinnig laut. Der eiskalte Wind faucht Yeager mit 400 Stundenkilometern um die Ohren. Dann steigt er ein und setzt sich ins Cockpit.



Yeagers wagemutige Klettereinlage an jenem 14. Oktober 1947 findet in 2000 Metern Höhe statt. Seine Bell X-1 hängt unter einem Trägerflugzeug, der Raketenflieger wirkt wie angeklebt unter dem Bauch der riesigen Boeing B-29. Wenige Minuten später löst sich die Bell, beschleunigt und durchbricht schließlich die Schallmauer. Es ist der Höhepunkt eines Projekts, das nach monatelanger Vorbereitung und unter strenger Geheimhaltung der USA den Rang als führende Flugmacht der Welt sichert - und gleichzeitig einen Mythos entzaubert. Denn Chuck Yeager, Testpilot, Ehemann und zweifacher Vater, beweist, dass die Schallmauer alles andere als undurchdringlich ist.

Im Februar 1923 als Sohn eines Farmers in Myra, West Virginia, geboren, ist Yeager schon früh klar, dass er zum Militär will. Mit 16 Jahren nimmt er an einem Trainingslager des Militärs im Fort Benjamin Harrison teil. Zwei Jahre später - er hat gerade die Highschool abgeschlossen - meldet Yeager sich als Freiwilliger bei der US-Luftwaffe. Er wird zum Flugzeugmechaniker ausgebildet. Doch Chuck will mehr als bloß die Maschinen reparieren, er will selbst fliegen.


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Und er bekommt seine Chance. Im Juli 1942 beginnt Chuck mit einer Fliegerausbildung - und prompt folgt der erste Rückschlag: Ihm wird beim ersten Flug schlecht, beschreibt Yeager in seiner Autobiografie. Er versucht es weiter, überwindet die Luftkrankheit und fällt als fliegerisches Talent auf. Yeager wird zum Kampfpiloten ausgebildet, fliegt im Zweiten Weltkrieg und bleibt als mittlerweile umjubeltes Fliegerass auch nach dem Krieg der U.S. Air Force treu. Dort soll er schon bald Teil eines geheimen Projekts werden, das mit einer Legende aufräumen will.

Lange Zeit glauben die Menschen, dass es im Himmel eine unbezwingbare Grenze gibt, die sogenannte Schallmauer. Einige machen sogar einen "Dämon des Himmels" für die Unüberwindbarkeit verantwortlich. Jedes Flugzeug, das die Geschwindigkeit des Schalls erreicht, so heißt es, zerschellt an jener Mauer. Das ist auch 1947 noch herrschende Meinung. Noch im September des Vorjahres hatte der Engländer Geoffrey de Havilland jr. als letzter Pilot den vermeintlichen Beweis dafür erbracht. Auch er hatte den Dämon besiegen wollen - die Überreste seines Flugzeugs wurden am nächsten Tag in einem Sumpf gefunden.

Chuck Yeager, inzwischen in der Ausbildung zum Testpiloten von Experimentalflugzeugen, und sein Fliegerkollege Jack Ridley glauben nicht an das Märchen von der Mauer, im Gegenteil: Die beiden sind sicher, dass es möglich ist, schneller als der Schall zu fliegen. Man müsse nur das richtige Flugzeug dafür bauen. Auch Gewehrkugeln überwinden schließlich die Schallgeschwindigkeit, ohne Schaden zu nehmen. Die U.S. Air Force hat schon 1945 die Symmetrie als Schlüssel für den Erfolg erkannt und die Konstruktion eines Raketenflugzeugs in Auftrag gegeben. Der Rumpf der Bell X-1 ist geformt wie ein Gewehrgeschoss. Nur ein Pilot für den Flug in die Geschichte fehlt noch.

Colonel Albert Boyd wird mit der Suche beauftragt. Und seine Wahl fällt auf Yeager. Dessen Flugstil sei instinktiv, so Boyd, außerdem habe er schon oft bewiesen, dass er auch in Stresssituationen Ruhe bewahren und fokussiert fliegen könne. Das Risiko bleibt trotzdem extrem hoch. Stimmen die Berechnungen der Konstrukteure nicht genau, so könnte den Familienvater Yeager das gleiche Schicksal ereilen wie Havilland jr. Doch Yeager zweifelt nicht. Im Juli 1947 beginnt der 24-Jährige das Training in der Bell X-1.

Wie soll er die schwere Luke zuziehen?

Drei Monate später gerät der Rekordversuch noch einmal in Gefahr. Bei einem Reitunfall bricht sich Yeager zwei Rippen und bangt zwei Tage vor dem geplanten Rekordflug um seinen Traum. Er vertraut sich seinem Freund und Kollegen Jack Ridley an, die beiden fahren zum Flugplatz. Chuck soll testen, ob er im Cockpit sitzen und das Raketenflugzeug führen kann. Es geht, im Sitzen und mit den minimalen Bewegungen, die zum Fliegen nötig sind, hat er keine Schmerzen. Nur ein Problem gibt es: Er kann die schwere Luke nicht zuziehen. Die Tür zum Cockpit muss aber unbedingt von innen einrasten, sonst kann er unmöglich starten. Ridley hat die Lösung: Er nimmt einen Besenstil und sägt ein Stück Holz so zurecht, dass es Yeager als zusätzlicher Türhebel dient. Es funktioniert.

Am 14. Oktober 1947 um 10 Uhr wird es ernst. Die Anweisungen der U.S. Air Force an jenem Morgen sind deutlich: Yeager solle unbedingt vermeiden, so die Leitstelle, sich und das Flugzeug in Gefahr zu bringen. Der Rekord müsse nicht an diesem Tag fallen. Doch Chuck Yeager weiß es schon, bevor er in der Luft ist: Dies ist der Tag. In 2000 Metern Höhe steigt er die Leiter von der Boeing in das Cockpit der Bell X-1. Das Mutterflugzeug bringt ihn in der Bell auf 6000 Meter Höhe, dann lösen sich die Klammern. Yeager startet die vier Raketentriebwerke und steigt auf 13.000 Meter. Schließlich hört die Crew am Boden zum ersten Mal jenen lauten Knall, der entsteht, wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht. Chuck Yeager fliegt mit der Bell 1.080 Stundenkilometer schnell. Er hat es geschafft.

Das Rekordflugzeug, nach Chucks großer Liebe "Glamorous Glennis" benannt, kann man heute im Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington bewundern. Mit Glennis hatte Yeager vier Kinder, die beiden blieben bis zu Glennis' Tod im Jahr 1990 verheiratet. Heute lebt der einst "schnellste Mann der Welt" mit seiner zweiten Ehefrau in Penn Valley, Kalifornien.

Auch nach dem Flug, der in die Geschichte einging, blieb Chuck Yeager bescheiden. Über seinen Rekord sagte er: "Der Flug selbst war relativ unspektakulär. Es fühlte sich an, als würde man durch Wackelpudding pieksen."



Debatte

insgesamt 27 Beiträge zur Debatte
Kurt Heintz am 18. Oktober 2012, 11:25
@ Andreas Graf


>Zum Rekord gehört die saubere Dokumentation.
>So what?
>

Die Dokumentation dürften ja heute die Amerikaner haben.;)

Weder Dittmar...

Andreas Graf am 18. Oktober 2012, 01:55
>@Florian
>, der zweite auch nur ab -30° / 10.000m Höhe aufwärts.
>>
>Ist in 10000m Höhe genau 1.05 Mach,
>Dittmar hätte nur 7000m...


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