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Was war denn da los? Zwei Herren in Uniform, eine Dame mit opulentem Hut und eine ebenso opulente Torte. Offensichtlich gab es etwas zu feiern. Doch warum nur hat dieses prächtige Backwerk eine so seltsame Form?
Aufschluss geben könnte womöglich der Schriftzug am Rand: "Operation Crossroads". Es war der Name des ersten Kernwaffentests der Nachkriegszeit im Pazifik. Auf dem Bikini-Atoll hatten die US-Streitkräfte im Sommer 1946 zwei Nuklearbomben gezündet. Schon während der Vorbereitungen hatte es Proteste gegeben. Wissenschaftler warnten vor Gefahren für die Umwelt, Organisationen und Privatpersonen protestierten gegen geplante Tierversuche, Politiker fürchteten Schaden für die internationalen Beziehungen. Für zusätzliche Spannungen sorgte der Umstand, dass die erste Bombe ihr Ziel verfehlte und der Test für eine wissenschaftliche Auswertung weitgehend unbrauchbar war. Erst der zweite Versuch brachte die Bilder, auf die die Öffentlichkeit gewartet hatte: Eine massive Wassersäule, die sich aus einer Lagune erhebt, und über ihr die pilzkopfförmige Explosionswolke - das markanteste Bild einer Kernwaffenexplosion. Hinter einem solchen Atompilz, nachgebildet aus zuckersüßem Biskuitteig samt Verzierung, hatten sich schließlich auch der Oberkommandierende der für die Tests verantwortlichen Joint Task Force One, Navy-Vizeadmiral William H. P. Blandy (l.), seine Gattin und Konteradmiral Frank J. Lowry fotografieren lassen. Das Lächeln sollte den Dreien bald vergehen: Hatten schon die Atomtests große Empörung ausgelöst, tat es das Tortenfoto erst recht. "Obszön", schimpfte der Washingtoner Pfarrer Arthur Powell Davies über die Abbildung - angesichts der erst ein Jahr zurückliegenden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. In der Redaktion der "Washington Post", die das Foto abgedruckt hatte, hagelte es Leserbriefe. Ein ehemaliger Infanterist etwa schrieb vom "Monument des schlechten Geschmacks". Dabei war es vermutlich gut gemeint gewesen: Ein Mitarbeiter Blandys hatte die Torte anlässlich der Abschiedsfeier zur Auflösung der Joint Task Force One bei einer Bäckerei in East St. Louis, Illinois, anfertigen lassen. Der für seine Kunstwerke bekannte Bäcker hatte ursprünglich 300 Dollar verlangt, so erklärte der unglückliche Auftraggeber später einem Freund, sei ihm aber sehr entgegengekommen, nachdem er hörte, dass das Budget nur 50 Dollar betrug. Gut gemeint war es wohl auch, dass sich Blandy und seine Gattin, die Ehrengäste der Veranstaltung am 5. November 1946 im Officers' Club of the Army War College in Washington waren und von den Vorbereitungen nichts wussten, auf Wunsch des anwesenden Fotografen hinter der Torte ablichten ließen. Nicht ganz klar ist, wie die "Washington Post" von dem leckeren Atompilz Wind bekam. Die Sprengkraft, die in der Aufnahme lag, aber hatte die Redaktion sofort erkannt und sich die Veröffentlichungsrechte gesichert. |
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