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Dreimal Jesus: Der US-Sozialpsychologe Milton Rokeach führte von 1959 bis 1961 im Ypsilanti State Hospital in Michigan eine bizarre Studie mit drei Männern durch, die sich allesamt für Jesus hielten. Rokeach ging davon aus, dass die drei Patienten ihre wahre Identität anerkennen würden, wenn sie mit anderen "Christussen" konfrontiert werden - das Experiment scheiterte.
Das Bild zeigt die drei Finalisten des alljährlichen "Hunky Jesus"-Wettbewerbs in San Francisco. |
Therapie mit Gottes Söhnen: 1959 wagte ein US-Psychologe ein ungewöhnliches Experiment. In einer psychiatrischen Anstalt brachte er drei Patienten zusammen, die sich für Jesus hielten. Zwei Jahre verbrachten die Männer miteinander - wussten aber sofort, warum die beiden anderen Schwindler waren. Von Arno Frank
Im Jahr des Herrn 1663 lebte in Paris ein Mann namens Simon Morin, von dessen Schicksal viele Jahre später der große Philosoph Voltaire erzählt. Morin hatte Visionen und hielt sich für den Sohn Gottes. Sein Wahn galt als Ketzerei und er wurde ins Irrenhaus gesteckt. Dort wäre der Verwirrte wohl auch geblieben - hätte er dort nicht die Bekanntschaft eines anderen Patienten gemacht. Dieser hielt sich für Gott: "Simon Morin war so erschüttert vom Wahnsinn des Anderen", schreibt Voltaire, "dass er seinen eigenen anerkannte." Nach einer Weile jedoch fiel Morin in seinen alten Irrglauben zurück. Er wurde dafür auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt.
Der US-Psychologe Milton Rokeach kannte diese Geschichte, als er sich in den späten fünfziger Jahren eine faszinierende Frage stellte: Was, wenn ich felsenfest weiß, wer ich bin - und mir plötzlich jemand begegnet, der ebenso felsenfest behauptet, ich zu sein? Wenn ich mich nun für Napoleon halte und mit einem zweiten Napoleon konfrontiert werde, müsste meine eingebildete Identität unter einem solchen Zusammenprall nicht zerbrechen? Und: Könnte dieser Wahn so vielleicht geheilt werden?
Rokeach entschloss sich, dieser Frage in einem Experiment nachzugehen. Der Psychologe suchte nach Menschen mit Identitätsstörungen. Er sah sich in verschiedenen Anstalten um und fand eine "Frau Gott", ein Schneewittchen - und mehrere Christusse, von denen gleich zwei im Ypsilanti State Hospital in Michigan lebten. Um aber nicht nur zwei Personen aufeinanderprallen zu lassen, sondern den Patienten auch die Möglichkeit zu geben, zu beobachten, wie sich die anderen über ihre Identität streiten, ließ Rokeach noch einen dritten Jesus dorthin verlegen. Nun konnte das bizarre Experiment beginnen.
Rokeach war sich bewusst, wie tief sein Experiment möglicherweise das Wesen der Probanden erschüttern würde. In seinem längst vergriffenen Buch "The Three Christs of Ypsilanti" schildert Rokeach, wie er einmal im Spiel jede seiner beiden Töchter mit vertauschten Namen ansprach, bis beide darauf bestanden, dass er das grausame Spiel beendete. Das "Spiel" des Vaters hatte die beiden Mädchen in ihren innersten Überzeugungen getroffen - dem Wissen darum, wer sie sind.
Die anderen? Sind Maschinen!
Am 1. Juli 1959 stellten sich die drei Männer in einem Besucherzimmer vor: "Ich heiße Joseph Cassel", sagte ein 58-Jähriger, "und ich bin Gott." Darauf meldete sich ein 70-Jähriger und stellte unbeeindruckt fest: "Ich heiße Clyde Benson. Ich wurde Gott." Zuletzt sagte ein 38-Jähriger, ohne seinen wahren Namen Leon Gabor zu gebrauchen: "Auf meiner Geburtsurkunde steht, dass ich der wiedergeborene Jesus Christus von Nazareth bin." Zwischen Gott und seinem Sohn machten alle drei Männer - theologisch korrekt, denn in der katholischen Kirche gilt Jesus als eins mit Gott - keinen Unterschied.
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