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1947

Meteoriteneinschlag 1947 "Als ob sich ein Stück von der Sonne gelöst hätte"


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Rauchzeichen: Am 12. Februar 1947 erschütterte eine gewaltige Explosion den Himmel über dem Osten Sibiriens. Ein Meteorit stürzte auf die Erde und hinterließ eine gewaltige Rauchsäule. Der Maler Pjotr Medwedew hielt den Anblick in einem Gemälde fest, das zehn Jahre später zum Vorbild für eine sowjetische Briefmarke wurde.

Vor 66 Jahren ging der größte jemals beobachtete Meteoritenschauer über Russland nieder. In Zeiten des Kalten Krieges versetzte der Feuerball die Menschen in Panik. Manche fürchteten einen Atombombenangriff der USA. Die Bergung der Meteoritenreste in der Taiga entwickelte sich zu einer Herkulesaufgabe. Von Christoph Sydow


Die Menschen im äußersten Osten der Sowjetunion waren in Angst: Am Vormittag des 12. Februar 1947 erschütterten ohrenbetäubende Explosionen die Taiga. Funken zuckten in grellen Farben über den sibirischen Himmel. "Es war, als ob sich ein Stück von der Sonne gelöst hätte", berichtete ein Schulmädchen hinterher. Einige hielten die Detonationen für eine amerikanische Atombombe - die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki lagen damals erst anderthalb Jahre zurück.

Doch der Feuerball hatte keine irdische Ursache: Über dem Sikhote-Alin-Gebirge ging ein Meteorit nieder, der beim Eintritt in die Erdatmosphäre mit lautem Knallen auseinanderbrach. Auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern gingen insgesamt 23 Tonnen außerirdischen Materials nieder, das schwerste Einzelstück wog knapp zwei Tonnen.

Mehr als hundert Krater hinterließ der Meteoritenhagel im Boden der sibirischen Taiga - der größte von ihnen hatte einen Durchmesser von 28 Metern. Es war der größte Meteoritenschauer seit Menschengedenken - noch viel gewaltiger als der Meteoritenhagel, der an diesem Freitag über dem russischen Ural-Gebirge niederging.


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Noch 200 Kilometer vom Einschlagsort entfernt bemerkten Augenzeugen den Vorfall. Der abstürzende Flugkörper hinterließ eine gewaltige, dunkle Rauchspur, die noch Stunden später am Himmel stand. Der russische Maler Pjotr Medwedew wurde in dem kleinen russisch-chinesischen Grenzort Iman, einer Bahnstation entlang der Transsibirischen Eisenbahn, Zeuge des Meteoritenhagels. Er hielt die Szene in einem Gemälde fest. Das Bild diente später als Vorlage für eine Sonderbriefmarke, die zum zehnten Jahrestag des Einschlags 1957 von der sowjetischen Post herausgegeben wurde.

Die Geologen mussten durch kniehohen Schnee stapfen

Der Rauch hatte sich kaum verzogen, da machten sich die sowjetischen Behörden auf die Suche nach der Einschlagsstelle. Drei Tage dauerte es, bis Flugzeuge die braunen Krater schließlich in der weißen, dicht bewaldeten Winterlandschaft Sibiriens fanden. Einige Wochen später machte sich ein erster Expeditionstrupp mit Experten der Moskauer Akademie der Wissenschaften auf den beschwerlichen Weg. Die vier Geologen mussten in dem fast unbewohnten Gebiet drei Tage lang durch knietiefen Schnee stapfen, bis sie die Krater erreichten.

Die Wissenschaftler erstellten eine erste Karte der Kraterlandschaft, bevor sich im Frühjahr ein neues Forscherteam auf den Weg ins Sikhote-Alin-Gebirge machte. Doch erneut mussten die Geologen mit allerlei Widrigkeiten kämpfen. Die Schneeschmelze hatte viele Wege unpassierbar gemacht, so dass die Männer die letzten Kilometer auf Flößen zurücklegen mussten. An der Einschlagsstelle angekommen errichteten sie zunächst ein kleines Camp im Birkenwald.



Mit Spitzhacken machte sich die Mannschaft auf die Suche nach Überresten des Meteoriten. Magneten sollten das eisenhaltige Material im Boden aufspüren. Mit Seilen und improvisierten Flaschenzügen holten die Männer die mehrere hundert Kilo schweren Brocken aus den Kratern, die bis zu acht Meter tief waren. Anschließend brachten sie die Bruchstücke des Meteoriten mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau.

Ausländern war der Besuch der Einschlagsstelle untersagt

Die Untersuchungen an der dortigen Akademie der Wissenschaften ergaben, dass der Meteorit vor seinem Eintritt in die Erdatmosphäre einen Durchmesser von etwa vier Metern hatte und knapp 200 Tonnen wog. Anschließend sei er auf mehrere tausend Grad erhitzt worden und in vier Etappen in immer kleinere Stücke zerfallen. Beim Aufprall auf die Erde hatten die Splitter eine Geschwindigkeit von 500 Metern pro Sekunde. Trotzdem war der Boden in Ostsibirien im Februar 1947 so stark gefroren, dass viele kleinere Bruchstücke dabei stark deformiert wurden. Sie werden deshalb als Schrapnelle bezeichnet.

In Zeiten des Kalten Krieges behandelte die Sowjetunion den Ort des Einschlags fast wie ein Staatsgeheimnis. Zwar bezeichneten US-Wissenschaftler den Eisenmeteoriten respektvoll als "The Queen of Irons", doch sie bekamen die Krater nie zu Gesicht. Sikhote Alin befand sich wegen seiner strategisch wichtigen Lage zwischen dem Flottenstützpunkt Wladiwostok und der chinesischen Grenze in einem Sperrgebiet und war für Ausländer nicht zugänglich.

Das änderte sich erst mit dem Zerfall der UdSSR 1991. Inzwischen ist das Gebiet ein Naturreservat und gehört seit 2001 zum Unesco-Weltnaturerbe. Das liegt jedoch nicht an den Meteoritenkratern, sondern an der sibirischen Tierwelt. In der Gegend leben viele bedrohte Arten, unter anderem die Amurkatze und der Sibirische Tiger.

Heute können sich Sammler trotzdem leicht einen Teil vom Sikhote-Alin-Meteoriten sichern. Seit dem Ende der Sowjetunion sind Bruchstücke des außerirdischen Flugkörpers aus alten Beständen für jedermann zu haben - kleinere Stücke gibt es im Internet schon ab 20 Euro.


Debatte

insgesamt 5 Beiträge zur Debatte
Peter Sumerauer am 18. Februar 2013, 16:37
"Beim Aufprall auf die Erde hatten die Splitter eine Geschwindigkeit von 500 Metern pro Sekunde. Trotzdem war der Boden in Ostsibirien im Februar 1947 so stark gefroren, dass...

Renate Friedrichsen am 18. Februar 2013, 00:25
>Anfang 1947 gab es noch keinen kalten Krieg, denn der 2. Weltkrieg war noch nicht beendet.

Hä?
Bitte lesen Sie ruhig noch etwas weiter auf einestages, da stehen...


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