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1900

Sensationelle Tonaufnahme Spricht da Kaiser Wilhelm II.?



21 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Herbert Brahms

17. November 2012, 12:05
Graf Waldersee bekam deswegen den Oberbefehl auf Grund der Ermordung des deutschen Botschafters in Peking.Mit der Anlandung des Expeditionsheer in China schwenkte die chines.Führung um und bekämpfte die Boxer die sie zu vor heimlich unterstützten, mehr...

Rainer Schwenger
13. November 2012, 17:12
Die Aufnahme sagt etwas anderes als die zitierte Textpassage. Der im SPIEGEL zitierte Abschnitt ist um die "Hunnen und König Etzel" wird nicht gesagt.
Allerdings ist die klare Aufforderun "kein Pardon zu gewähren" schon traurig genug.
In die Zeit hinein versetzt bedeutete dies aber lediglich die Gleiche "Gefangenenpolitik" zu betreiben wie die "Boxer".
Stephan Puille
13. November 2012, 17:20
Ich schließe aus der Summe folgender Gründen dass es sich bei dem Sprecher der "Hunnenrede" nicht um Kaiser Wilhelm II. gehandelt haben kann, und die Walze nicht im Jahr 1900 aufgenommen wurde:

1. Weder Sprachcharakteristik noch Sprechgeschwindigkeit des Redners passen zu den überlieferten Tonaufnahmen des Kaisers.

2. Der Redner hat einen Berliner Dialekt mit stark betontem "r" und ist ein erfahrener Phonographensprecher der gleichmäßig laut und kräftig spricht. Beides trifft auf die Tonaufnahmen des Kaisers nicht zu.

3. Die Geschwindigkeit der Walze beträgt 160 Umdrehungen pro Minute. Diese Geschwindigkeit wurde für kommerzielle Aufnahmen im Jahr 1902 eingeführt. Davor hatten die Walzen üblicherweise Geschwindigkeiten von 120 bis 125 UpM. Herr Bruderhofer der die Überspielung und Digitalisierung vornahm schätzte als obere Datumsgrenze das Jahr 1906. Ein Entstehungsdatum der Aufnahme zwischen 1902 und 1906 scheint daher plausibel.

4. Der Redetext wurde gekürzt um auf die Walze zu passen. Es erscheint mir unwahrscheinlich dass der Kaiser der Kürzung seiner Rede zugestimmt hätte. Aus Punkt 3. wird deutlich warum die Speicherkapazität der Walze nicht mittels Reduzierung der Drehgeschwindigkeit vergrößert wurde.

5. Die frühesten Tonaufnahmen des Kaisers sind erst für den 24. Januar 1904 belegt. Dabei handelt es sich um 2 Walzen für ein geplantes Archiv von Stimmen berühmter Persönlichkeiten an der amerikanischen Harvard University, des National Museums und der Library of Congress in Washington. Es wurde ausdrücklich zugesichert dass die Aufnahmen nicht veröffentlicht werden würden. Der Kaiser zog sich dafür mit seinem Kammerdiener, der in der Bedienung des Phonographen unterwiesen worden war, in seine Privatgemächer zurück. Die Aufnahmen entstanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit und haben keine Ansage. Beide Aufnahmen sind ohne Bezug zur "Hunnenrede."

6. Es existiert keine historische Quelle dass der Kaiser jemals eine Aufnahme der "Hunnenrede" gemacht hat. Damalige Fachblätter, wie z.B. Die Phonographische Zeitschrift, hätten über solch ein Ereignis ausführlich berichtet - wie sie es auch über die Tonaufnahmen von Januar 1904 taten.

7. In der Ansage ist lediglich von der "Ansprache seiner Majestät" die Rede. Wäre tatsächlich Kaiser Wilhelm II. der Sprecher hätte die Ansage lauten müssen: "Es spricht seine Majestät der Kaiser" oder "Gesprochen von seiner Majestät."

8. Durch die für kommerzielle Walzen typische Ansage wird deutlich dass es eine für den Verkauf bestimmte Aufnahme ist. Dieser hätte der Kaiser niemals zugestimmt.

9. Nachgesprochene Reden waren zur Phonographenzeit nichts Ungewöhnliches. Sie wurden z.B. auf Jahrmärkten gegen Eintrittsgeld vorgeführt. Schon deshalb hätte sich der Kaiser niemals dazu bereit erklärt dem Phonographen "unkontrolliert" seine Stimme zu verleihen.
Stefan Georg
13. November 2012, 17:39
Nein, das ist er nicht. Er hat ja berlinert. bei einigen Vokalen höre ich einen, wenn auch sehr leichten, rheinischen Tonfall. Und Rheinländer war er ja nun wirklich nicht.
Gerhard Behrens
13. November 2012, 18:01
>Ich schließe aus der Summe folgender Gründen dass es sich bei dem Sprecher der "Hunnenrede" nicht um Kaiser Wilhelm II. gehandelt haben kann, und die Walze nicht im Jahr 1900 aufgenommen wurde:
>
>1. Weder Sprachcharakteristik noch Sprechgeschwindigkeit des Redners passen zu den überlieferten Tonaufnahmen des Kaisers.
>
>2. Der Redner hat einen Berliner Dialekt mit stark betontem "r" und ist ein erfahrener Phonographensprecher der gleichmäßig laut und kräftig spricht. Beides trifft auf die Tonaufnahmen des Kaisers nicht zu.
>
>3. Die Geschwindigkeit der Walze beträgt 160 Umdrehungen pro Minute. Diese Geschwindigkeit wurde für kommerzielle Aufnahmen im Jahr 1902 eingeführt. Davor hatten die Walzen üblicherweise Geschwindigkeiten von 120 bis 125 UpM. Herr Bruderhofer der die Überspielung und Digitalisierung vornahm schätzte als obere Datumsgrenze das Jahr 1906. Ein Entstehungsdatum der Aufnahme zwischen 1902 und 1906 scheint daher plausibel.
>
>4. Der Redetext wurde gekürzt um auf die Walze zu passen. Es erscheint mir unwahrscheinlich dass der Kaiser der Kürzung seiner Rede zugestimmt hätte. Aus Punkt 3. wird deutlich warum die Speicherkapazität der Walze nicht mittels Reduzierung der Drehgeschwindigkeit vergrößert wurde.
>
>5. Die frühesten Tonaufnahmen des Kaisers sind erst für den 24. Januar 1904 belegt. Dabei handelt es sich um 2 Walzen für ein geplantes Archiv von Stimmen berühmter Persönlichkeiten an der amerikanischen Harvard University, des National Museums und der Library of Congress in Washington. Es wurde ausdrücklich zugesichert dass die Aufnahmen nicht veröffentlicht werden würden. Der Kaiser zog sich dafür mit seinem Kammerdiener, der in der Bedienung des Phonographen unterwiesen worden war, in seine Privatgemächer zurück. Die Aufnahmen entstanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit und haben keine Ansage. Beide Aufnahmen sind ohne Bezug zur "Hunnenrede."
>
>6. Es existiert keine historische Quelle dass der Kaiser jemals eine Aufnahme der "Hunnenrede" gemacht hat. Damalige Fachblätter, wie z.B. Die Phonographische Zeitschrift, hätten über solch ein Ereignis ausführlich berichtet - wie sie es auch über die Tonaufnahmen von Januar 1904 taten.
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>7. In der Ansage ist lediglich von der "Ansprache seiner Majestät" die Rede. Wäre tatsächlich Kaiser Wilhelm II. der Sprecher hätte die Ansage lauten müssen: "Es spricht seine Majestät der Kaiser" oder "Gesprochen von seiner Majestät."
>
>8. Durch die für kommerzielle Walzen typische Ansage wird deutlich dass es eine für den Verkauf bestimmte Aufnahme ist. Dieser hätte der Kaiser niemals zugestimmt.
>
>9. Nachgesprochene Reden waren zur Phonographenzeit nichts Ungewöhnliches. Sie wurden z.B. auf Jahrmärkten gegen Eintrittsgeld vorgeführt. Schon deshalb hätte sich der Kaiser niemals dazu bereit erklärt dem Phonographen "unkontrolliert" seine Stimme zu verleihen.
Norman Bruderhofer
13. November 2012, 18:03
Meine Zweifel an der Stimme des Kaisers hatte ich selbst schon direkt beim Aspielen der Walze mit der Hunnenrede, nicht nur deshalb weil es sich ihne Zweifel um eine kommerzielle Aufnahme handelt.
Dennoch ist sie inhaltlich ein äußerst interessantes Zeitzeugnis, welches so bisweilen noch nicht aufgetaucht ist.

Folgende Punkte hier im Spiegel-Artikel möchte aber noch richtigstellen, da sie so einfach nicht stimmen:

Die Bismarck-Walze hatte Herr Puille identifiziert, ich war an der digitalen Aufarbeitung zur Vervollständigung der Transkription beteiligt.

Die Walze der Hunnenrede habe ich auf den Zeitraum von 1900 - 1905 datiert, sondern festgestellt, dass sie mit Sicherheit nicht später als 1906 aufgenommen wurde. Die war auch im Fernsehbeitrag zu hören.
Die Umdrehungsgeschwindigkeit von 160UpM liegt jedoch das Jahr 1902 oder später nahe. In diesem Jahr wurde diese Geschwindigkeit erst zum neuen Standard durch die Edison Phonograph Company gesetzt. Andere Firmen zogen dann erst nach.

Weniger interessant macht es die Walze meiner Meinung nach aber nicht. Immerhin wird damit belegt, dass die Rede noch lange danach als verkaufsfähige Rezitation produziert wurde.

Norman Bruderhofer
The Cylinder Archive [www.cylinder.de]
Gerhard Behrens
13. November 2012, 18:11
Das ganze erinnert an den ebenso dummen Ausspruch eines unserer Verteidigungsminister, auch Deutschland werde am Hindukush verteidigt. Eben die gleiche grosse Klappe zur Rechtfertigung eines militaerische Einsatzes zur Wahrnehmung von sogenannten Interessen von sogenannten Verbuendeten - eben nur nicht Deutschlands, das genausowenig heute in Afghanistan zu suchen hat wie damals in China!
Jan Mittendorf
13. November 2012, 18:14
Die Hunnenrede wird historisch überbewertet. Pardon gaben in der Niederschlagung des Boxeraufstandes weder britische noch russische Truppen. Dazu brauchten diese keine öffentlichen Legitimierungen ihrer Regierungen. Die Hunnenrede wurde später durch Propaganda und Denunziation Großbritanniens im Ersten Weltkrieg "berühmt".
Ralf Bülow
13. November 2012, 18:15
Zum Vergleich: Eine wohl echte Sprachaufnahme von Kaiser Wilhelm II. aus dem Jahr 1914 http://www.youtube.com/watch?v=_ientIq9uUI
Ludig Zerna
13. November 2012, 19:57
Klingt eher wie Göbbels, auch schnarrte Wilhelm II mehr als dieser Mann. Nein, ich glaube ausnahmsweise ist Wilhelm für diese Schandtat nicht zuständig, da bin ich doch sehr sicher. Dennoch spannendes Dokument und zweifellos war diese Rede einer der (vielen) Dinge, die der letzte Kaiser besser gelassen hätte.
erwin fortelka
13. November 2012, 20:01
Selbst wenn er es nicht persönlich war. Das war der Geist der Zeit! Hitler hat fruchtbaren Boden vorgefunden!

Erwin Fortelka

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