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Alexander Arnold
20. Dezember 2012, 01:37
@Jens Glinkemann,
von dieser -war eben so- haltung mal ganz abgesehen, weiß ich bei ihnen gar nicht wo ich anfangen soll.
Die verfassung in der ddr kann man nur einen schlechten witz nennen, denn diese ddr war alles andere als ein rechtsstaat, in dem man sich auf verfassungen berufen
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Volker Altmann
7. Dezember 2012, 18:51
Wohnst du schon, oder sitzt du noch im Knast? Die große Ikea-Familie schaut pikiert aus der Wäsche.
Zwangsarbeit und Dunkelhaft man kann das Leid und den Protest darüber nachempfinden. Allerdings sehe ich hier die Profiteure im Westen des damals geteilten Landes in gleich großer Verantwortung. Oder trägt man da nur zu 20% Schuld?
Auch anhand solcher Berichte sollte jedem klar werden, dass unser aller Wohlstand, unsere Heute-top-morgen-Sperrmüll-Mentalität nur auf dem Rücken Ausgebeuteter funktionieren kann. Auf dem Rücken der vergifteten Arbeiter, die ohne Schutzvorkehrungen Rosen auf afrikanischen Feldern mit Pestiziden besprühen, damit man für wenig Geld an der Supermarktkasse oder der Tankstelle zugreifen kann; der geschundenen Kinder, die mit zwölf Jahren oft schon wie Greise aussehen; der Färber in Indien, die mit nackten Füßen durch Giftbrühe waten. Diese Liste des Unterpfands unseres Wohlstands ließe sich nahezu unendlich fortsetzen.
Dies soll nicht der Relativierung von unmenschlichen Zuständen im DDR-Strafvollzug dienen, aber man sollte sich schon bewusst machen: Ein Häftling in Deutschland erhält (Quelle: Justizvollzug Bayern.de) zwischen 1,04 und 1,73 . die Stunde. Und: Das Bayerische Strafvollzugsgesetz bestimmt deswegen ausdrücklich (Art. 43), daß die Strafgefangenen (im Gegensatz zu den nicht arbeitspflichtigen Untersuchungsgefangenen) verpflichtet sind, eine ihren körperlichen Fähigkeiten angemessene Arbeit auszuüben. Die Vollzugsbehörde soll den Gefangenen wirtschaftlich ergiebige Arbeit zuweisen und dabei ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen berücksichtigen (Art. 39).
Verpflichtung zur Arbeit bei Niedrigstlohn auch hiervon dürften etliche Firmen und Konsumenten profitieren.
Frohen Kaufrausch.
Hans Gustav
9. Dezember 2012, 14:14
Und wo ist der Unterschied zu Foxconn? Große Firmen werden wohl immer Arbeiter ausbeuten um ihre Produkte billiger anbieten zu können und trotzdem selbst mehr Profit bzw Managergehälter herausschlagen zu können.
Wolfgang Geisel
9. Dezember 2012, 14:27
Erstaunlich. Nicht das menschenverachtende Regime der SED steht hier am Pranger, sondern Westfirmen. Verständlich, schließlich ist die SED (alias PDS alias DIE LINKE) ja der hochgeschätzte Koalitionspartner der SPD. Kann man ethisch noch tiefer sinken?
Detlef Fiedler
9. Dezember 2012, 14:34
Warum wird hier einseitig die Geschichte von Ikea beleuchtet? Die Bundesrepublik selbst hat nach der Wiedervereinigung die DDR Sicherheits-Mitarbeiter in die Arbeitsverwaltung übernommen, so dass die "verdächtigen Massen" ein entscheidendes Jahrzehnt unter der Kuratel der alten Machteliten standen - bzw. um Pfennigbeträge in der Arbeitslosenversicherung feilschen durften. Was da an Schmutz gelaufen ist, hat der Bundesrepublik eigentlich jedes Recht genommen, mit dem Finger ins Ausland zu zeigen, da bis heute so getan wird, als wäre die Wiedervereinigung ein einziger Akt der Gerechtigkeit gewesen wäre. Mein Vorschlag: Schnell runter vom hohen Ross.
Kurt Mueller
9. Dezember 2012, 14:41
So sehr ich die geschilderten Schicksale bedauere: In der Artikelmitte steht ja, daß ein Großteil der Zwangsarbeiter für DDR-Betriebe arbeitete. Wären die Westkunden gar nicht erst gekommen oder hätten sie nach Kenntnis der Zustände auf den Kauf der Ware verzichtet, hätten die SED-Schergen schon ein anderes Einsatzgebiet für die Zwangsarbeiter gefunden. Marode war im Osten ja genug. Soll heißen: Die tatsächlichen Verantwortlichen saßen in den Politbüros der DDR und der UdSSR. Die meisten dieser Damen und Herren können ja nun leider nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden - also bleibt es am Staat, die Opfer wenigstens finanziell zu unterstützen. Sollten hier Lücken klaffen, wäre dies das Thema - nicht Konzerne, die lange das Zeitliche gesegnet haben. Und statt alte Geschichten aufzuwärmen, sollte man doch lieber mal schauen, unter welchen Bedingungen die Waren entstehen, die wir heute kaufen: Elektronik von Quasi-Sklaven aus China, Klamotten von Quasi-Sklaven aus Bangladesch, Fleisch, das von Mikro-Löhnern verarbeitet wird - die Liste ist lang...
Ralf Koch
9. Dezember 2012, 14:48
Der Artikel lebt durchweg von Übertreibungen.
Zwangsarbeit und KZ, das klingt schon ziemlich krass. Der Strafvollzug in der DDR war keine Mädchenschule, das ist klar, aber solche zuvor genannten Vergleiche sind unzutreffend.
Ich habe selbst im Stahlwerk Riesa arbeiten müssen, Strafvollzug war in Zeithain. Der Stahl, der dort gewalzt und gerichtet wurde, ging auch großteils in den Export. In der U-Haft haben wir Zählwerke für Telefonanlagen und Wäscheklammern montiert, und nun?
Die Wirtschaft der gesamten DDR war exportorientiert, wo liegt das Problem?
Arbeit war ein Mittel, die ansonsten endlose Haftzeit zu verdrängen.
Zwang zur Arbeit durch Aufseher mit Schlagstock? Unsinn. Unsere Gruppe bestand aus zeitweise über 30 Gefangenen, es gab nur einen Aufseher, der im Arbeitsablauf seltenst zu sehen war.
Es gab aber ein einfaches Mittel, Gefangene zur Leistung zu motivieren.
In Zeithain waren 80% politische Häftlinge, aber halt nur 80%, der Rest saß wegen Körperverletzung.
So waren auch unser Gruppenführer und der Kalfaktor grundsätzlich keine politischen Gefangenen.
Abgerechnet wurde nicht die Leistung pro Person, sondern die Gruppenleistung.
Wer, so wie im Text beschrieben, mit 5% Leistung den Tag verbracht hätte, der wäre am Abend sicherlich auf die richtige Spur gesetzt worden, per Hand- und Faustarbeit. Mit solchen Problemen hat sich kein Angestellter im Strafvollzug abgegeben, das wurde in der Gruppe geregelt. Die Ursachen für blaue Flecken wurden nicht hinterfragt.
Häftlinge konnten auch kaum flexibel eingesetzt werden, weil die Arbeitsbereiche in externen Betrieben abgesperrt und gesichert waren.
Die Arbeit im Strafvollzug will ich nicht verharmlosen. Die Maschinen waren oft alt und gefährlich, es gab Unfälle und Verletzungen. Die Bezahlung war natürlich lächerlich.
Ich wurde aus der Haft direkt in den Westen verkauft, auf meinen Wunsch hin, daher kann ich mich über die Haftzeit und eventuelle Arbeit für den Westen nicht aufregen, für mich ging die Rechnung auf.
Peter Grolig
9. Dezember 2012, 14:58
Meinen Dank an Volker Altmann, der die Verhältnisse sehr klar dargestellt hat. Auch in der BRD (bzw. Deutschland-West) gab und gibt es Zwangsarbeit bzw. die Pflicht zur Arbeit. Wer hier den Gewinn einsackt, wird das Justizministerium wohl nicht so schnell kund tun. Weiter sollten wir heute nicht so tun, als ob wir empört wären. Wir wussten schon immer was in der DDR los war und woher die schönen Waren von Quelle, Karstadt und Otto und co. herkamen.
Alexander Arnold
9. Dezember 2012, 15:05
Lieber Volker Altmann
es gibt ein nachvollziehbares selbstschutzverhalten, das leid anderer nicht all zu nah an sich herankommen zu lassen. Wenn ich Ihnen zb. erzählen würde das mein bruder gerade gestorben wäre, kämen Sie da auf die idee mir erzählen zu wollen, das in ägypten gerade viele menschen getötet wurden?
Es stimmte faktisch, und Sie können dazu schreiben nicht relativieren zu wollen, aber in meine lage hätten Sie sich nicht versetzt, es wäre relativierend, ob gewollt oder nicht. Es stimmt ebenfalls das meine zwangsarbeiter erfahrung als pol. häftling für ikea schuften zu müssen, 28 jahre zurück liegt, nur war das deshalb weniger unrecht als heute?
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch mir ist und bleibt es sehr wichtig den bogen da zu heute zu spannen. Wie könnte man sich über vergangenes unrecht empören, aber heutiges nicht sehen wollen?! Sie haben recht heutige verhältnisse anzukreiden, gar keine frage. Aber wenn Sie die bayrische justiz zum beispiel nehmen, kann dieser vergleich nur schmerzlich für mich sein. Stundenlohn? Wir schufteten unter umständen von 1912, so alt waren teilweise die stanzen, 250% von der zivil-norm, um auf 100% knastnorm zu kommen. Darunter gab es strafe, bis zu tage in ketten legen, an händen und füssen ein bewegungsspielraum von 30cm. 20mark dafür im monat, für zb. tabak. Keine musik, keine medien, schliesser die uns politischen ins gesicht sagten, uns lieber an die wand zum erschiessen stellen zu würden. Als politische sollten wir doch schon mal für unseren geliebten westen schuften, wir pack.
14 monat haft für 150 flugblätter mit gedichten von brecht, hesse und fried, und dem satz sich gegen die atomrüstung in ost und west auszusprechen. Können Sie verstehen das da jeder vergleich relativiert und schmerzt? Selbst hab ich es gut überstanden, aber so sehr viele sind dran zerbrochen und hatten bis heute keine stimme. Ikea hat sich nun auch dank meines druckes dazu gestellt und das kann nur ein anfang sein, und dann der bogen zu heute.
Unser heutiger wohlstand ist nur möglich, weil es arme und ärmste länder gibt, und wir davon profitieren, keine frage..und dringend zu ändern!
Mit freundlichem gruss
Alexander Arnold
Alexander Arnold
9. Dezember 2012, 15:45
Mir selbst geht es als betroffener um die chance, unrecht öffentlich beim namen nennen zu können, nach 28 jahren nicht mehr als lügner zu gelten, es wäre tatsächlich nicht genau so gewesen, wie ikea es nach selbstrecherche nun bestätigen musste.
Mit recht kommen einem dabei gedanken an heutige firmen wie zb. kik und viele andere, die sich im ausland einen dreck um die dortigen arbeitsbedingungen scheren. Man muß aber trotz allem sehen, das es hier um ein deutsch-deutsches problem ging, nicht nur billige und schlechte verhältnisse der ddr auszunutzen, sondern gerade die unter unmenschlichen bedingungen produzieren zu lassen, denen man angeblich schutz gewähren wollte, sie freikaufte, weil sie völlig zu unrecht im gefängnis saßen.
Ich habe mir den zeitungsartikel von 1984 mit meinem interview, namen und bild aufgehoben, in dem ich damals frisch frei gekauft genua davon schon berichtet habe, wie, und für wen wir da zwangsarbeit verrichten mussten.
Niemand hielt mich für unglaubwürdig, große betroffenheit und empörung, das war es damals, und es ging so weiter. Nur weil wir wussten das unsere freunde und mitgefangenen noch immer in ddr fängen waren, man sofort die freikäufe von ddr-seite eingestellt hätte, blieben wir damals dann still. Es war der einzige weg diese hölle zu verlassen, und das zu unterbrechen, konnte niemand von uns verantworten.
Es geht auch nicht um eine juristische schuld, sondern um eine moralische, die auch ein volk im westen nicht duldet, wenn sie bekannt wird.
Diese nun auch beweisbare mitschuld, und die betroffenheit darüber, muß dann auch ein weg zu heute sein, da nun ehr sehr viel genauer hinzugucken, wie es mit der heutigen moral der wirtschaft gestellt ist.
Aufarbeitung bleibt wichtig, und ikea gibt dafür einen fond, was ich sehr begrüße.
Alfred Spiegler
9. Dezember 2012, 16:07
Es ist ziemlich beschämend, dass hier offenbar Leute versuchen, die dunklen Seiten des real existierenden Sozialismus westlichen Konzernen anzuhängen. Wie man dem Artikel entnehmen kann, mussten beim VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt ungefähr 200 Häftlinge arbeiten. Das Werk hatte laut Wikipedia ca. 2500 Mitarbeiter, das ganz Kombinat, zu dem Straßfurt gehörte, 23.000 Mitarbeiter. Bei solchen Zahlenverhältnissen davon zu sprechen, dass Ikea & Co massiv von der Zwangsarbeit profitiert hätten, ist absurd. Die westlichen Firmen haben keine Zwangsarbeiter in die Frabriken gesteckt. Das Ganze war gesteuert von der SED, deren offizielle Nachfolgeorganistaion, DIE LINKE, in den Talkshows unserer Republik von Medienleuten hoffiert wird und natürlich mit keiner Zeile in diesem Zusammenhang erwähnt wird. Es ist nicht einmal ausgeschlossen (ja sogar sehr wahrscheinlich), dass die Differenz aus den Häftlingslöhnen und den üblichen Arbeitslöhnen von der Stasi oder der Partei oder korrupten SED-Bonzen abkassiert wurde statt die Waren "noch billiger" an den Westen zu verhöckern.
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