Über einestages

1898

Kaiser Wilhelm II. in Jerusalem Pilgerfahrt mit Prunk und Pomp



11 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

David Zimmere

7. Dezember 2012, 11:02
Vielleicht dürfte nachfolgender Link

die geschichtsinteressierten Kommentatoren interessieren
http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/774/index.html

Ein sehr interessanter Augenzeugenbericht. mehr...

Andreas Weber
5. Dezember 2012, 11:15
Schön, dass man über den kaiserlichen Besuch in Jerusalem im Jahre 1898 diskutieren kann nicht aber über den Antisemitismusdebatteartikel "Willkommen im Land der Täter".
Oliver Balk
5. Dezember 2012, 12:05
An den Kommentaren der "SPD nahen Zeitungen" hat sich anscheinend ueber das Jahrhundert nicht viel geaendert.
Petra Wittenburg
5. Dezember 2012, 13:29
Für dieses Gedicht bekam Franz Werfel wegen Majetätsbeleidigung 6 Monate Festungshaft aufgebrummt:

Im Heiligen Land
Der König David steigt aus seinem Grabe,
Greift nach der Harfe, schlägt die Augen ein
Und preist den Herrn, daß er die Ehre habe,
Dem Herrn der Völker einen Psalm zu weihn.
Wie einst zu Abisags von Sunem Tagen
Hört wieder man ihn wild die Saiten schlagen,
Indes sein hehres Preis- und Siegeslied
Wie Sturmesbrausen nach dem Meere zieht.
Willkommen, Fürst, in meines Landes Grenzen,
Willkommen mit dem holden Eh'gemahl,
Mit Geistlichkeit, Lakaien, Exzellenzen
Und Polizeibeamten ohne Zahl.
Es freuen rings sich die historischen Orte
Seit vielen Wochen schon auf deine Worte,
Und es vergrößert ihre Sehnsuchtspein
Der heiße Wunsch, photographiert zu sein.
Ist denn nicht deine Herrschaft auch so weise,
Daß du dein Land getrost verlassen kannst?
Nicht jeder Herrscher wagt sich auf die Reise
Ins alte Kanaan. Du aber fandst,
Du sei'st zu Hause momentan entbehrlich;
Der Augenblick ist völlig ungefährlich;
Und wer sein Land so klug wie du regiert,
Weiß immer schon im voraus, was passiert.
Es wird die rote Internationale,
Die einst so wild und ungebärdig war,
Versöhnen sich beim sanften Liebesmahle
Mit der Agrarier sanftgemuten Schar.
Frankreich wird seinen Dreyfus froh empfangen,
Als wär' auch er zum Heil'gen Land gegangen.
In Peking wird kein Kaiser mehr vermißt,
Und Ruhe hält sogar der Anarchist.
So sei uns denn noch einmal hoch willkommen
Und laß dir unsere tiefste Ehrfurcht weihn,
Der du die Schmach vom Heil'gen Land genommen,
Von dir bisher noch nicht besucht zu sein.
Mit Stolz erfüllst du Millionen Christen;
Wie wird von nun an Golgatha sich brüsten,
Das einst vernahm das letzte Wort vom Kreuz
Und heute nun das erste deinerseits.
Der Menschheit Durst nach Taten läßt sich stillen,
Doch nach Bewund'rung ist ihr Durst enorm.
Der du ihr beide Durste zu erfüllen
Vermagst, sei's in der Tropenuniform,
Sei es in Seemannstracht, im Purpurkleide,
Im Rokokokostüm aus starrer Seide,
Sei es im Jagdrock oder Sportgewand,
Willkommen, teurer Fürst, im Heil'gen Land!
Volker Altmann
5. Dezember 2012, 13:33
Wenn Staatsoberhäupter kommen, haut man gerne ein wenig auf den Putz. Warum sollte das bei Wilhelm II. anders gewesen sein?

Als Mr. Bush nach Mainz kam, war es anders. Da erhielten Teile der Mainzer Bevölkerung Ausgangsverbot, durften sich nicht einmal an den Fenstern zeigen.
Mathias Völlinger
5. Dezember 2012, 13:46
Kaiser Wilhelm II.

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass auch Majestät ein eingefleischter Antisemit war, der zwar die Pläne Herzls unterstützte, wohl aber nur um sein aus anderen Gründen nicht so sehr sonnenbeschienenes Reich letztlich "judenrein" zu machen. Immerhin ein "humanerer" Gedanke als die von seinen Nachfolgern praktizierte "Endlösung". Vielleicht war dieser "Pomp and Circumstances"- Besuch im verwesenden Reiche seines osmanischen Kollegen auch ein "Inspektionsbesuch" , um der Realisation dero Herzenswunsches vorzufühlen.

Nur so ein Gedanke...
Georg Grützner
5. Dezember 2012, 16:20
Sehr gutes Gedicht, das hier gepostet wurde - auch das mit der Festungshaft stimmt - Autor war m.W aber Frank Wedekind und nicht Franz Werfel
Sybille Schneider
5. Dezember 2012, 16:39
Mittlerweile lernt jeder Studienanfänger der Geschichte, dass man Ereignisse von früher nicht nach den Maßstäben von Heute beurteilen kann.

Der Staatsbesuch eines Kaisers ohne Pomp und in legerer Freizeitkleidung mit einer kleinen Droschke wäre in allen Staaten der Welt als schwerer Affront aufgefasst worden, weil der Aufwand für die Reise auch proportional zum Ansehen des besuchten Staates bei den Bereisten gesehen worden wäre.

Umgekeht genauso ...
Rainer Schwenger
6. Dezember 2012, 11:07
>Kaiser Wilhelm II.
>
>Es ist ja mittlerweile bekannt, dass auch Majestät ein eingefleischter Antisemit war, der zwar die Pläne Herzls unterstützte, wohl aber nur um sein aus anderen Gründen nicht so sehr sonnenbeschienenes Reich letztlich "judenrein" zu machen. Immerhin ein "humanerer" Gedanke als die von seinen Nachfolgern praktizierte "Endlösung". Vielleicht war dieser "Pomp and Circumstances"- Besuch im verwesenden Reiche seines osmanischen Kollegen auch ein "Inspektionsbesuch" , um der Realisation dero Herzenswunsches vorzufühlen.
>
>Nur so ein Gedanke...

Willem II war wohl, wie es damals in Europa traurige "Mode" war, zwar ein Antisemit, jedoch auch überzeugt von der zionistischen Idee. - Der Unterschied zwischen dem religiösen Judaismus und dem politischen Zionismus wurde damals immerhin noch verstanden. - Theodor Herzl war 1898 auch in Jerusalem zugegen, wurde aber von der jüdischen Gemeinde von den Empfangsfeierlichkeiten ausgeladen, er empfing den Kaiser dennoch am 2. November zu Konsultationen.
Der Rabbi der orthodoxen Juden, Chaim Josef Zonnenfeld, weigerte sich standhaft den Kaiser zu empfangen, oder bei den Feierlichkeiten zugegen zu sein, da er ihn für den König des reinkarnierten Volkes "Amalek" hielt, dem biblischen Erzfeind des Volkes Israel.


Mathias Völlinger
6. Dezember 2012, 11:08
>Mittlerweile lernt jeder Studienanfänger der Geschichte, dass man Ereignisse von früher nicht nach den Maßstäben von Heute beurteilen kann.
>
>Der Staatsbesuch eines Kaisers ohne Pomp und in legerer Freizeitkleidung mit einer kleinen Droschke wäre in allen Staaten der Welt als schwerer Affront aufgefasst worden, weil der Aufwand für die Reise auch proportional zum Ansehen des besuchten Staates bei den Bereisten gesehen worden wäre.
>
>Umgekeht genauso ...

Wenn Majestät es wirklich Ernst gemeint hätte mit Seiner Pilgerschaft, hätte auch damals niemand Anstoß genommen an bescheidenerem Auftreten des Allerhöchstselben. Und man hätte für Majestät's Staatskarosse nicht das halbe Jaffator zu Jerusalem einreißen lassen müssen. Es war ja kein Staatsbesuch des Hochwohlgeborenen, welcher wohl dann an der Hohen Pforte zu Konstantinopel daselbst mit dem angemessenen Protokoll stattgefunden hätte.
Metin Yasin
7. Dezember 2012, 01:26
Kleine aber wichtige Anmerkungen...im Jahre 1898 gab es kein Syrien, keinen Libanon und die gesamte Region war Bestandteil des Osmanischen Reiches. Von Antisemitismus zu sprechen zu der damaligen Zeit in Jerusalem zeugt von absoluter Unkenntnis, hatten doch gerade die Osmanen/Türken den Juden Europas, während er heiligen Inquisition, Asyl gewährt im Osmanischen Reich. Bitte immer die Jahreszahl vor Augen halten...die guten Beziehungen des Deutschen Reiches zum Osmanische Reich damals, sind ja wohl hoffentlich bekannt bei den Lesern. Somit konnte Thomas Cook die Reise auch nur mit der Erlaubnis des Osmanischen Herrschers damals durchführen, die dann auch die Umbauten vorgenommen haben, die Strassen und Anlegestelle erbaut haben.

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