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1987

Musikpionier Conny Plank Pop aus der Fabrikhalle



11 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Klaus hiltscher

22. Januar 2013, 13:23
Nicht zu vergessen Conny's legendäre Weihnachtssingle DEUTSCHES WEIHNACHTS-POTPOURRI unter dem Pseudonym AAMOK. Die B Seite hieß - Silence In The Night > was bedeutete, dass es sich hier um eine Leer-Rille handelte.
Für den normalen Weihnachtslieder-Freak ist diese Single von 1973 mehr...

Hildegund Wolbrandt
19. Januar 2013, 17:29
Man kann keine Story über Conny`s Studio schreiben ohne seine Frau Christa zu erwähnen. Mit ihrer geradliniegen offenen unprätentiösen Art hat sie wesentlich zur kreativen Atmosphäre im Studio beigetragen. Sie war die andere Hälfte des Erfolgs.
Peter Müller
19. Januar 2013, 17:49
Die Jahreszahl 1969 bei der Dietrich-Tournee kann nicht stimmen. Marlene Dietrich war lediglich im Mai 1960 auf einer Tournee durch Westberlin und die Bundesrepublik, was auf einer im Deutschen Theater in München aufgenommenen Live-LP dokumentiert ist. Danach ist sie nach meinen Kenntnissen lediglich 1962 bei einer Unicef-Gala in Düsseldorf und 1963 beim Deutschen Schlagerfestival in Baden-Baden in der Bundesrepublik aufgetreten und danach nicht mehr. Grund hierfür war die feindselige Haltung eines Teils der Presse und der deutschen Öffentlichkeit wegen ihrer 1939 angenommenen amerikanischen Staatsbürgerschaft und ihres Engagements für die amerikanischen Truppen im Zweiten Weltkrieg. Geplante Auftritte in der DDR scheiterten an finanziellen Fragen.
Fred la Frite
19. Januar 2013, 18:26
Tja, das waren noch Zeiten. Das Rhenus-Studio... Man könnte noch so vieles aufzählen. Ganz unbedingt fehlt aber Sweet Smoke mit dem Kultalbum Just a Poke. Eines von Connys absoluten Meisterstücken.
Ingo Röllig
19. Januar 2013, 19:04
Conny Plank war schon sehr innovativ. Als ich ihn Ende der 70er / Anfang der 80er kennen lernte, erschien er mir sehr unscheinbar. Seine Arbeit führte er mehr im Hintergrund aus und wenn seine Produktionen erschienen, erfuhr man es nur durch Mundpropaganda.
Holger Krüssmann
19. Januar 2013, 20:04
"So gut wie vergessen" zu sein, wird sich bei (Künstler-)Persönlichkeiten im Hintergrund wie Conny Plank stets auf Bekanntheit in der breiten Öffentlichkeit beziehen. Damit ist Plank als jemand, der seine Arbeit hinter einer dicken Glasscheibe verrichtet, weiß Gott nicht allein. Soundtüftler/Produzenten sind selten über Fach- und Fan-Insiderkreise hinaus populär. George Martin? Geoffrey Emerick? The Beatles? St. Pepper? − Kaum anzunehmen, dass selbst diese Kombination als Jauch-Quizfrage unter 100-Tausend durchgeht.
Auch Planks Mentor Wolfgang Hirschmann, der ihn 1969 als Assistent bei den Konzerten von Marlene Dietrich einsetzte und ihn bei einer Session mit Duke Ellington als Tonmeister arbeiten ließ, ist einem breiten Publikum unbekannt.
Wer allerdings jemals mit Conny beruflich, künstlerisch, persönlich zusammengetroffen ist, wird ihn sein Lebtag nicht vergessen: Ein Kerl mit der Motorik, dem Gemüt, dem Gedächtnis und zugleich der "Zartheit" eines Elefanten.
Seine Vita liest sich dabei wie ein „Who is Who?“(http://de.wikipedia.org/wiki/Conny_Plank)
Das Understatement, mit dem er selbst seine Arbeit kommentierte, hatte dabei keinen Anflug von Koketterie. Es war eher so ruppig, wie er sich zeitlebens Interviews verweigerte: "Ich drehe Knöpfe und schiebe Regler. Das hab ich gelernt und das reicht auch!" Seine goldenen und Platin-Schallplatten hingen auf dem Klo.
Damit (und der intelligent-resoluten Herzlichkeit und Kochkunst seiner Frau und Partnerin Christa Fast) nahm er jeder Eitelkeit des jeweiligen Gegenübers die Spitze.
So konnten auf "Conny's Ranch" hinter den sieben Bergen in Wolperath bei Neunkirchen-Seelscheid bei Hennef an der Sieg selbst so hyperventilierende Pop- und Punk-Poser wie Ultravox, DAF oder die Dead Kennedys zur Ruhe kommen und entspannt am Küchentisch oder unterm Apfelbaum sitzen wie Annie Lennox, die Humpe-Schwestern oder die Bläck Fööss. Zum Arbeiten ging es dann in einen ganz fein in Holz gebauten Aufnahmeraum und Conny Plank hatte (gefühlt) alle Zeit der Welt.
Das alles gibt's nicht mehr. Wer ihn kannte, vergisst ihn nicht. Der Friedhof von Neuenkirchen ist vollgestellt mit Kruzifixen. Auf seinem Grabstein prangt ein tellergroßes Sonnenrelief. Das passt. Auf dem Grundstück des 2009 abgerissenen Studio-Bauernhofs stehen heute Einfamilienhäuser. Conny’s Klo mit den Gold-LPs ist im Pop-Museum in Gronau. Das passt auch.
hk
Tobias Vogel
20. Januar 2013, 10:38
Der Begriff "Kraut" in Verbindung mit Musik geht aber nicht auf Conny Plank zurück. Er kam aus England und war so wie "Made in Germany" ursprünglich abwertend gemeint und später von den Krauts ebenso in etwas positives verwandelt worden.
Michael Bruchmann
20. Januar 2013, 19:32
Habe die Zeit in Connys Studio und die herrliche Küche von Christa immer sehr genossen. Wir haben zwei Produktionen dort aufgenommen ( Hoelderlin und Clowns und Clouds ) Ich habe persönlich sehr viel von Conny gelernt, er hatte eine Gabe Klänge, Gefühle und Geräusche zu bewerten wie kein anderer, er hat sich immer sehr aktiv auch an musikalischen Prozessen beteiligt. Ich hatte das große Glück Christa Fast 2004 noch einmal zu treffen, es gab selbstgebackenen Pflaumenkuchen und den Hinweis auf eine, von Ihr produzierte CD die kaum jemand kennt: Die kleine Meerjungfrau in Deutsch und Englisch. Die Deutsche Fassung sprechen Christa Fast und Bela B. die Englische Fassung Annie Lennox und Peter Gabriel, die CD ist, glaub ich, nie in den Vertrieb gelangt. Beeindruckend für mich war, daß in 2004 noch alles da war,- das Studio, das Klo, die Küche und selbst Connys alter Mercedes der noch, völlig verrostet, als Denkmal vor dem Eingang des Bauernhofs stand.

Michael Bruchmann / Hoelderlin
Joachim Ehrig
20. Januar 2013, 21:12
"Du bist völlig verrückt", sagte Conny, als ich irgendwann 1976 mit einem Stapel 2-Spur Tapes bei ihm einlief, die ich Stück für Stück in meinem Heimstudio vollgespielt hatte. "Wie willst Du die denn alle synchron auf 16-Spur kriegen?" - "Mit Kopfhörern und Daumen", entgegnete ich, "hab' ich zuhause geübt." - "Okay", sagte Conny, hier ist der Studioschlüssel, "wenn was ist, ich bin drüben im Haus in der Badewanne."

So war er: trocken, herzlich und für alles offen. Er blieb zwar keine Woche in seiner Badewanne, aber er überließ mir sein komplettes Studio für diese Zeit. Und zwar völlig kostenlos. Weil ich "verrückt" war, was er absolut nachvollziehen konnte. Daraus entstand dann mein zweites Soloalbum "Eroc 2". Ich bin heute noch so verrückt, dass ich jungen Bands oder Künstlern mitunter auch mein Studio bzw. meine Arbeitskraft kostenlos überlasse, wenn ich sie und ihre Ideen mag. Und die sind dann meist völlig fassungslos, denn sowas ist wohl heutzutage nicht mehr sehr verbreitet. Ich sage dann immer, das hätte ich von Conny gelernt...

- Eroc
Uwe Kremer
21. Januar 2013, 17:44
>Habe die Zeit in Connys Studio und die herrliche Küche von Christa immer sehr genossen. Wir haben zwei Produktionen dort aufgenommen ( Hoelderlin und Clowns und Clouds ) Ich habe persönlich sehr viel von Conny gelernt, er hatte eine Gabe Klänge, Gefühle und Geräusche zu bewerten wie kein anderer, er hat sich immer sehr aktiv auch an musikalischen Prozessen beteiligt. Ich hatte das große Glück Christa Fast 2004 noch einmal zu treffen, es gab selbstgebackenen Pflaumenkuchen und den Hinweis auf eine, von Ihr produzierte CD die kaum jemand kennt: Die kleine Meerjungfrau in Deutsch und Englisch. Die Deutsche Fassung sprechen Christa Fast und Bela B. die Englische Fassung Annie Lennox und Peter Gabriel, die CD ist, glaub ich, nie in den Vertrieb gelangt. Beeindruckend für mich war, daß in 2004 noch alles da war,- das Studio, das Klo, die Küche und selbst Connys alter Mercedes der noch, völlig verrostet, als Denkmal vor dem Eingang des Bauernhofs stand.
>
>Michael Bruchmann / Hoelderlin



Hallo Michael,

Die Nixe - The Mermaid (Christa Fast / Annie Lennox u.a.) ist von EMI 077778107323 1992 mit beiden Sprachversionen auf einer CD veröffentlicht worden. Ich habe eine, sie zählt zu meinen Lieblings Kinder CD´s (Ich bin 58 ;-))

Ansonsten vermisse ich natürlich im Artikel über Conny P. etwas mehr Bericht über Seine eigenen Platten, ich liebe zum Beispiel nach wie vor meine LP Rastakraut Pasta von Moebius und Plank

Gruß
Uwe
DETLEF WIEDERHOEFT
22. Januar 2013, 00:01
Conny ist schon 1986 nach unserer Rückkehr aus Südamerika im Herbst erkrankt, eine Woche später im Krankenhaus gewesen und fast auf den Tag genau ein Jahr später gestorben. Christa, seine Frau hatte immer ein Auge auf Conny und seine Gesundheit.
Ich hab ihn nur noch ein mal im Sommer ´87 im Studio zu einer Besprechnung getroffen, von der Krankheit zwar gezeichnet war er unglaublich präsent, von ungeheurer Wachheit und Tiefe . Dieses letzte Bild von ihm beeindruck mich bis heute, über 26 Jahre danach mehr als die gesamten fast 3 Jahre die wir nahezu täglich zusammen gearbeitet haben.
Er war vielen von uns, die damals mit oder für Ihn gearbeitet haben Vater, Bruder, Freund, Lehrer und Berater, für manch einen alles zusammen. Mit Conny Plank haben wir viel zu früh einen Menschen verloren der für die Musik, in und mit der Musik gelebt hat, einen untrügerischen Instinkt für die Energie und die Aussage in der Musik hatte und eine ganze Generation von Musikern, Produzenten und (Ton)Ingenieuren nachhaltig geprägt hat und bis heute prägt. Annie Lennox hat mal gesagt sie hat über Musik noch nie so viel gelernt wie in der Küche in der Christa immer gezaubert hat - der Ort wo gemeinsam gegessen und diskutiert wurde, das Kommunikastionszentrum und Herz des Studios.
Dem schließe ich mich ausnahmslos an, ich hab in der Zeit als Ingenieur bei Conny im Studio alle Freiheiten gehabt, wir haben viel experimentiert und ich hab unglaublich viel von ihm lernen dürfen. Er hat sein Wissen, seine Inspiration und seine Ideen mit anderen geteilt - vorbehaltslos. Keiner konnte beispielsweise Sythesizern leben einhauchen wie er, keiner einen Sequenzer wie er zum Leben erwecken und zum Grooven bringen. Seine Art aufzunehmen und zu Mixen war immer zu 100% auf die Aussage in der Musik gerichtet, er war einer der Produzenten die immer die Gesamtheit eines Songs oder Werkes vor Augen hatte und in der Produktion dann aus Sicht der Musiker auch manchmal entsprechend radikal und "rabiat" vorging. Beispiele gibt´s genug.
Conny hasste "Manierismen", wie er es nannte, Eklektik und Formalismen - in der Musik - und im Leben. Er war eben auch ein sehr politischer Mensch. Ob der damaligen Politik der Schallplattenfirmen ging er unter die Decke und er hasste das gros von A&R Managern, er hat sie , von Ausnahmen abgesehen, gnadenlos vor die Wand laufen lassen.
Wunderbar und treffend auch das Foto mit Annie Lennox im Hintergrund. So hab ich ihn oft erlebt, versunken in der Musik, fast meditativ konzentriert, im Kopf schon den Song in seiner finalen Form vorbereitend.
Die Story um die Goldene Platte von Kunze stimmt so nicht, es gab ganz andere Reibungspunkte - und sicherlich ist "Dein ist mein ganzes Herz" nicht die erfolgreichste Produktion von Conny gewesen, sondern die erfolgreichste von HRK.

Schön, dass es diesen Artikel über Conny Plank hier gibt, er trägt dazu bei ihn und sein Werk lebendig zu halten.
Es grüßt - ausdrücklich auch die Vorredner -
Detlef ( 85 - 87 Toningenieur bei Conny )

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