| Maler-Kollegen: Ferdi Keuter (u.l.) und seine Kollegen im Sommer 1959 in einer Mittagspause. Fotografiert wurde selten, an diesem Tag hatte ich die Kamera mitgebracht. Der Fotograf ist nach so langer Zeit nicht mehr bekannt. |
Als der Malerbetrieb seines Vaters 1951 nach dessen tödlichem Arbeitsunfall geschlossen wurde, kannte Ferdi Keuter - damals gerade mal 13 Jahre alt - nur ein Ziel: in des Vaters Fußstapfen zu treten und ebenfalls seinen Meister zu machen. Ob das eine gute Idee war?
Nach Abschluss der Schule, ich war gerade mal 15 Jahre alt, stellte sich die Frage, ob ich den väterlichen Betrieb nach dessen Tod neu eröffnen sollte. Das war zwar verlockend, aber in meinem Alter eindeutig eine Nummer zu groß.
Ich entschied mich stattdessen für eine normale Lehre: Drei Jahre, Gesellenprüfung. Danach strebte ich den Meister an. Jeden Samstag und Sonntagmorgen besuchte ich die Malerfachschule in Alsdorf. Außerdem belegte ich einige Abendsemester in der Werkkunst-Schule in Aachen, Südstraße - immer den Meisterbrief fest im Blick. Ob ich tatsächlich im Beruf bleiben wollte, war noch unklar. Nur rasch soll es gehen. Daher kündigte ich meine Arbeit als Malergeselle und besuchte die Werkkunstschule ganztägig.
Die Lehrer, allesamt ausgezeichnete Pädagogen, lehrten mich alle Facetten des Handwerks. Nur das freihändige Schreiben mit dem Pinsel war mir fast unmöglich. Lehrer Heusch hatte schon 1934 meinem Vater die Prüfung abgenommen und bewies mit mir eine Engelsgeduld. Einer seiner Vorschläge für die Schriften-Übung hieß "Jugend und verlorene Zeit kommen nicht wieder in Ewigkeit."
Stunde der Wahrheit
Im Februar 1960 bei der Meisterprüfung war ich einer der jüngsten Teilnehmer. Während der Prüfung erfuhren wir, dass wir am letzten Tag im schwarzen Anzug erscheinen sollten. Ich murrte missmutig vor meiner Schrifttafel: "Wenn wir im schwarzen Anzug erscheinen und dann durchfallen, tragen wir gleich Trauer". Einer der Prüfer hinter mir hatte alles gehört. Er klopfte auf meine Schulter und bat mich nach draußen. Doch ich schaffte es, meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen: Ich erklärte ihm glaubhaft, dass ich gar keinen schwarzen Anzug besäße und mir auch keinen leisten könne. Nach einigen Ermahnungen durfte ich wieder in den Prüfungsraum.
Am nächsten Tag kam die Stunde der Wahrheit. Die Ergebnisse sollten mitgeteilt werden. Wir waren acht Klienten, fünf davon werden namentlich genannt. Wir sollten vorübergehend aus dem Zimmer gehen. Da wir in der Mehrheit waren, glaubten wir erst, bestanden zu haben. Aber dass unser Klassenbester im Raum bleiben durfte, irritierte uns. Da stimmte was nicht. Und richtig: Wir fünf waren durchgefallen! Ich allein wegen der schlechten Schrift-Leistung. Ansonsten: Note drei.
Male niemals Schrift!
Im Juli 1960, in der Schriftbogen-Nachprüfung, klappte es wieder nicht, aber der Prüfer drückte ein Auge zu. Er ließ mich hoch und heilig schwören, niemals Schriftenmaler zu werden - und winkte mich durch. Diesen Schwur habe ich nie gebrochen. Mit der Prüfung in der Tasche hatte der Beruf seinen Reiz etwas verloren.
Mein Vater Philipp Keuter hatte 1949 neben dem Malerbetrieb einen Tapeten- und Farbenhandel gegründet. Das Geschäft, das von meiner Mutter geführt wurde, machte genügend Gewinn, um gut davon zu leben. Ich machte mich als Malermeister selbstständig, ohne einen Mitarbeiter einzustellen.
Farbe oder Tapete
Nebenbei kümmerte ich mich im Familienbetrieb um den Handel mit Tapeten und Farben. Bald entwickelte ich daran mehr Freude als am Malerhandwerk. Ein wenig neidisch beäugte ich die Tapetenvertreter, die uns regelmäßig besuchten. Sie waren in den Aufbaujahren noch wahre Könige ihrer Zunft. Dann kamen die Supermärkte auf. Der Wettbewerb wurde heftiger. Die Preisbindung für Tapete fiel. Farbenhaus Keuter wurde geschlossen.
Ich blieb der Tapete treu und arbeitete als Verkaufsleiter in einem anderen Unternehmen - mein Wunschberuf! Übrigens: Während meines gesamten Berufslebens hat mich nie jemand nach meinem Zeugnis als Malermeister gefragt.
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