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"Hart aber herzlich": Das Ehepaar Jonathan und Jennifer Hart - er Millionär, sie freie Journalistin - lebt ein Leben in Luxus und löst hobbymässig Kriminalfälle. Sie wären jedoch nie so erfolgreich ohne ihren Butler Max. Von rechts nach links: Robert Wagner, Stefanie Powers und Lionel Stander, der Max spielte.
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"Der Fahnder", "MacGyver" oder "Ein Colt für alle Fälle": In den Achtzigern gab es richtig gute Vorabendserien. Heute gibt es Soaps - die reinste Tortur. Wer daran Schuld ist? Natürlich Jason Donovan! Philipp Kohlhöfer erklärt, warum.
Philipp Kohlhöfer schreibt regelmäßig Texte und Kolumnen auf einestages zu Popkultur, Lebensart und Szene-Themen - natürlich immer streng subjektiv.
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Im Laufe meines Lebens habe ich diverse Popsünden begangen. So besaß ich etwa eine Langspielplatte von MC Hammer, ich hatte eine Single von Vanilla Ice, und einmal kaufte ich sogar eine Maxi-Single von Jason Donovan.
Ich erzähle das manchmal in vertrauter Runde, wenn ich zu einem Essen oder ähnlichem eingeladen werde. In der Regel hebt ein solches Bekenntnis die Stimmung am Tisch. Ich werde beschimpft - "Wie konntest du nur" -, Augen werden verdreht. "Mit diesem Mann willst du zusammen sein?", wird meine Freundin dann gefragt. Und manchmal weiß ich nicht, ob das wirklich im Scherz gemeint ist. Aber es stimmt schon: Für jede einzelne dieser Platten hätte ich es verdient, für den Rest meines Lebens die Hose von MC Hammer, die Augenbrauenrasur von Vanilla Ice und die Frisur von Jason Donovan zu tragen. Und selbst wenn jemand entscheiden würde, dass man mich für meine Verbrechen in Vinyl ab jetzt einmal im Monat auf einem Marktplatz mit Katzenkot bewerfen müsse, ich dürfte mich nicht beschweren.
Wie ich zu Vanilla Ice kam und MC Hammer, das kann ich mir heute nicht mehr erklären. Vor allem weil ich etwa zeitgleich die - zumindest unter Metallern - relativ angesehene Trash-Metal-Band Anthrax ganz gut fand. Schwamm drüber, Jugendsünden. Bei Jason Donovan weiß ich allerdings genau, wie ich zu dieser Platte kam: Jason Donovan war der Star der australischen Fernsehserie "Nachbarn". Seine Partnerin hieß Kylie Minogue. Beide waren ständig - manchmal solo, öfter zu zweit - im Fernsehen zu sehen. Zudem waren sie in den diversen Jugendmagazinen präsent. Durch den multimedialen Dauerbeschuss wurde ich so weichgekocht, dass ich irgendwann die Maxi kaufte. Wie hätte ich es auch besser wissen sollen? Alle Mädchen fanden Jason Donovan super, weswegen ich ihn natürlich auch irgendwie super fand. Außerdem: Das Lied auf meiner Maxi hieß "Sealed With A Kiss" und eignete sich schon allein wegen des Titels hervorragend, um dabei zu Knutschen.
Jason Donovan ist Schuld
Doch Jason Donovan war nicht nur ein Vergehen an meiner Plattensammlung - aufgepasst, jetzt kommt die gewagte These - Donovan war vor allem Schuld daran, dass die Qualität von Vorabendsendungen immer weiter in den Keller ging und mittlerweile am Erdmittelpunkt angekommen sein müsste. Der Erfolg des unbedarft wirkenden Jungen von Nebenan als Schauspieler und Sänger hat nämlich zahllose Nachahmer inspiriert. Junge Menschen, die "Nachbarn" gesehen und gedacht haben: "Das kann ich auch".
Es ist ja nicht so, dass früher alles besser war. Meistens ist das Gegenteil der Fall. Aber was es früher immerhin gab, waren niveauvolle Vorabendendserien. Erwähnt seien hier nur "Timm Thaler", "Manni, der Libero" und "Oliver Maas", die "Rote Zora" und "Die Besucher". Es gab (nicht ganz so spät am Abend) "Luzie, der Schrecken der Straße" und "Pan Tau". Es gab "Die dreibeinigen Herrscher" und "Robin Hood". Zudem beglückten uns noch Klaus Wennemann als "Der Fahnder", der sich ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Manfred Krug als Trucker Franz Meersdonk in "Auf Achse" um meinen persönlichen Titel "Coolste Sau der Welt" lieferte. Und auch die US-Serien waren, obgleich viel schlechter als "Der Fahnder" und "Auf Achse", besser als alles, was heute am Vorabend durch die Kanäle geistert: "Der Mann aus dem Meer", "Trio mit vier Fäusten", "Ein Colt für alle Fälle", "Simon & Simon", "Hart aber Herzlich", "MacGyver".
Ich sah gerne am Vorabend fern.
Heute geht das nicht mehr, ist einfach nicht mehr möglich. Heute laufen - so kommt es mir zumindest vor - zur klassischen Vorabendserienzeit nur noch Soaps. Und so schrecklich es klingt: Die Soap ist die Mutter aller Fernsehserien. Der Ursprung selbst der besten Vorabendunterhaltung.
Liebe, Herzschmerz, Seifenwerbung
1929 produzierte das US-Unternehmen Procter & Gamble erstmals nette und belanglose Geschichten aus einer fiktiven Nachbarschaft für das Radio. Es ging um Liebe und Herzschmerz, aber ihr eigentlicher Mittelpunkt war: Seife. Die Soap trug ihren Namen wegen des Produkts, das sie verkaufen sollte. Sie war als Unterhaltungsserie getarnte Werbung, die von Werbeblöcken unterbrochen wurde. Ihre Zielgruppe war weiblich, weswegen das Frauenbild in Soaps seiner Zeit immer voraus war. Soaps zeigten starke Frauen und schwache Männer. Während das Leben der Männer problembeladen und tragisch war, fielen die Frauen vor allem durch ihren Pragmatismus auf.
Einige dieser Serien waren früher sogar so erfolgreich, dass sie jahrelang liefen und 20 Jahre später, nach der Etablierung des Fernsehens als Massenmedium, auf der Mattscheibe fortgesetzt wurden. Dabei hat sich das Prinzip der Soaps in Jahrzehnten nicht verändert: Sie müssen schnell und billig zu produzieren sein. Zuviel Professionalität schadet eher. Soap-Charaktere sind Allerweltsmenschen, die Typen von nebenan, Nachbarn eben. Und so soll es auch sein. Sie sind schlecht gekleidet, reden Müll, sind meist ungebildet, und ihre Darsteller sind so untalentierte Schauspieler, wie es unsere echten Nachbarn auch wären. Dabei sind Soaps für jeden Sender das Produkt schlechthin. Ihre Herstellung kostet fast nichts. Trotzdem sitzen allabendlich so viele Menschen vor dem Fernseher, dass die Werbeminuten beinahe so teuer sind wie die Slots in den Werbeunterbrechungen eines für Unsummen eingekauften Spielfilms. Zudem lassen sich ihre Darsteller hervorragend als Prominente in den sendereigenen Klatschshows mit Sexbeichten und ähnlichem Schwachsinn zitieren. Was wiederum die Bekanntheit der Soap steigert. Was wiederum die Preise in den Werbepausen steigen lässt.
Kein Frühstück - Freundin weg
Einmal war ich mit einem Mädchen zusammen, das unbedingt berühmt werden wollte. Jason Donavan und seine Nachfahren aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und Konsorten hatten uns ja vorgemacht, dass jeder Hansel in einer Vorabendsoap mitspielen und ein Promi werden kann. Also fuhren wir zusammen nach Köln, landeten im Büro irgendeiner Agentur auf dem Gelände irgendeines Medienparks - und niemand würdigte meine Freundin eines Blickes. Zu allem Übel gab die Castingdame schließlich mir ihre Telefonnummer und schlug vor, Probefotos zu machen. Vielleicht könne ich ja mal in einer Soap mitspielen, welche sei ganz egal. Obwohl ich mäßig enthusiastisch reagierte, war meine Freundin ob des Vorfalls eher missmutig gestimmt. Sie verließ mich kurze Zeit später, weil ich nicht mit ihr zum Spontanfrühstück nach Paris fahren wollte, aber das ist eine andere Geschichte.
Eine Vorabend-Soap jedenfalls ist die Perversion jeglicher Fernsehsendung. Noch schlimmer wird es nur, wenn der talentfreie Darsteller zu singen beginnt und die einschlägigen Magazine anfangen, von einem "Multitalent" sprechen. Spätestens, wenn diese Typen über den Bildschirm flimmern, wird es für mich Zeit, den Raum zu verlassen, um keine unbeteiligte Person aus Frust zu verprügeln.
Gerechterweise war bei Jason Donovan der Ruhm als Sänger eher kurzlebig. Während es Kylie Minogue seit Jahren schafft, ernst genommen zu werden, war Donovan eher damit beschäftigt, erstens seine Drogenprobleme zu lösen und zweitens das englische Magazin "The Face" zu verklagen, das behauptet hatte, er sei homosexuell. Ach ja, und Ende 2006 war er einer der Dschungelcamper bei der englischen Version der grottigen Reality-TV-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" Donovan, der Mann mit dem ich den Untergang der Vorabend-TV-Kultur verbinde, hat fast gewonnen. Er wurde Dritter.
Ich finde, auch das hat er verdient.
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Sie knutschten auf dem Schulhof, stritten mit ihren Eltern...
Er war mies gekleidet, ein übler Verkehrsrowdy und hatte...
Deng-dededeng dedede-dengdengdeng dadaa-daah! Noch 35 Jahre...