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1978

Generation Käfer Fahrschule ins Leben


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Marien-Käfer: Eine Fröhliche Runde. Die Mitglieder eines Käfer-Clubs führen ihre Lieblinge vor.

Radierende Reifen, Modergeruch, Rostfraß: Trotz seiner Macken avancierte der VW-Käfer zum Kultmobil. Vor 30 Jahren lief das letzte in Deutschland gebaute Modell vom Band. Ulrich Booms über das Ende einer Autoära und seine Abenteuer mit klemmenden Gaspedalen und Polizeistreifen.



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Es ist tragisch: Vor 30 Jahren, am 19. Januar 1978, lief in Emden der letzte in Deutschland gebaute Käfer vom Band. Als den Wolfsburgern endlich dämmerte, dass die Ära des guten alte VW-Käfers endgültig zu Ende ging, dass die Ansprüche an einen Familienwagen inzwischen viertürig und der Kofferraum auch als solcher zu nutzen gewünscht wurde, war der Longseller längst von der Familienkutsche zum Zweitwagen degradiert. Zur freien Benutzung von Auto fahrenden Frauen und, wenn gar nicht zu vermeiden, auch von Führerschein-Neulingen. Damit war Papas eigenes "heilig's Blechle" einigermaßen kostengünstig vor unbeaufsichtigtem Missbrauch gesichert.

Geschraubt haben wir nie

Und deshalb: Meine Mutter hatte einen, die Mutter meiner Freundin hatte einen, mein Freund hatte einen, und dessen Vater, Förster tief im Hunsrück, der hatte seinen alten behalten, den ultimativen Käfer: grünes Nummernschild, ausgesägte Kotflügel, grobstollige M+S-Reifen - aber leider keine Straßenzulassung. Schade, das wäre auf unserem Schulhof die Schau gewesen.

Mit diesem Jäger-Käfer rumpelten wir über modderige Waldwege, schleuderten über Obstwiesen und Kartoffeläcker und loteten die physikalischen Grenzen des Wagens aus. Diese Erfahrungen kamen uns auf der Straße zugute und ließen uns mitleidig lächeln über die Marketing-Ausgeburten für halbstarke Zielgruppen wie den "Gelbschwarzen Renner" (GSR), den "Jeanskäfer" oder andere "Herbie"-Kopien.

Im Alltag fuhren wir ziviler, denn es waren ja Mütterautos und wir hatten sie geliehen. Also waren sie bieder und mussten es auch bleiben: gerne hellblau, 1300ccm-Motor, Diagonalreifen. Geschraubt haben wir nie, außer vielleicht mal an der Tachowelle, damit der Kilometerstand die weiten Fahrten zu fernen Freundinnen nicht verriet. Apropos Freundinnen: Wozu waren die Halteschlaufen rechts und links vom Rücksitz gut? Genau! Dieser Witz Spätpubertierender zeigte vor allem eines: Sie hatten noch keine Ahnung von den Platzverhältnissen im Käfer.

Vollgas im zweiten Gang bergauf

Der Käfer wurde für diese Führerscheingeneration die Fahrschule ins Leben: Heckmotor mit Heckantrieb, da wurde jede Heimfahrt durch die Kurven eines schmalen Tales zur kleinen Rallye Monte Carlo auf der Suche nach physikalischen und emotionalen Antworten auf die Frage, wie weit ich gehen kann. Bei mir ging es immer gut, aber meinen Freund hat es mal verrissen, er legte zwei Bäume um, ausgerechnet im Revier seines Vaters. Nach der Erleichterung über die relative Unversehrtheit seines Sohnes musste der die Bäume bezahlen, aus Prinzip.

Auch sonst war das Käfer-Reifeln ein Vergnügen. Fahren bei Schnee? Eine Lust, das Heck schwänzelte vom Motor optimal beschwert, und dann Vollgas im zweiten Gang bergauf. Starker Regen auf der Autobahn? Kein Thema! Gewicht, mögliche Höchstgeschwindigkeit und Diagonalreifen waren die perfekte technische Abstimmung gegen Aquaplaning. Zu viert in den Skiurlaub? Na klar, irgendwie ging alles rein. Nur die Fahrt dauerte, denn mit vier paar Ski hinten senkrecht aufs Heck gebunden forderte der CW-Wert den 40 PS alles ab. Vier Riemen und ein paar alte Lappen reichten, um dem Käferheck auch mal ein Fahrrad aufzubürden.

Kein spürbarer Druckpunkt

Der älteste Käfer, den ich fuhr, schon ein "Ovali", war genauso alt wie ich: Baujahr 1953. Zum Zeitpunkt unserer Begegnung waren wir beide 20 Jahre alt. Es wurde eine kostspielige Begegnung: Ich hatte den Wagen von einem Zimmergenossen in der Kaserne geliehen, Typ Bastler. Fahren durfte ich ihn vermutlich, weil er zu Hause schon das nächste Modell stehen hatte. Aber den Motor für den neuen Wagen hatte er bei der alten Karre schon mal zum Testen eingebaut. Außerdem empfahl er mir, barfuß zu fahren, da das Röllchen am Gaspedal fehlte und der verbliebene Stutzen manchmal klemmte. Dann musste man es mit dem großen Zeh wieder zurückziehen. Angehalten wurde ich dann, weil der Polizeistreife die altersschwache Beleuchtung nicht ausreichte.

Am Ende stand eine endlose Mängelliste: zu viel PS, abgefahrene Reifen, kein Fernlicht, kein fühlbarer Druckpunkt bei der Bremse (meinen Einwand, es handele sich um eine Seilzugbremse, ließen sie nicht gelten) Auspuff, Blinker und, und, und... Machte 150 Mark und einen Punkt in Flensburg. Für den Halter wurde es teurer. Mit Hinweis auf den Zapfenstreich durfte ich dann merkwürdigerweise noch zur Kaserne fahren, musste aber vorher versprechen, das Fahrzeug von dort keinen Meter mehr zu bewegen. Mein angesäuerter Zimmergenosse musste dann die Motoren ein paar Wochen später in der Kaserne austauschen.

Eigentümlicher Käfergeruch

Käfer begleiteten mich noch weit bis ins Studium. Bei endlosen Autobahnritten vom Norden in die Mitte Deutschlands entschied manchmal die Windrichtung, wie lange wir brauchten. Rückenwind führte zu spürbarer Zeitersparnis. Bei Urlaubsfahrten in den Süden ersetzte das kleine dreieckige Aufstellfenster problemlos die Klimaanlage. Manchmal frage ich mich allerdings, ob das noch heute die Ursache für die Anfälligkeit meiner Bronchien ist.

Mein Freund hatte nachher zwei Käfer. Da klappte der Austausch der Ersatzteile besser. Wir verloren uns dadurch allerdings für eine Weile aus den Augen, denn immer, wenn man etwas von ihm wollte, hatte er zu tun: schweißen, spachteln, Lichtmaschine rein, Batterie raus, Bremsbeläge neu. Außerdem verströmte sein Wagen mehr und mehr diesen eigentümlichen Käfergeruch: Feucht-dreckige Polster, ein aus Rost und Pfützen bestehendes, schimmliges Biotop unter der Gummimatte im Fußraum, Öl, Karamba und verkleckertes Benzin bildeten ein Gemisch, das bei längeren Fahrten in die Klamotten kroch, ganz unangenehm im Winter, wenn sich die Mixtur mit der Heizungsluft auflud. Meistens hatte man aber Glück, und die Heizung funktionierte gar nicht.

Da war es gut, dass die Scheiben nicht so groß und nicht so weit weg waren: Fahren und gleichzeitig wischen war eigentlich kein Problem. Irgendwann wurde uns das aber doch zum Verhängnis - oder besser gesagt unserem letzten Käfer: Mein Freund verriss beim inneren Scheibenwischen auf Schneematsch das Steuer, der Wagen trudelte auf einen dicken Benz zu, an dessen zischendem Kühler wir schließlich zum Stehen kam.

Ich weiß noch: Der Käfer hatte eine ausgeblichene dunkelblaue Farbe, ungefähr so, wie der Fleck der sich dann über die Weihnachtstage an meinem Knie ausbreitete, mit dem ich gegen das Handschuhfach gekracht war.


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insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Klaus Dieter Bätz am 17. Januar 2008, 12:14
Das Foto 4 kann nicht 1963 aufgenommen worden sein, denn die alten Besatzungszonen-Nummernschilder gab es seit 1956 nicht mehr.


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