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1982

"Schande von Gijón"

Das langweiligste WM-Spiel aller Zeiten


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1:0 gegen Österreich: Der deutsche Stürmer Horst Hrubesch (l.) macht das 1:0 gegen Österreich, Torhüter Friedel Koncilia (r.) kann nicht parieren im Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 im Stadion von Gijon.

Es war eine internationale Blamage erster Güte: die Begegnung Österreich-Deutschland bei der WM 1982 in Spanien. Im einestages-Interview erzählt Robert Seeger, der damals die "Schande von Gijón" live für den ORF kommentierte, warum er dafür richtig Ärger bekam.


Am 25. Juni 1982 wurde Fußballgeschichte geschrieben.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien spielte Deutschland gegen Österreich. Nach 11 Minuten fiel das 1:0 für Deutschland. Ein Punktestand, der für beide Teams das sichere Weiterkommen in die nächste Runde garantierte. Dementsprechend spannend verliefen die folgenden 79 Minuten: Es blieb beim 1:0 und nur wenige Spieler auf dem Feld signalisierten ein ernsthaftes Interesse, daran irgendetwas ändern zu wollen. Offensichtlich hatte es Absprachen in der Kabine gegeben.

Der österreichische Sportmoderator Robert Seeger berichtete damals im ORF live vom Spiel - und forderte schließlich die Zuschauer zum Abschalten ihrer Fernsehgeräte auf.



einestages: Herr Seeger, sie spielen eine entscheidende Rolle in der Sport- und Fernsehgeschichte. Im Zusammenhang mit dem "Nichtangriffspakt von Gijón" stößt man unweigerlich auf Ihren Namen. Wie sind Ihre Erinnerungen an diesen Tag?

Seeger: Das werde ich nie vergessen. Ich bin damals von Madrid nach Gijón gefahren, in der Hoffnung, dass Österreich Deutschland hinauswirft aus dieser Weltmeisterschaft. Das wäre für uns sicherlich ein gewaltiger Prestigeerfolg gewesen.

einestages: Und dann begann das Spiel...

Seeger: Die Deutschen spielten zunächst sehr offensiv, gingen früh in Führung und ich dachte "ohje, wenn wir jetzt 0:3 verlieren, fliegen wir hinaus". Aber dann tat sich irgendwie nichts mehr. In der zweiten Hälfte wurde es mir persönlich zuviel. Ich hab dann den berühmten Satz gesagt: "Ich schäme mich für das Spiel dieser österreichischen Mannschaft", weil ich es einfach nicht verstanden habe, dass man auf dem Spielfeld so passiv bleibt, um beide Teams weiterkommen zu lassen. Es hätte das Spiel der Spiele werden können - so wurde es eine internationale Blamage.

einestages: Sie forderten die Zuschauer zum Abschalten ihrer Fernsehgeräte auf. Das war mutig...

Seeger: In dem Moment dachte ich nicht an Konsequenzen. Aber es gab danach einen Riesenwirbel. Einige Spieler forderten sogar meinen Rücktritt, aber die Bevölkerung in Österreich stand voll hinter mir. Heute sind die Spieler meine besten Freunde.

einestages: Wie beurteilen Sie die aus der "Schande von Gijon" entstandenen neuen Regelungen, etwa, dass die letzten Spiele einer Gruppe bei jedem internationalen Turnier immer gleichzeitig stattfinden, und die Rückpassregel von 1992?

Seeger: Diese Regelungen hätte man nicht gebraucht. Heute laufen Absprachen über Telefon, da ist es nicht mehr so offensichtlich. Wirklich ausschließen kann man so etwas überhaupt nicht. Wenn beiden ein Unentschieden genügt, ist es auch völlig bedeutungslos, ob sie zugleich spielen oder zeitversetzt.



Das Interview führte Sebastian Heilig.


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