Sie knutschten auf dem Schulhof, stritten mit ihren Eltern und betranken sich auf dem Abschlussball: die Teenies aus der Serie "Beverly Hills 90210" lebten dasselbe Leben wie wir - nur dass sie besseres Wetter und coolere Klamotten hatten. Und sich manchmal aus Versehen einer in den Kopf schoss. Von Gesche Sager
Stefan Schunck
28. Feb 2008, 16:33
Der Vergleich zu "Sex and the City" hinkt meiner Meinung nach auch...
mehr...
Im Jahr 1992 hat es von Januar bis Dezember geregnet, jeden Tag, 24 Stunden lang - zumindest kam es mir so vor. Ich ging noch zur Schule und träumte von der großen weiten Welt. Von einem Tag auf den anderen war ich dann plötzlich mittendrin - in Beverly Hills, Kalifornien. Genau genommen kam die Welt zu mir ins Wohnzimmer: Im Fernsehen lief "Beverly Hills 90210", eine brandneue Teenie-Serie frisch aus den USA.
Genau wie die Zwillinge mit den zugegebenermaßen ziemlich bescheuerten Namen Brenda und Brandon Walsh, die gerade neu in die exklusive Nachbarschaft gezogen waren, bestaunten meine Freundinnen und ich die Schönen und Reichen im Luxus-Viertel mit der Postleitzahl 90210. Oder wie wir Insider sagen: "Nine Oh Two One Oh".
Am Strand mit Brandon und Brenda
Brenda und Brandon waren mit ihren Eltern aus dem beschaulichen Minnesota nach Beverly Hills gezogen, wo immer die Sonne scheint. Im Handumdrehen wurden sie Mitglieder der coolsten Clique der Schule. Einer Schule, an der alle Schüler mindestens Mercedes oder BMW fuhren.
Wir wollten leben wie Brenda und Brandon: Unsere schönen Körper bei ewig schönem Wetter in die neusten Sommerkleider hüllen, im Cabrio zum Strand fahren, Schulaufgaben nur so nebenbei machen und uns ansonsten ausschließlich mit dem High-End-Sozialleben befassen. Leider saßen wir im verregneten Deutschland, der Strand war weit weg und wir durften noch nicht einmal den Führerschein machen. Da blieb also nur Fernsehen.
Neben den gerade zugezogenen Zwillingen trafen wir in den ersten Staffeln auf die verwöhnte High-School-Schönheit Kelly Taylor und ihre beste Freundin, die überzeugte Jungfrau Donna Martin, die sich im Lauf der Serie mit Dyslexie und einer Beinahe-Vergewaltigung auseinandersetzen musste.
Problemlösung per Scheckbuch
Von der intelligenten Andrea Zuckerman erfuhren wir im Laufe der Serie, dass sie eigentlich im falschen Viertel wohnte und heimlich pendelte, während Dylan McKay vom Geld seines im Gefängnis sitzenden Vaters im Hotel lebte. Steve Sanders, Ex-Freund von Kelly, hatte zwar Geld aber wenig Glück bei den Mädchen. Der Anfangs noch uncoole David Silver gehörte erst richtig zur Clique, nachdem sich sein noch uncoolerer Freund Scott aus Versehen selbst erschossen hatte.
Es war eine schöne Zeit mit den Freunden aus Beverly Hills. Sie teilten unsere Sorgen und Nöte: Krach mit der besten Freundin, heimliches Verliebtsein, Streit mit den Eltern oder Ärger in der Schule. Und hatte jemand in misslicher Lage seine Lektion gelernt, tauchte am Ende immer Daddy auf und löste den Rest mit einem dicken Scheck.
Brandon, der Langweiler!
Uns war klar, dass die Geschichten ziemlich an den Haaren herbeigezogen waren und dem Prinzip der groben Übertreibung folgten. Dennoch fühlten wir mit unseren amerikanischen Freunden. Beispielsweise mit Donna, die ihren Schulabschluss dadurch riskierte, dass sie auf dem Abschlussball Alkohol trank. Nur manchmal wurde es übermäßig skurril: Zum Beispiel als Brenda beobachtete, dass ihre Mutter ihrem Vater eines Morgens keine Grapefruit aufschnitt und sie gleich eine Ehekrise vermutete. Aber die meisten Probleme kamen den unseren doch sehr nahe.
Die wohl langweiligste Figur der Serie war der von Jason Priestley gespielte Brandon Walsh. Ich konnte ihn nicht ausstehen. Etliche weibliche Fans werden jetzt wahrscheinlich entsetzt aufschreien ("Er war doch sooo süß!"). Aber er war eben entsetzlich langweilig! Immer, immer, immer musste er alles richtig machen, moralisch korrekt handeln und reden und noch schlimmer: andere ständig auf ihre Verfehlungen aufmerksam machen. "Nein, so etwas darf man nicht über jemand anderen sagen. Entschuldige Dich bitte dafür oder wir können nicht mehr befreundet sein." Das war einer seiner Standardsätze.

In der Rubrik...