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1987

"Teenage Mutant Hero Turtles" Wenn Schildkröten zu Helden werden


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"Turtles II - Das Geheimnis des Ooze": Die "Teenage Mutant Hero Turtles" mit Pizza, ihrer absoluten Leibspeise. Nachdem der Film "Turtles" von 1990 unerwartet zu einem riesigen Erfolg wurde, kam nur ein Jahr später der zweite Teil in die Kinos.

Michelangelo, Rafael, Leonardo und Donatello kannte in den neunziger Jahren jedes Kind. Die vier waren Pizza verschlingende, in der Kanalisation lebende Ninja-Schildkröten. Karl Stubbe sah die Zeichentrickserie "Teenage Mutant Hero Turtles" jeden Samstag morgen - und lebte als Student mit der Tochter des Kinofilm-Regisseurs in einer WG.


Es gab mal eine Zeit, als die knallbunten Cornflakes-Ringe "Fruit Loops" noch nach Südseeurlaub am Frühstückstisch schmeckten. Als Disney-Filme noch tatsächlich gezeichnet wurden und die Olympischen Spiele in Barcelona stattfanden - und keiner protestierte. In diese Zeit wurden vier gepanzerte, aufrecht gehende und der japanischen Sprache mächtige Schildkröten geboren, die mein frühkindliches Verständnis von Popkultur gehörig aufmischten: die "Teenage Mutant Hero Turtles".

Doch nicht nur ich, sondern fast alle Kinder vergnügten sich damals an den Zeichentrick-Ninja-Schildkröten, die sich auf dem Fernsehschirm Schlägereien mit gesichtslosen Bösewichten lieferten und laut "Cowabunga" riefen, während Mutter und Vater sich am Samstag morgen noch einmal beruhigt im Bett umdrehen konnten. Die vier Protagonisten hießen schließlich Leonardo, Rafael, Michelangelo und Donatello, vier Namen, die seit jeher das Herz jedes Kunstsachverständigen höher schlagen lassen. Und die Widersacher brachten ihrerseits mit Namen wie Be-bop und Rocksteady uns präpupertärierenden Frühaufstehern grundlegende Jazzstile bei.

Außerdem waren die vier Martial-Arts-Schildkröten, die Ersten, denen ich die Mär von einer ausgewogenen Ernährung mit abwechslungsreichen Zutaten wirklich abkaufte. Man nehme: eine Pizza - und dann bitte nicht zimperlich sein, mit dem Belägen und Soßen. Dazu noch ein paar Japanischfetzen, vermittelt durch die weise Ratte Splinter, die Vaterersatz, "Sensei" und Kindergärtner der Turtles in Personalunion war.

Zur immer größer werdenden Sammlung von Spielfiguren, gesellten sich bald zwei Schildkröten-Kinofilme - und dann leider noch ein unsäglicher dritter Teil.

WG-Leben mit der Tochter eines Gottes

Aber um mein Verhältnis zu den "Ninja Turtles" etwas klarer zu machen hilft vielleicht eine kleine Studentenwohnheim-Anekdote: Eine meiner Mitbewohnerinnen informierte uns eines Abends ganz nebenbei, dass ihr Vater Steve Barron, der Regisseur von MTV-Meilensteinen wie Ahas "Take On Me" oder Michael Jacksons "Billy Jean" sei. Alles schön und gut dachte ich mir, bis sie dann fast schon peinlich berührt hinterherschob, dass er auch der Regisseur des ersten, meiner Meinung nach absolut brillianten Turtles-Spielfilms war. Unsere WG war ab diesem Moment nicht mehr dieselbe. Die Tochter eines Gottes lebte mitten unter uns.

Steve Barron hatte es geschafft diese eigentlich zum Scheitern verurteilte Comicverfilmung von 1990 in ein 133 Millionen Dollar schweres Umsatzmonster zu verwandeln. Ein absoluter Rekord in der Kategorie Independent-Film - und auch die folge von kompromissloser Kostenoptimierung. Die vier in Schildkröten-Outfits verpackten Schauspieler mussten sogar noch weitere Rollen ohne Maske spielen, damit das Budget nicht überzogen wurde. Doch all dies konnte den Siegeszug der Turtles in den Kinos, Kinderzimmern und Spielzeugläden nicht aufhalten.

Es waren nicht nur die Namen der Schildkröten und ihrer Gegner, welche die "Teenage Mutant Hero Turtles" zu einem echten Kulturereignis machten. Die, mit Leichtigkeit und Stil im urbanen Dschungel des Prä-Giuliani-New-Yorks erzählten Geschichten enthielten noch so viel mehr: Wer anders als die vier Schildkröten hätten das Wunder vollbracht, nervtötenden Kindern im Schlafanzug noch vor dem Frühstück die komplette Temperamentslehre nahezubringen? Cholerik, Melancholie, Phlegma und Sanguin, alles vorhanden und für jeden nachvollziehbar in den Charakteren der vier Schildkröten.

"Cowabunga" im Gulli

Was für eine erzieherische Relevanz dagegen ein gelber, rechteckiger Schwamm namens Spongebob haben soll, bleibt mir für immer ein Rätsel. Genauso wie die Frage, warum man sich mal wieder aus dem Druck zur übertriebenen Hippness heraus zu einem computeranimierten, fast schon seelenlosen vierten Teil von "Teenage Mutant Ninja Turtles" hat überreden lassen, der im Jahr 2007 in die Kinos kam - und sang- und klanglos unterging.

Aber Schildkröten wären keine mutierten Stadtwächter, wenn nicht jegliche Kritik, sei es an Spielfilmfortsetzungen oder unspielbaren Nintendo-Videospielen, einfach an ihrer Lederhaut abperlen würde. In meinem, sowie den Herzen unzähliger anderer Kinder des frühen Privatfernsehens werden diese vier grünen Helden noch so manches Jahrzehnt überleben. Immer mit der stillen Hoffnung, dass sie eines Tages, in standesgemäßer Form ein letzes Mal aus den Gullideckeln der heruntergekommenen Zeichentrickstadt New York herausgekrochen kommen. Und dann heißt es endlich wieder: "Cowabunga!"


Debatte

insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Astrid Stubbe am 17. April 2008, 20:15
Sehr schöner Artikel - so wars!


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