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Begnadeter Liebesbriefschreiber: Cyrano de Bergerac zeigte sich in seinen Briefen als geschulter Verbalerotiker.
"Also kann ich annehmen, Madame, dass ich anfing zu sterben, als ich begann, Sie zu lieben, weil der Tod eine Trennung von Geist und Körper ist und weil ich von dem Augenblick an, als ich Sie sah, meinen Verstand verlor." Auf dem Bild sind Vincent Perez und Gerard Depardieu in dem französischen Film "Cyrano de Bergerac" von 1990. |
Von schwulstigen Schwüren zu kryptischen SMS-Codes: "HDGDL - Hab Dich Ganz Doll Lieb" versichern sich heute Verknallte per Handy. Stilsichere Liebesbriefe sind eine echte Kunst. Oscar Wilde griff daneben, Lady Di sowieso. Philipp Kohlhöfer versammelt die wildesten Botschaften.
Uwe war ein netter Kerl, er hatte mir nichts getan, er war immer freundlich zu mir. Ich hasste ihn.
Zugegeben, ich hasste ihn nicht die ganze Zeit, und er wusste auch nichts davon, weil ich mir nichts anmerken ließ. Aber Uwe hatte einen unverzeihlichen Fehler: Er war wahnsinnig beliebt bei den Mädchen. Er hatte offenbar all das, worauf es ankam, um Schlag bei Frauen zu haben damals in der achten Klasse. Und weil das so war, erhielt er haufenweise Liebesbriefe. Zumindest habe ich das so in Erinnerung. Ich selbst habe nicht einen einzigen bekommen. Nicht mal einen dieser "Willst du mit mir gehen? Ja. Nein. Vielleicht"-Ankreuz-Zettelchen.
Ich habe allerdings auch nie welche geschrieben. Und damit stehe ich nicht mal allein da. Laut einer Onlineumfrage der Partnervermittlung Elitepartner geht es vierzig Prozent aller Deutschen so. Ich frage mich manchmal, ob vierzig Prozent aller Deutschen schon mal überlegt haben, sich selbst einen Liebesbrief zu schreiben? Einfach so, um das Ego aufzubauen.
Liebesbriefe an sich selbst
Ich habe während meiner Schulzeit mit dem Gedanken gespielt, das zu tun. Ich bin Rechtshänder, deshalb war mein Plan, den Brief mit der Linken zu verfassen, damit es mir nicht sofort auffallen würde, wenn ich den Umschlag Tage später mit zittrigen Fingern öffnen würde. Allerdings sehen weder mit der rechten noch mit meiner linken Hand verfasste Schriftstücke auch nur im Entferntesten nach Mädchenschrift aus, sondern einfach so, als hätte ich sie eigenhändig geschrieben.
Ich beschloss also mich nicht mit einer Liebeserklärung an mich selbst bei meinen Eltern lächerlich zu machen und habe es gelassen. Stattdessen versuchte ich mit Sport, meine Attraktivität zu steigern und so ein regelrechter Liebesbrief-Magnet zu werden. Ohne Erfolg. Heute habe ich zwar ein breites Kreuz, aber einen Brief habe ich trotzdem nie bekommen.
Vielleicht war ich einfach zu schüchtern? Oder es hat sich niemand getraut, mir seine Gefühle für mich zu gestehen.
Süße Worte, leises Lispeln
Kann ja sein. Schließlich ist der Liebesbrief, wie wir ihn kennen, noch eine relativ neue Errungenschaft. Zwar schrieben schon Seneca und Horaz in der Antike ihren Herzensdamen. Allerdings noch in einer stark literarisierten Form. Das klang dann so: "Die Liebe hemmet nichts, sie kennt nicht Tür noch Riegel. Und bringt durch alles sich. Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel. Und schlägt sie ewiglich." Klingt ja ganz schön, was Horaz da verfasst hat, doch heute würde man solche Zeilen wohl eher als verschnörkelten Vordruck auf einer Gruß-Postkarte als in einem richtigen Liebesbrief erwarten. Das Schreiben ist ja doch eher allgemein gehalten. Über die nächsten Jahrhunderte änderte sich das kaum: Der Liebesbrief war mehr Kunstform als emotionale Mitteilung und kein Mensch wusste genau, ob er gemeint war, wenn er einen bekam.
Persönlicher wird es erst im 18. Jahrhundert. Die Alphabetisierung der Gesellschaft half dabei ebenso wie die neue Organisation der Post, die soweit gediehen war, dass ein schneller Transport des Briefs (und damit eine schnelle Reaktion) zu erwarten war. Hilfreich waren außerdem das Aufkommen erster Romane und damit literarischer Vorbilder - und der pure Zeitgeist.
Der Wertewandel im Vorfeld der französischen Revolution, die Aufklärung und später die Romantik hatten geradezu inflationäre Gefühlswallungen zur Folge, denen sich das Bürgertum nur allzu gern widmete. Der große Goethe brachte den schwelgerischen Ton, der zu dieser Zeit angesagt war auf den Punkt: "Die süßen Worte, mit denen du mich verwöhnst - ach! Mehr wollt' ich nicht, sogar Dein Lispeln würde mitlesen, mit dem Du mir leise das Lieblichste in die Seele ergossen hast."
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