| Leicht zu reinigen: Die Tastenkappen der Tastatur Modell M von IBM können einzeln abgenommen, gereinigt und rearrangiert werden. |
Sie ist die ewige Königin der Tastaturen - und ein unerträglicher Nervtöter im Großraumbüro: Vor über 20 Jahren entwickelte IBM das Modell M, das Vielschreiber heute teuer im Internet kaufen - oder voller Glück im Sperrmüll finden. Ihr Tastenanschlag ist legendär ... laut.
Kaffee tröpfelt aus der Tastatur. Das Rinnsal schlängelt sich über den Schreibtisch und hinterlässt eine hellbraune Spur zwischen meinen Händen. Sie zittern. Milchkaffee ist der natürliche Feind jeder Tastatur. Das Wasser frisst sich bis in die Kontakte vor, der Zucker verklebt die Tasten, die Milch fängt an zu stinken - hässlich!
Das alles wäre aber nicht so schlimm, wenn es nicht gerade um meine IBM-Tastatur aus der Model-M-Reihe ginge. Der Traum jedes Vielschreibers, eifersüchtig gehüteter Schatz jedes Nerds. Meine fand ich auf dem Sperrmüll hinter einem Altenheim. Zwei Wochen lag sie im Regen, alt und verdreckt. Aber so eine Tastatur sammelt man selbst vom schmuddeligsten Müllberg. Die "Modell M" ist ein über 20 Jahre altes Meisterwerk der IBM-Ingenieurskunst.
Doch was hatten jene IBM-Ingenieure nur für eine Vorstellung vom ganz normalen Büroleben? Vermutlich dachten sie an einen nie versiegenden Parcours von Gefahrenquellen für Keyboard und Rechner. Ein wildes Abenteuer voll von Kaffeestromschnellen, meterhohen Staubbergen und grobmotorischen Sekretären mit Holzfällermuskeln, die über die filigrane Hardware herfallen wie Moskitoschwärme über den bleichen Zeltnachbarn im Rügen-Urlaub.
Potthässlich und zwei Kilo schwer
Die Modell M war die Antwort darauf. Eine Tastatur, den Anforderungen des Büroalltags zu trotzen, mit einem potthässlichen, aber stabilen Plastikgehäuse, mit dem man Bierflaschen öffnen kann und dank eingebauter Stahlplatte rund zwei Kilogramm schwer. Das Spiralkabel ist mit zweieinhalb Metern ungewöhnlich lang und aus besonders widerstandsfähigem Material. Die Ingenieure schützten so die Stecker vor Knickstellen und fertigten Kontakte, die auch nach 20 Jahren noch funktionieren.
Es sind Kleinigkeiten, die dieses Polymer-Monstrum zum heiligen Gral der Tipp-Enthusiasten machen: die kleine Erhebung über den F-Tasten, damit Stifte nicht aufs Tastenfeld rollen, die kleinen Ausklappbeinchen für eine bessere Ergonomie, die Gumminoppen, die als Rutschbremsen dienen, die bunt eingefärbten Sondertasten.
Die Liebe zum Detail spiegelt sich auch im cleveren Tasten-Layout wider: Die Tastatur ist großzügig und ergonomisch aufgeteilt. Tasten, die man nur mit dem rechten kleinen Finger erreicht, sind zur Unterstützung extra groß. Kleine Anhebungen auf dem "F", dem "J" und der "5" auf dem Ziffernfeld helfen beim Finden der richtigen Tippposition. Die Leuchtdioden sind klar zu erkennen, nerven aber nicht im Sichtfeld. Lauter Designschmankerl, die heute, 25 Jahre später, noch immer nicht selbstverständlich sind.
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