| Klassisch: Ein (falsch beschrifteter) Apple Macintosh Classic, aufgenommen am 25. August 2011 in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe in der Ausstellung "Stylectricals". Der Classic, ab Anfang der Neunziger in den Läden, hatte es Matthias Kremp ebenso angetan wie dessen Piepton beim Einschalten. Auch die Mitbewohner hätten den Ton geliebt, er wurde sogar zum Kaufargument in der WG: "Ohh, so einen Computer will ich auch haben." Doch der Classic war der Computer der Freundin - und so kaufte sich... |
Ganz schön günstig: Anfang der Neunziger brachte Apple mit dem Macintosh Classic endlich einen Rechner auf den Markt, der nicht nur gut aussah, sondern auch für Studenten bezahlbar war. Matthias Kremp erinnert sich, wie Apples Geniestreich seinen Weg kreuzte - und dann sogar sein Leben veränderte.
Mein erster Mac gehörte meiner Freundin. Ich war damals noch Atari-Nutzer, war mit meinem 1040STF glücklich und fand, dass Macs viel zu teuer und außerdem nur etwas für Computer-Dummies waren. Meinen Atari dagegen konnte ich - wichtig, wichtig - über ein Terminalprogramm mit Textbefehlen füttern. Das verströmte den diskreten Charme von Linux und ließ mich ein bisschen wie ein Hacker aussehen. Aber davon wollte meine Freundin nichts wissen. Sie wollte bloß einen Computer für die Uni, auf dem sie Hausarbeiten und später ihre Diplomarbeit schreiben konnte, ohne viel vom Computer verstehen zu müssen. Aber ein Macintosh war auch ihr zu teuer - eigentlich.
Denn 1990 entdeckte ich in einer Zeitungsanzeige ein Angebot eines Hamburger Apple-Händlers für den Macintosh Classic. 999 Mark sollte der Rechner kosten. Immer noch viel Geld für eine Studentin, die weitgehend von Bafög lebte, aber irgendwie doch bezahlbar. Sie zu überreden, bei diesem Angebot zuzuschlagen, kostete mich wenig Mühe. Ich musste nur die Worte "einfach", "schick" und "transportabel" oft genug wiederholen. Dass diese Attribute auf einen Mac zutreffen, hatte ich von einem Freund gelernt, der schon einen hatte - aus der Agentur, in der seine Mutter arbeitete. Agenturen hatten damals so was.
Aber Studenten eben nicht. Studenten hatten Ataris, Amigas - und wenn sie wohlhabende Eltern hatten, einen PC. Der Mac Classic meiner Freundin war deshalb eine kleine Sensation. Er war ja schließlich der Vorläufer des iMac, hatte vom Prozessor bis zum Bildschirm alles in einem Gehäuse. Und er hatte einen Griff, damit man ihn schnell mal eben durchs Haus tragen konnte. In einer Studenten-WG ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Pieep klingt lieb
Vor allem aber hatte er diesen niedlichen Startton. Eigentlich war es nur ein schwächliches "Piiiep". Aber eben etwas ganz anderes als die Geräuschkulisse, mit der sich der PC beim Einschalten meldete. Der dürre Ton kam bei unseren Freunden so gut an, dass wir den Classic immer wieder ein- und ausschalten mussten. Und er sorgte dafür, dass viele sagten: "Ohh, so einen Computer will ich auch haben." Es waren damals schon die Details, die Macs zu etwas Besonderem machten.
Und so etwas Besonderes wollte ich dann eben auch haben. Der kleine Classic hatte mich angefixt. Sein Bildschirm war viel kleiner (neun Zoll) und schlechter als der Schwarzweiß-Monitor meines Atari, der Prozessor war derselbe - und doch fühlte es sich anders an, an dem kleinen Mac zu arbeiten. Und zu spielen.
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