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Steve Blame und Kylie Minogue: "Das Erste - und hoffentlich auch das Letzte -, was wir von ihr hören."
Sie war der Star der unfassbar erfolgreichen australischen Soap "Nachbarn", und auf der Welle dieses Erfolgs surfte die junge Kylie Minogue 1988 mit "I Should Be So Lucky" auch an die Spitze der europäischen Charts. Ihre Ankunft dort wurde jedoch mit beißendem Spott begrüßt.
Bei "Reverb", einer Show, die nur kurz auf MTV gelaufen ist, machten mein Co-Moderator Chris Salewicz und ich die Single richtig runter.
"Vermutlich der mieseste Song, der je geschrieben wurde." "Fürchterlich." "Das erste - und hoffentlich auch das letzte - was wir von ihr hören."
Die späten achtziger Jahre waren die Blütezeit der Hit-Fabrik Stock, Aitken und Waterman. 1989, dem Jahr, in dem ich Kylie interviewte, hatten die drei britischen Musikproduzenten 22 Singles in den britischen Charts. Das meiste davon Bubblegum-Pop. Damals hatte Kylie noch nicht bewiesen, dass sie überhaupt musikalisches Talent besaß. Ich war mir sogar sicher, dass sie für immer eine herumwackelnde, plaudernde, singende Marionette bleiben würde. Ich sollte mich irren.
Zarte Arme wie Porzellan
"Ich entwickle gerade noch meinen Standpunkt zu den Dingen", sagte sie. "Ich sage, was ich sagen will. Und ich bin wirklich wild darauf, alles zu lernen und zu tun, was ich will. Ich werde erwachsen." Kylie, die gerade 21 war, machte ihre ersten Schritte ins Erwachsenenleben.
An dem Tag, als ich sie traf, probte sie in den Pineapple Tanzstudios die Choreografien für ihre Live-Show. Ihre dichten Locken aus dem Video von "I Should Be So Lucky" waren herausgewachsen. Sie trug mit Diamanten besetzte Ohrringe, eine blass orangefarbene Weste, die zarte Arme wie aus Porzellan enthüllten. Um den Hals trug sie ein silbernes, von John Richmond designtes Kreuz.
Kylie hatte gerade ihren ersten Kinofilm "The Delinquents - Sie wollten jung und frei sein" abgedreht, ein Drama über das Erwachsenwerden. Sie sagte, dass sie für die Rolle tief in sich hineinsehen musste, "weil der Charakter anders war" als sie. Dies habe "ihr bei ihrer eigenen Entwicklung geholfen", weil sie ihr eigenes Tun hinterfragt hätte.
Kylie war schüchtern und ein wenig verschämt, aber freundlich und offen. Ihr Gesicht leuchtete, ihre Wangen und Augen strahlten Wärme aus. Und wenn sie lächelte, funkelte sie. Aber es war ihre positive Ausstrahlung, die einen bleibenden Eindruck hinterließ, ihre Antworten waren voller positiver Wörter und Formulierungen. Sie sprach darüber Dinge herausfinden zu wollen, sagte, sie wolle lernen, sie strebe und entfalte sich. Und die Kylie, die ich traf, begann "stärker" zu werden und "mehr Selbstvertrauen" zu haben.
"Ich lasse das langsam angehen"
Sie sagte, sie wolle sich musikalisch von dem Stil ihrer Produzenten emanzipieren. Sie begann, "die musikalische Richtung zu beeinflussen", in die sie sich entwickeln wollte. Und obwohl sie bereits drei Hits in den Top 40 der US-Charts hatte, versuchte sie nicht, damit anzugeben. Sie blieb bescheiden, zurückhaltend, erwachsener, als ihre Jugend suggerierte.
Es war fast so, als sei dieser Selbsthilfe-Bestseller von Dale Carnegie ihre Bibel - "Wie man Freunde gewinnt. Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden". Sie schaffte es einfach, selbst die größten Skeptiker unter den Interviewern umzudrehen und zu ihren Fans zu machen.
Auf dem Pfad des Erwachsenwerdens war Kylie nicht allein zu jener Zeit. In ihrer Seifenoper hatte sie ihren Co-Star Jason Donovan geheiratet, der auch ihr Plattenlabel-Kollege war. Und auch im echten Leben waren sie zusammen, obwohl Kylie das jahrelang bestritt. Die Beziehung schien ihr sehr gut zu tun. Donovan, so sagte es Kylie damals, ermutige sie, "ich selbst zu sein."
Ihre Antworten waren alle so schlicht wie diese, sie wollte keine tiefgründigen Botschaften transportieren oder Überzeugungen rüberbringen - sie war ausschließlich positiv. Und einfach süß. Es ist nämlich so gut wie unmöglich für jeden, der Kylie mal getroffen hat, sie nicht zu mögen. Und selbst einem so voreingenommenen Interviewer wie mir wurde langsam klar, warum sie so eine riesige Fangemeinde hatte. Über ihren Plan, in Amerika durchzustarten, sagte sie ganz bescheiden: "Ich lasse das langsam angehen."
Diese Ehrlichkeit! Diese Offenheit! Und wir hatten sie so unfair behandelt, was für ein krasser Gegensatz. "Leben heißt lernen", mit diesen Worten schloss sie das Interview. Ich war so peinlich berührt, schließlich hatten wir bei der Vorführung ihres Videos vor einem Jahr da gesessen und so getan, als müssten wir uns gleich übergeben. Wir lagen so was von falsch. Kylie wurde Schritt für Schritt eines der weltweit beliebtesten Pop-Idole.
Und wir verschwanden von der Bildfläche.
Zum Weiterlesen:
Steve Blame: "Getting Lost Is Part of the Journey". Lübbe Verlag, 2010, 379 Seiten.
Das Buch erhalten Sie im
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