Über einestages

1943

Bombenangriff auf Nürnberg

Bratäpfel an den Bäumen


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Stadt in Trümmern: Ein Nürnberger Junge steht nach Kriegsende inmitten zerstörter Gebäude an der Kaiserburg.

Süßer Duft über einem Schreckensszenario: An einem Morgen nach schweren Bombardements auf Nürnberg begab sich Waldemar Maile im August 1943 auf seinen Schulweg durch die zerbombte Stadt. Die Bilder, die er am Wegesrand sah, brannten sich in sein Gedächtnis.


Nach dem verheerenden Bombenangriff auf den Nürnberger Osten vom 27. auf den 28. August 1943, in dem mein Heimatstadtteil Laufamholz zu großen Teilen vernichtet wurde, mussten wir 10-jährigen Kinder wieder unsere Schule aufsuchen. Sie war nur teilweise zerstört worden, sodass wir noch einige Klassenräume nutzen konnten.

Von unserem Haus aus war es ein Fußweg von etwa zehn bis 15 Minuten. Dieser sonst so vertraute Weg bot nun ein grauenvolles Bild: Die Häuser unserer direkten Nachbarn waren zum Teil ausgebrannt und nur noch rauchende Ruinen. Circa 400 Meter hinter meinem Elternhaus war eine Luftmine niedergegangen, die drei stattliche Mehrfamilienhäuser vollständig pulverisiert hatte. Von ihnen waren nur noch Schuttberge übrig.

Mein "Horrortrip" führte mich weiter Richtung Schule. Immer wieder kam ich an qualmenden Trümmern vorbei. Manche Straßen waren vollständig vernichtet.
Sehr schlimm hatte es auch die umliegenden Bauernhöfe getroffen. Viele waren zerstört. Der Ort Laufamholz war bis 1937 ein Bauerndorf mit etwas über 3000 Einwohnern gewesen. Es gab schätzungsweise 17 bäuerliche Anwesen verschiedener Großenordnung sowie zwei große Schloss-Gutshöfe. Dann war er an Nürnberg angeschlossen worden, die "Stadt der Reichsparteitage".

Zerstörte Landkulisse

Auf meinem weiteren Schulweg kam ich an einem ausgebrannten Bauernhof und einer Scheune vorbei, in der verbranntes Stroh und Futter noch qualmten. Etwas später kam ich über eine Obstwiese. Als ich den Blick noch oben richtete, traute ich meinen Augen kaum: An den Bäumen hingen tatsächlich gebratene Äpfel!

Der Feuersturm hatte eben auch die Bäume erfasst, doch einige von ihnen waren nicht vollständig verbrannt. Nun hingen reife Früchte an den Ästen, die durch das Feuer gebraten worden waren - neben Äpfeln auch Birnen, Zwetschgen und anderes Obst.

Ich nahm mir dann einen der "Bratäpfel" herunter, aber essen konnte ich ihn nicht. Mir war der Appetit gründlich vergangen durch all das, was ich auf meinem Weg gesehen hatte.

Mein weiterer Schulweg

In der Schule angekommen, wurde uns dann lediglich gesagt, dass wir im neuen Schuljahr nach Nürnberg zur Schule müssten. Ich hatte nämlich in meiner Laufamholzer Volksschule die Aufnahmeprüfung zur "Oberrealschule an der Wöckernstraße" bereits bestanden. Aber diese Oberrealschule hatte ich nie gesehen, da sie bereits Anfang 1943 durch eine Luftmine vollständig zerstört worden war. Zudem hatte bereits Ende 1943 auch in Nürnberg die sogenannte "KLV", die Kinderlandverschickung, begonnen.

Mein Vater schickte mich dann ins Internat nach Münnerstadt, wo ein ehemaliges Kloster in ein Gymnasium umgewandelt wurde. Dort wurden wir dann im Geist des "Dritten Reichs" streng nationalsozialistisch erzogen. Wir sollten schließlich mal als Elite die Offiziere der Wehrmacht werden und das eroberte "Weltreich" der Nazis verteidigen.

Gott sei Dank ist es dazu nicht mehr gekommen. Seit 67 Jahren haben wir nun schon Frieden. Auch das damals zu etwa neunzig Prozent zerstörte Nürnberg wurde wieder im alten Reichsstadtstil aufgebaut. Dennoch: Seinen Rang als "der Deutschen Schatzkästlein" konnte es nie mehr erreichen. Denn nicht nur die Äpfel Nürnbergs, auch seine reichen Kunstschätze waren dem Krieg zum Opfer gefallen.


Debatte

insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Waldemar Maile am 24. Februar 2012, 14:11
Endlich war nach Deutschlands bedingungsloser Kapitulation am 8. Mai 1945 Schluss mit den Bombenangriffen Tag und Nacht!

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam ich als Gastschüler...


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