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1968-2008

Computer-Geschichte

Ach, Mausi!


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Microsoft
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Erste Microsoft-Maus: 1983 - ein Jahr nach der Gründung der Microsoft Hardware Division - erschien die erste Computermaus von Microsoft. Für schlappe 195 US-Dollar erleichterte das Eingabegerät die Arbeit am Computer erheblich.

Streicheln, drücken, schieben: Seit die Computermaus im Jahr 1968 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, haben nicht nur Technik-Freaks ein sinnliches Verhältnis zu dem Handschmeichler entwickelt. Ein Liebesbrief von Internet-Guru Ossi Urchs zu Mausis 40. Geburtstag.


Liebe Maus, beste Freundin!

Nun hat es also auch Dich erwischt: Du bist 40. So sagt man wenigstens. Du und ich, wir wissen beide, dass der gute alte Douglas Engelbart am Stanford Research Institute schon fünf Jahre früher mit Dir 'rumgemacht hat - aber das müssen wir ja niemandem verraten. Zumal er das Patent dafür erst 1970 zugesprochen bekam.

Wie dem also auch sein mag: Wir wissen ebenfalls, dass Zahlen nur Schall und Rauch sind und runde Geburtstage kein Grund zu Jubel und Gratulation. Deshalb verkneife ich mir auch eine solche an dieser Stelle. Zumal Du Deine auf viele Jahre beständige Form mit dem Bällchen im Bauch, einer Taste auf dem Rücken und dem lustigen Schwänzchen erst im Jahr 1972 bei der damals noch bekannten und erfolgreichen Firma Xerox im legendären PARC (Palo Alto Research Center) bekamst.

Dort hat Dich auch ein damals noch junger Computerfreak namens Steve Jobs erstmals gesehen. Der war gerade von seinem Indien-Trip zurück und überlegte, wie er nun mit seinem Talent auch etwas Geld verdienen könnte. Vom PARC war Steve wohl nicht allzu begeistert. Von Dir schon. Du musst ihm ganz schön den Kopf verdreht haben. Jedenfalls heuerte Steve nicht bei Xerox an, sondern machte in einer Garage um die Ecke seine eigene Computer-Bude auf. Dort schraubte er mit seinem Kumpel Woz (Steven Wozniak) eigene Rechner zusammen. Und die bekamen bald nicht nur eine grafische Benutzeroberfläche, sondern auch Dich - die Maus. Wow! Du warst also käuflich geworden.

Und das war auch gut so. Sonst hätten wir uns vielleicht niemals kennengelernt. Und das wäre doch echt schade gewesen. So jedenfalls kamst Du mit einem Mac erstmals in meine Finger. Und es war Liebe auf den ersten Blick! Ja, das gibt's. Und wie!

So lange ich auch über irgendein Problem brüten mochte - Du warst fortan immer dabei. Ich konnte Dich streicheln oder auch rumschieben. Und wenn ein Gedanke schließlich Gestalt angenommen hatte, konnte ich Dich zärtlich drücken. "Point and Click" nennen die Amerikaner diese poetische Entwicklung ebenso lapidar wie unpassend. Ich finde "streicheln" und "drücken" nicht nur schöner, sondern auch unserer Beziehung angemessener.

Denn Du hast mich im Laufe der Jahre durch alle Höhen und Tiefen des schreibenden Daseins begleitet. Du warst bei der Geburt weltbewegender Ideen zugegen - auch wenn die sich irgendwann als Kokolores herausstellten. Und Du hast mir die schnöde Verrichtung trivialer Arbeiten erlaubt. Warst Dir für keine Aufgabe zu schade.

Teure, treue Freundin!

Ja, das bist Du immer geblieben. Selbst als Du Dich, wie viele Mädels in einem gewissen Alter, anfingst, so richtig aufzubrezeln. Auf einmal war eine Taste nicht mehr gut genug. Zwei sollten es dann schon sein. Und mit der dritten Taste verlorst Du dann auch noch Deine schlanke Figur. Wenn auch nur vorübergehend. Gott sei Dank!

Bald konnte man Dich da und dort, eigentlich überall drücken, sogar an einem kleinen Rädchen drehen. Wenn auch Sinn und Ergebnis dieser Übungen oftmals Dein Geheimnis blieben, das Du mir erst langsam im Lauf der Zeit offenbartest, so habe ich sie doch genossen. Erst recht, als Dir widerfuhr, wovor so viele Männer sich (angeblich) fürchten: als Du nämlich verlorst, was Dir einst den Namen beschert haben soll: das Schwänzchen. Oder im Amtsdeutsch: Dein Kabel.

Befreit davon hat Dich ausgerechnet ein grober, alter Seebär namens Harald Blauzahn, wie Hamlet einst König von Dänemark, im Tech-Sprech heute besser bekannt als Bluetooth. So warst Du plötzlich frei, über den ganzen Schreibtisch zu fliegen. Zumal auch das Bällchen im Bauch längst durch ein präzises Laser-Auge ersetzt war. So war Dir kein Glastisch mehr zu glatt und keine Holzplatte mehr zu grob für Deine Ausflüge. Endlich konntest Du Dich auf jedem materiellen Untergrund so elegant, unbeschwert und akkurat bewegen, wie auf dem virtuellen Schreibtisch des Monitors. Bravo! Das hat unserer Freundschaft doch im wahrsten Sinne des Wortes einen frischen, neuen Dreh gegeben.

Nun bin ich natürlich gespannt, wie es mit uns beiden weitergeht. Von Funk- und 3-D-Mäusen hörte ich allenthalben in letzter Zeit. Na ja. Wir hatten auch schon Datenhandschuhe und Augenbewegungssensoren. Das alles klingt so sexy wie das Wort Stacheldrahtzaun. Zumindest in meinen Ohren. Kein Grund zur Sorge, liebe Maus!

Mehr Sorgen würden mir da schon "Trackpads" oder gar "Multitouchpads" machen, wie unser alter Freund Steve sie auf seine alten Tage zu popularisieren versucht. Alles schön und gut. Sicher auch funktional. Vielleicht sogar praktisch, gar zukunftsweisend.

Aber eines weiß ich sicher: Wenn's drauf ankommt, geliebte Maus, werde ich immer auf Dich zurückgreifen. Denn wir kennen uns. Nein, wir haben uns nicht einfach an einander gewöhnt. Wir wissen, was wir an einander haben. Und finden die elegante Koordination von Hand- und Augenbewegungen immer noch sehr sexy!

Alte Liebe rostet nicht. In diesem Sinne: auf eine geile Zeit!

Dein Ossi


Der Autor arbeitet als Internet- und Medienberater. Seit Anfang der neunziger Jahre entwickelt er Konzepte für die Kommunikation in interaktiven Medien und Internet-Anwendungen.

Link zur Website des Autors: www.urchs.de


Debatte

insgesamt 3 Beiträge zur Debatte
Ossi Urchs am 9. Dezember 2008, 14:12
>Hmmm ... Ich kenne die Chronologie der Ereignisse bzgl. Steve Jobs etwas anders.

Und wie sieht diese alternative Kenntnis aus?

Carsten Elke am 8. Dezember 2008, 12:30
Hmmm ... Ich kenne die Chronologie der Ereignisse bzgl. Steve Jobs etwas anders.


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