| Brandenburger Tor: Von einer Aussichtsplattform nahe der Berliner Sehenswürdigkeit aus verfolgten Schaulustige 1969, wie der Fernmeldehandwerker Christian Felchow mit seinen Kollegen nahe der Mauer unterirdische Kabelschächte abdichtete. |
Unter der Erde Berlins führt Christian Felchow 1969 für die Westberliner Post einen seltsamen Auftrag aus: Er verstopft Kabelschächte zwischen Ost- und West-Berlin. Doch als die Grenzpolizei der DDR einschreitet, erklären seine Vorgesetzten: Alles nur ein Irrtum.
Es war Sommer 1969, und ich war Fernmeldehandwerker bei der Post, Landespostdirektion Berlin. An diesem Tag bekamen wir einen merkwürdigen Auftrag, der mit genauen Ortsangaben versehen war und auch kopierte Stadtpläne enthielt. Wir sollten bestimmte Kabelschächte abdichten, die Kabelzüge enthielten, die von Ost- nach West-Berlin verliefen. Die Züge waren mit Kunststofftellern zu verstopfen, deren Ränder zuvor mit einer braunen Dichtmasse bestrichen werden sollten.
Wir machten uns auf den Weg zum ersten Schacht. Er lag direkt an der Mauer, vor einer Aussichtsplattform rechts vom Brandenburger Tor. Mit dem Plattenbaum hebelten wir die schweren Fahrbahnplatten, die bestimmt seit Kriegsende niemand gehoben hatte, aus und machten den Zugang frei. Der Schacht war sehr tief und dunkel und reichte bis unter die Mauer. Die Luft war abgestanden und stickig.
Ein Kollege ging zuerst hinunter und kam kurz darauf mit großen Champignons zurück, die dort unten wucherten. Wir verteilten sie an die Besucher auf der Plattform, die sie gerne annahmen. Immer mehr Besucher bestiegen die Plattform und beobachteten unser Tun, was auch auf der Gegenseite Aufmerksamkeit erregte. Man schickte eine Doppelstreife, die den Vorgang auf der Mauer stehend beobachtete und uns nach einigen Minuten bat, uns von dem Schacht zu entfernen, da wir auf Ost-Berliner Gebiet arbeiten würden. Doch wir verwiesen auf unseren Auftrag und den Lageplan und dichteten alle Züge ab, verschlossen den Schacht und fuhren zum sowjetischen Ehrenmal, wo wir eine Pause einlegten.
Der nächste Schacht unseres Auftrags befand sich in der Bellevuestraße, einem Stück Straße, das seit dem Mauerbau gesperrt war. Nachdem wir eine Sperrbake entfernt hatten, fuhr ich auf dieses Straßenstück. Der Schacht lag wieder im Straßenbereich. Überall waren kleine Bäume aus dem Asphalt geschossen. Hinter uns rollte der Verkehr über die Entlastungsstraße.
Wir hatten den Schacht noch nicht geöffnet, als uns ein Polizeibeamter zurief, wir möchten doch dringend das Areal verlassen, da wir uns auf Ost-Berliner Gebiet befänden und ein Trupp bewaffneter Grenzer auf dem Weg sei. Augenblicke später öffnete sich eine Stahltür in der Mauer und drei Grenzer kamen auf uns zu. Wir warfen unsere Sachen in den VW-Bus und fuhren schnellstmöglich auf die Verbindungsstraße, die zwischenzeitlich von der Polizei gesperrt worden war, damit wir ohne Probleme dort einfahren konnten. Es folgte eine kurze Befragung durch die herbeigeeilte Polizei. Später in der Dienststelle entschuldigte man sich für die offensichtlich "falschen Pläne", mit denen man uns ausgestattet hatte.
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