Über einestages

1983-1984

Mein erstes Auto

Legende aus Schwedenstahl


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Der schnellste Trecker der Welt: So sah der Volvo aus, bevor er am Haken vom Trecker meines Nachbarn hing!

Das erste Auto von Constantin Rohrbach war ein Volvo 142 S von 1970, berühmt als "schnellster Trecker der Welt". Er sah aus wie ein roter Schuhkarton und kostete 400 D-Mark - und endete als Anhänger an Nachbars Trecker.


Mein erstes Auto war ein Volvo 142 S von 1970, ein echter Schwedenpanzer, auch "schnellster Trecker der Welt" genannt. Diesen Ruf hatten sich die Volvos in den 1960er Jahren erworben, was zum einen mit den typisch rauen Motoren zusammen hing, zum anderen mit der landläufig kolportierten Höchstgeschwindigkeit. Vielleicht war es auch das rustikale Design, ich weiß es nicht mehr genau.

Mein Prachtexemplar sah jedenfalls aus wie ein roter Schuhkarton und hatte 400 DM gekostet. Ein Klassenkamerad hatte damit gerade einen kleines Import-Export-Geschäft in Amsterdam abgewickelt - nun wollte er seinen Deal nun mit dem Verkauf des verbrauchten Transportfahrzeugs an einen gutgläubigen Mitschüler abrunden.

Gesagt getan. Meine Qualitäten als Gebrauchtwagenkäufer hielten sich damals noch in überschaubaren Grenzen, so dass ich gerne über die kleinen Schwächen des Autos, wie zum Beispiel die nicht umklappbaren Sitze (es war ein Zweitürer), den fehlenden TÜV oder die abgefahrenen Reifen hinwegsah. Egal, es war mein erstes Auto, und ein Volvo noch dazu!

Neue Reifen vom Misthaufen

Der TÜV gestaltete sich leider etwas schwieriger als geplant. Es brauchte drei Anläufe und gutes Zureden meinerseits, damit der TÜV-Prüfer das Auto nicht einkassierte. Es zeigte sich nämlich, dass einige Teile der Vorderachse durchgerostet waren und die Abgaswerte jenseits von Gut und Böse waren. Das Reifenproblem hatte ich hingegen kostengünstig an der Tankstelle meines Vertrauens lösen können. Die hatten nämlich vier Stück in der gewünschten Größe - allerdings gebraucht und auch schon eingelagert beim benachbarten Bauern als Beschwerung einer Plane für den Misthaufen.

Die Kfz-Werkstatt meines Vertrauens, die früher eine Pferdeschmiede gewesen war, hatte zwischenzeitlich per Nasenintegral den CO-Wert auf ein erträgliches Maß gedrosselt, was mich einen Kasten Bier kostete und dem Auto den ersehnten Stempel brachte.

Es folgten zwölf Monate und 20.000 Kilometer nahezu ungetrübter Fahrfreude. Wir fuhren nach Frankfurt, Hamburg, West-Berlin und blieben nie und nirgendwo liegen! Umso unrühmlicher war das Ende, das dem schwedischen Panzer eine Samstagnacht widerfuhr. Vermutlich war es der letzte Satz abgefahrener Reifen, der uns zum Verhängnis wurde in jener abfallenden Kurve. Vielleicht aber auch das zu hohe Tempo, denn entgegen der landläufigen Meinung war der alte Schwede gar nicht so lahm wie immer behauptet wurde.

Zwanzig Mark vom Schrotthändler

Es kann auch sein, dass es das Nickerchen des Fahrers war, wie meine beiden Mitfahrer später behaupteten. Tatsache war jedenfalls, dass der rote Schuhkarton mit über 130 Stundenkilometer von der Landtrasse abkam, ein Brückengeländer durchbrach, um danach etliche Holzpfähle einer Kuhweide zu fällen und schließlich irgendwann auf jener Wiese zum Stehen zu kommen. Wie durch ein Wunder wurde dabei niemandem ein Haar gekrümmt.

Zwar war ich der Letzte, der begriff, was passiert war, aber nach einer kurzen Inspektion des Vorderwagens war auch ich überzeugt, dass eine Weiterfahrt unmöglich war. Interessanterweise entstand nach dem Crash trotz der nächtlichen Stunde nach und nach ein beträchtlicher Auflauf an Schaulustigen, von denen sich einer als Conferencier an der Unfallstelle betätigte. Er gab sich den passierenden Fahrzeugen wahlweise als Polizist oder als Abschlepphelfer aus, in jedem Fall regelte er den Verkehr.

Was viel wichtiger war: Der Mann erkannte zufällig meinen Nachbarn, der in aller Eile seinen Trecker herbeiholte. Da hing er dann, der schnellste Trecker der Welt: am Haken des Traktors meines Nachbarn. Er ward nie wieder gesehen. Für das Wrack gab es immerhin noch 20 Mark vom Schrotthändler, der Schaden an Geländer und Zaun war hingegen beträchtlich; die gesamte Brücke musste erneuert werden.

Immerhin gab es fortan eine weitere Legende von der Sicherheit aus Schwedenstahl. Aber was viel wichtiger war: Seit dem klappt's auch wieder mit dem Nachbarn.





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insgesamt 1 Beiträge zur Debatte
Ernst Pelzing am 31. Januar 2010, 17:14
Mangelnder Sauerstoff
Anfang der 70er Jahre starteten wir bei herrlichem Sommerwetter mit unserem Volvo in Granada in Richtung Pico de Veleta, dem zweithöchsten Berg in der...


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