Ein halbes Jahrhundert verstaubten sie in einer Schachtel auf dem Dachboden: Jetzt sind eindrückliche Fotos aus der Anfangszeit der Beatles aufgetaucht. Geknipst hat sie ein 16-Jähriger, kurz bevor die Fab Four zu Weltstars wurden - einestages zeigt die lange vergessenen Momentaufnahmen. Von Christoph Gunkel
Eigentlich wollte er nur üben. Blende, Belichtungszeit, Tiefenschärfe. Die richtige Bildkomposition, der goldene Schnitt, die bewusste Unschärfe. Paul Berriff war ein ganz gewöhnlicher Teenager mit Träumen, wie sie viele Jugendliche in seinem Alter haben. Er wollte gerne Reporter werden. Oder Fotograf.
In Wirklichkeit war Paul Berriff, damals 16 Jahre alt, ziemlich weit von seinen hehren Zielen entfernt. Ja, er arbeitete zwar für eine Zeitung, die "Yorkshire Evening Post". Aber, wie er fast fünf Jahrzehnte später zugibt, war er dort nur der "copy boy", der den echten Reportern ungeliebte Tätigkeiten abnahm und sich etwas Geld verdiente.
Seine Berufserfahrung musste er daher in der Freizeit sammeln. Also zog Berriff mit seiner Nikon-Kamera durch seine Heimatstadt Leeds. Er fotografierte Straßen, Gärten, Häuser. Zu wenig Bewegung. Schließlich bat er die Veranstalter der regionalen Bühnen in der Grafschaft Yorkshire, ihn doch bitte bei Proben und Konzerten in den Backstage-Bereich zu lassen. "Vielleicht waren es meine journalistischen Fähigkeiten", sagt er heute lachend. Oder der Charme seiner Freundin, die ihn stets begleitete. Jedenfalls ließ man ihn einfach machen.
Der Teenager und die Weltstars
Berriff fotografierte und fotografierte. Er ahnte nicht, wen er da alles vor die Linse bekam: Roy Orbison, die Rolling Stones, The Searchers, The Hollies, Marianne Faithful. Und besonders häufig die Beatles, die mit ihrer Single "Please, Please Me" eben ihren ersten Hit gelandet hatten. Es war Anfang 1963 und die britische Musikszene hatte gerade erst begonnen, Jugendliche auf der ganzen Welt mit dem Beat-Fieber zu infizieren. Der ambitionierte Jungfotograf hatte, ohne es zu wissen, spätere Weltstars abgelichtet.
Ein paar Dutzend Fotos machte er allein von den Beatles, die er auf vier Konzerten erlebte. Entstanden sind dabei ungewöhnliche Porträts aus genau jener Zeit, als die aufstrebende Band schlagartig zum Phänomen wurde. Nur: Die Beatlemania war damals noch nicht ausgebrochen. Berriffs Bilder wurden nie gedruckt, obwohl der Hobby-Reporter durchaus Talent bewies. Mit 17 Jahren bekam er seinen ersten Job als Fotograf. Vier Jahre später wurde er Kameramann bei der BBC, mit 21 der jüngste, den die BBC jemals hatte. Berriff gewann etliche Preise, doch seine frühen Fotoaufnahmen wanderten schnell in eine Box auf dem Dachboden. Dort gerieten sie in Vergessenheit.




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