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Karl Altenburg
24. Januar 2013, 13:02
der autor steht übersieht braucht dringend nachhilfe in sachen ddr-geschichte: natürlich war sich jedes maueropfer über die risiken seines flucht-unterfangens im klaren - jedoch verstellt diese banale feststellung den blick auf die alternativen: ausreiseantrag stellen (der dann in den
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Anja Bormann
18. Februar 2008, 18:26
Ach, Flake, der Großteil Deiner Argumentation mag so stimmen. Auch ich denke an eine Jugend zurück, in der unsere Freiheit, die große räumliche einmal ausgenommen, schier unbegrenzt erschien, gerade, was den Alkohol betraf! Jedoch habe ich DDR-Radio gehört und das auf DT64 (Parocktikum! Danke Lutz Schramm!)und meine langhaarigen Freunde die Tendenz Hard bis heavy!
Es gab also guten Hörfunk in der DDR!
Sven
Andreas Bretschneider
18. Februar 2008, 18:56
Herr Lorenz kann sich ja mit der niedersächsischen Landtagsabgeordneten in spe Christel Wegener zusammentun, um gemeinsam der untergegangenen DDR nachzutrauern. Die Stasi hat Stullen geschmiert und der Schießbefehl war auch ganz in Ordnung.
Und damit es jetzt keiner überliest: Vom System sprechen zur Zeit nur die Neonazis. Das zweimal gebrauchte Wort Systemwechsel hat einen üblen Beigeschmack.
Menschen, die von der DDR politisch verfolgt wurden, dürften sich von diesem Beitrag verarscht fühlen. Ich auch.
Len Wegner
18. Februar 2008, 19:48
So leichtfüssig und sympathisch die Erzählungen von Flake Lorenz über das Leben als Punkrocker in der DDR daherkommen, so wenig nachvollziehbar bleibt sein Resumee zur Frage der "Freiheit" junger Menschen hinter der Mauer. Dass die Selbstschussanlagen an der Grenzen für ihn bloßes Denkmal des real existierenden Reichtums an Alternativen ist, finde ich sogar ziemlich blöd. In etwa: "Wenn du da rüber willst, wirst du erschossen, okay, dann geh nicht rüber." Aus dieser Einstellung spricht nicht Punkrock, sondern individuelle Angepasstheit an ein Scheiß-System. Das im Hinterkopf bleibt von der Coolness eines Amiga-Deals auch nicht viel übrig.
Miguel Polster
18. Februar 2008, 22:52
Netter Artikel (auch wenn ich Rammstein für grässlichen Schmalz halte... dann doch besser Dead Kennedys oder Einstürzende Neubauten).
Ulf Morche
19. Februar 2008, 11:58
Was für ein unglaublicher Beitrag.
Eingemauert sein oder erschossen werden, wenn man raus will als Alternativen darzustellen, denen man auch 18 Jahre nach Ende der DDR hinterhertrauert, beschreibt drastisch die komplett andere Weltsicht mancher im Osten sozialisierter Menschen. Solange solche Vorstellungen durch die Köpfe geistern, wird es ein Verständnis zwischen Ost und West nicht geben können. "Hilfe, wir sind frei - gebt uns unseren Laufstall zurück!" . Ja, bequem war's - ein gemeinsames Feindbild, ansonsten samstags schrammeln und saufen. "Wir konnten machen, was wir wollten, wir hatten keine Existenzängste. " Eben - das war es - ein großer Kindergarten, der alle durchfütterte. Dass der Autor sich dahin zurücksehnt - die Erziehung zur Unmündigkeit hat bei Herrn Lorenz doch noch ganze Arbeit geleistet. Allem Mist, den man später im Kapitalismus machen musste, nur um Geld zu verdienen, zum Trotz.
bernd wald
19. Februar 2008, 12:24
klasse artikel! dem flake hat es also in der ddr gefallen, da ist er sicherlich nicht allein. was die sache brisant macht ist doch, dass es hier einer sagt, der voll im westen angekommen ist und dem man nicht vorwerfen kann, angepasst in ddr gelebt zu haben.
auch ich kann diese meinung teilweise teilen. ich habe in der ddr keine jugendweihe gemacht, die vormilitärische ausbildung abgelehnt und war mit damals 16 jahren sicherlich nicht gerade auf dem weg zum funktionär oder zum parteibonzen.
ich habe mir angewöhnt, regierungssysteme (ich lass mir auch keine begriffe von nazis streitig machen) danach zu beurteilen, was unten rauskommt, also wie es den schwächsten in der gesellschaft geht. von daher halte ich das ddr-system trotz schießbefehl für nicht so ungerecht wie das zur zeit bestehende! sicherlich wurden menschen an der mauer erschossen, alerdings kenn ich persönlich 2 personen die nach einer kündigung den freitod gewählt haben, weil sie in diesem staat keine zukunft mehr hatten und auch keine mauer die man eventuell überwinden könnte, um dahinter das scheinbar gelobte land zu finden.
klasse, wenn personen wie der flake solche diskussionen führen und sich zur ddr äußern, als wenn es mitläufer von einst vom typ dieter althaus tun.
Lothar Greiss
19. Februar 2008, 13:31
Nun ist es soweit: wie Oma damals gut fand, dass bei den Nazis die Strassen sicherer waren und das Mutterkreuz hübsch war, fabulieren jetzt solche Würstchen wie Lorenz von der Bum-Bum-Combo Rammstein, wie supi es doch eigentlich in der "DDR" war. Stasi, über 50.0000 politische Gefangene, Folter, 1000 Mauertote (niemand weiss das genau), marode Städte, verfallene Infrastruktur? Egal, Leute wie Lorenz scheißen drauf und finden das cool. Deutschland goes immer weiter GaGa
max muetze
19. Februar 2008, 13:45
mir gefällt der artikel ebenfalls. auch wenn die westler in ihrer moralischen aufgeregtheit schäumen. und dabei vergessen, dass mitglieder der dkp im so freien westen berufsverbot hatten. sogar im letzten jahr wurde, SPIEGEL berichtete, ein lehrer nicht eingestellt, weil er zu links war. klar, dort wurden und werden die menschen nicht an der mauer erschossen. sie sterben, natürlich frei und selbstbestimmt, einen leisen tod. oft von eigener hand. und die ganz renitenten kommen in die psychiatrie. wer sich nicht anpasst, wird kaltgestellt, kann sich als obdachloser durchschlagen. wunderbare freiheit.
die leute im osten wussten, dass sie von system verarscht wurden und gingen entsprechend damit um. die menschen im westen glauben noch immer, was in der zeitung steht, und sind dabei so stolz auf ihr unabhängiges denken. und so lassen sie sich widerstandslos, eine effektivere stasi installieren, weil sie noch immer glauben, es diene dem kampf gegen den terror. wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen. auch mir wurde das studium verwehrt, auch auf mich warteten 2 jahre knast, wegen wehrdienstverweigerung. ich kannte den preis und war bereit, ihn zu zahlen. dass sich ein westler das nicht vorstellen kann, scheinbar ist ihnen geradlinigkeit so fremd, zeigt die freche unterstellung eines schreibers, dass "flake" garnicht studieren wollte.
und auch ich kenne die vernehmungen seitens der stasi, hatte freunde, die in den westen abgeschoben worden sind. aber auch solche, die sich als IM verpflichten mussten, weil sie unbedingt einen bestimmten studienplatz haben wollten. mir ging es nach der wende wirtschaftlich blendend. auch einigen der abgeschobenen freunden. aber sie kamen sofort wieder zurück, als die mauer weg war. warum? das kann nur verstehen, der fühlt (aufgrund gleichen erlebens), was "flake" meint.
meine kindlichen fluchtpläne in richtung westen gab ich auf, als meine eltern sich einen fernseher leisteten und wir westsender empfangen konnten. in einem gewissen sinn fehlt mir ddr. nicht der staat an sich, sondern einiges, was ihn ausmachte. doch wie ich feststellen kann, erinnern sich hier die menschen in zeiten der not an einige tugenden der alten zeit. was mich wirklich schmerzt ist nicht der verlust der ddr, sondern dass die chance vertan wurde, etwas besseres zu schaffen. aber der "gemeine ossi" in seiner gier nach der d-mark wollte es nicht anders. wunderschön beschrieben ist die euphorie, die ahnung des möglichen und der anschließende niedergang in thomas brussigs roman "wie es leuchtet".
Ekkehard Schönherr
19. Februar 2008, 15:16
Toll, wie Herr Lorenz sich treu geblieben ist.
Sein Text repräsentiert genau die zwei Motivationen, die er selbst beschreibt:
1. "Wenn man wirklich Ärger machen will, muss man was Neues auffahren, das die Leute wirklich hochschreckt."
- das gelingt offensichtlich heute mit einem Artikel ganz gut, über den man schreibt "Mir fehlt die DDR"
2. "Für mich bedeutet Freiheit, dass man die Wahl hat zu tun, was man will."
- wenn man unter dieser Voraussetzung nichts will, dann ist man überall frei. Im Fall der DDR gab's halt aber einfach ein paar Leute, die mehr wollten als nichts, die wollten studieren oder mal nach Paris reisen oder auch nur ihre Meinung veröffentlichen, dass man den Sozialismus anders auch besser machen kann. - Und die haben sich dann eben unfreier gefühlt als die Bohemiens von Feeling B.
Weil es für Herrn Lorenz um nichts geht bzw. ziemlich durchsichtig nur darum, "die Leute hochzuschrecken" kann einem sein zunächst mal schick flappsiger Text auch ziemlich egal sein.
Ein Geschmäckle kriegt das Ganze bloß, weil es offensichtlich Schwachköpfe gibt, die derlei dahergeredetes Zeug positiv ernst nehmen und außerdem, weil aus dem Hause Lorenz zwar grad ganz amüsante Beiträge kommen ("grün&blau"), diese einseitige Präsenz von Feeling B aber die Vorstellung schürt, Feeling B wären die Puhdys des Ost-Punk gewesen. So eindeutig war es dann ja wohl doch nicht.
Ansonsten aber: Weiter so, Flake! Keep on Punkin'!
grischa kurz
19. Februar 2008, 15:37
Es faellt mir sehr schwer eine meinung zu flakes artikel zu haben. Mein vater war in der partei, meine mutter sass in den 50ern im knast, mein bruder sahs bis zum fall der mauer im knast und mein schulfreund chris gueffroy war das lezte maueropfer. Trotz allem muss ich mit flake in vielerlei hinsicht uebereinstimmen. Man konnte sich immer ueberlegen, ob man abhaut oder einen ausreiseantrag stellt. Versteht mich nicht falsch, der schiessbefehl war unmenschlich und ich hab mit meinem bruder an seiner flucht mitgeplant und bin zu der erkenntnis gekommen, dass er lieber offiziell ausreisen soll. Hat er nicht gemacht und dann sass er im knast. Mann hatte in vieler hinsicht die wahl. Ich will hier nichts verherrlichen, aber die letzten jahre der ddr waren unsere jugend. Trotz aller schlimmen sachen die um uns herum passierten, hatten wir spass und das gefuehl was zu beeinflussen. Die meisten unserer freunde wollten keine wiedervereinigung. Das "neue forum" wollte keine wiedervereinigung. Der slogan war "wir sind das volk". Wir wollten eine transparente form der ddr und nicht den westen. Und wir junge leute hatten einen effekt auf die politik der ddr, den wir im westen nie gehabt haetten. Man hatte das gefuehl etwas zu erreichen. Bands wie feeling B hatten daran genau so viel anteil wie die kirchen oder die buergerrechtler. In der ddr konnte man ziemlich klar erkennen was da nicht stimmte. Im deutschland von heute stimmt so vieles nicht, dass man gar nicht weiss wo man anfangen soll. Hier koennte man nackt auf dem kopfstehen und das wuerde keinen interessieren. Die letzten jahre der ddr waren fuer mich eine zeit der hoffnung die leider in trauer um eine vergebene chance umgeschlagen ist. ich kann mich max muetzes meinung nur anschliessen.
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