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1991

20 Jahre "Use Your Illusion" Eine Überdosis Rock



14 Debattenbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Frank Hübner

5. Oktober 2011, 20:50
Musik ist Geschmackssache, zum Glück.
GnR gehört für mich zur Musikgeschichte wie Soundgarden oder die leider eher unbekannten Stone Temple Pilots und Pearl Jam. Sicher andere Musikrichtungen, aber trotzdem ein wichtiger Teil davon.

Ich habe mir das Konzert live angesehen, mehr...

Marcus Meyer
29. September 2011, 17:43
Obwohl ich seit "Appetite" großer GnR-Fan war und ich mich wie ein Schnitzel auf die neuen Platten freute, wurde ich mit den Use Your Illusion-Alben nie richtig glücklich. Zu viel Songmaterial auf einmal, um es verarbeiten zu können. Zu viel barocker Schwulst statt dreckigem Rock. Bald war meine Aufmerksamkeit musikalisch anderweitig beschäftigt - mit Faith No More und Soundgarden, die beim GnR-Konzert 1992 in Würzburg noch Vorbands waren und von mir wenig beachtet.
Franjo Obradovic
29. September 2011, 18:54
Ganz und Rohsäs waren die fleischgewordene Mittelmässigkeit, Axl Rose ist ein professioneller Riesenanus, d.h. er lebt von seinem schlechten Benehmen. Seine Texte sind ausländer-, schwulen- und insgesamt menschenfeindlich. Die anderen scheinen auch mässig sympathische Drogenabhängige zu sein. Alles, was man von ihnen auf irgendeiner Platte zu hören bekommt, ist ein oft lauwarmer Abklatsch von sittsam Bekanntem. Sie schaffen es, die Coverversion wie "Live and let die" genauso bleiern wie ihre eigenen Titel klingen zu lassen.
20 Jahre "Use Your Illusion" - es ist mir sowas von egal, daß ich mit mir kämpfen muss, diese Zeilen gegen das Mittelmaß, die drogentrunkene Borniertheit und die in´s Knochenmark reichende Geschmacklosigkeit dieser Platte(n) zu tippen.
Soziologisch lebte die Band von der Verbindung zum "White Trash", den frustrierten weissen Verlierern des American Way of Life, daher muss die Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut nicht verwundern. Es gab allerdings weitaus bessere Bands mit ebenfalls zweifelhafter Vita, mit denen man die Eltern auch gut hätte ärgern können.
Man durfte und darf sich wie Herbert Grönemeyer immer noch fragen: Was soll das?
Ralf Allar
30. September 2011, 00:36
Keiner meiner Freunde hörte oder hört G&R. :-/
Gibt/gab Besseres.
Thorsten Sippel
30. September 2011, 09:14
Nie gekauft und trotzdem durch Familie und Freunde immer wieder mal in den Fingern und um die Ohren gehabt. Irgendwie haben auch immer nur Teilpassagen diverser Songs richtig gut gefallen, im Gesamten aber war die Band musikalisch für mich nicht sehr präsent. Da schon eher durch das ganze subjektiv nervende Gehabe und Posen. Trotzdem verbindet man eine bestimmte Zeit und gute Erinnerungen mit diesem Album. Das hat die Band geschafft und wohl auch zurecht. Schönes Wochenende!
Herbert Hupka
30. September 2011, 09:51
Ich für meinen Teil war damals zarte elf Jahre alt, hatte überhaupt erstmals so etwas wie einen sich entwickelnden Musikgeschmack - und ich muss sagen, mir gefiel das Doppelprojekt ausgesprochen gut. Schmonzetten wie "November Rain" oder "Don´t cry" gingen mir allerdings damals schon ab. Aber ich kann das nachträgliche sich-Schämen nicht verstehen, denn Songs wie "You could be mine" oder "Right next door to hell" oder "Dust´n`Bones" "Locomotive" oder "Pretty tight up" oder oder ....habe ich (im übertragenen Sinne) oft heut noch im Ohr. Das rockte, groovte oder sorgte anderweitig für das "gewisse etwas". Vieles mag nichtbesonders originell sein, aber seit wann wäre das denn notwendiges Merkmal eines guten Rocksongs. Fragt mal Angus Young.
R Stephan
30. September 2011, 11:47
Die Pop-Kultur ist lustig und mysteriös: Obwohl vom gleichen Jahrgang wie die Herren Rüpel, kannte ich die bis dahin gar nicht.

Aber die (damals) neue Freundin, 4 Jahre älter, nudelte das (überschaubare) Gesamtwerk der Truppe rund um die Uhr.
Ich dachte nur "aha" und machte hin und wieder "hm-hm...", so unverbindlich wie möglich, denn sie zügelte sich ihrerseits bei meinen damals aktuellen Tops 'Prefab Sprout' oder 'Massive Attack'.

Das Ganze hielt bis Ende Mai '92. Ich wollte schließlich einfach nicht mit nach Stuttgart, wo das bis dahin größte Konzert der Bande stattgefunden haben würde.
Nahm sie doch etwas persönlich, wie auch die Musik.
Ende Banane.
Schade, auch heute noch.

Insofern hat das merkwürdig angestrengte Doppelalbum (nette Cover-Idee immerhin) ein Spürchen auch bei mir hinterlassen.
O Zeiten, o Sitten ... ;)
Chris Wagner
30. September 2011, 13:13
Ich war ja quasi noch ein Kind, als die Alben Use Your Illusion I+II erschienen. Wahrgenommen habe ich sie und auch ihre Veröffentlichung dennoch voll und ganz, da sie sich wunderbar in die anderen Alben dieses Jahres einreihten, die mich damals auf die Spur des harten Rock und Metals brachten. Blicke ich jedoch zurück, welche Alben des Jahres 1991 heute noch regelmäßig in meinem CD Player komplett durchrotieren, so muss ich leider zugeben, dass die Use Your Illusion nicht dazugehören. Die Gründe dafür sind vielfälltig, zum einen der generelle Niedergang einer Band, die mit Appetite for Destruction ein bis heute in der Rockmusik einflussreiches Album veröffentlicht hatten. Zum anderen ist es natürlich die Qualität der Songs, die dafür verantwortlich ist, dass ich keine der beiden Alben komplett durchhalte.
Damals, 1991, fand ich die Alben unheimlich stark: eine Band, die lebt wie es ihnen gefällt, die machen kann was sie will und genau dafür mögen sie die Leute auch noch! Rock n Roll in all seinen klischeehaften Facetten. Die Ernüchterung erfolgte jedoch spätestens mit dem folge Album The Spaghetti bla bla bla. Da hörte man keine Band mehr, sondern den Versuch noch einmal Geld z7u verdienen, bevor man von Drogen und Alkohol aufgefressen wird. Aus meiner heutigen Sicht ist das schon zum Teil auf den Illusions zu hören. Da spielt keine Band, sondern es werden viele Gute Ideen zusammengeworfen und die Band existiert eigentlich nur noch auf dem Cover der CD und bei Konzerten, wenn sie denn man stattfanden.
Eine Band hätte die besten Songs aus den beiden Alben richtig ausgearbeitet, sie zu einem Album verschmolzen und anständig Produziert veröffentlicht. Während jedoch Slash und Co. versoffen in irgendeiner Ecke lag, bekämpfte Axl Rose die Demonen seines Egos (einen Kampf, den er bis heute ohne Erfolg führt) und die Musik geriet dabei ins Hintertreffen, was man auf den Alben auch hört.
Schade eigentlich, denn die Gunners hatten mit Slash und Stradlin tatsächlich ein Gespann, die noch viele gute Songs hätten schreiben können. So müssen wir damit leben, dass eine der erfolgreichsten Bands der Anfang 90er sich auf ihrem kommerziellen Höhepunkt bereits auf dem Abstieg befand. Ein Abstieg, der mit Chinese Democracy einen weiteren Höhepunkt erreichte!
Peter Burghar
30. September 2011, 13:40
"Zwei Doppelalben"? Also vier CDs? Ich habe gerade nochmal im Plattenregal nachgesehen und bin mir jetzt ganz sicher, dass es sich lediglich um EIN Doppelalbum handelt. ;-)
Sascha Speicher
30. September 2011, 14:03
NERVIG? Weit untertrieben. Ich glaube dieses Gefühl hat mein Opa gemeint, als er mir als Bub immer vom Krieg erzählt hat.

Obwohl in einer recht großen Gemeinde groß geworden, war die Anzahl der Kneipen mit brauchbarer Musik recht übersichtlich.

Meine Freunde und ich hatten uns für eine Spelunke entschieden, in der vorwiegend Rock lief. Hin und wieder auch mal Punk.

Alles war gut, bis der Vater eines Kumpels den Laden übernahm.

Der Bub war weniger für seinen kaum vorhandenen Musikgeschmack bekannt, sondern eher dafür, daß er sich jeweils mit Anlauf dort voll reinstürzte.

Nach einer kurzen (und viel belachten) Phase als Popper kam die ebenso kurze (noch mehr belachte) Phase als Hairspray-Rocker mit toupierter Mähne und Schminke.
Nachdem ihm wohl jemand das Wort "Tunte" näher erklärt hatte ließ er die Schminke weg, und machte einen auf Glam-Rocker à la Mötley Crüe.

Und dann kamen die Stalingrad-Roses. Sein Vater übernahm die Kneipe, und seitdem lungerte er tagein tagaus am ersten Tisch am Eingang: Kopftuch, Sonnenbrille, Schuhe auf dem Tisch, Kippe in der Schnauze und ne Flasche Jacky vor sich.

Das schlimmste aber war die Jukebox: die hatte sein Vater ganz nach den Wünschen seines einzigsten Buben gefüllt.
Für uns hieß das Guns Dauerberieselung. Rauf und runter, rückwärts und vorwärts, ständig nachgefüttert mit einem Fünfer aus der Kneipenkasse des Vaters.

Nur einmal hatten wir Glück: kaum hatte sich der Bub aufgeschwungen um mal aufs Klo zu wackeln, lief der letzte Song der Staffel. Wir warteten ein paar Sekunden, und es kam - nichts! Wir sprangen auf, suchten fieberhaft in unseren Taschen nach einem Fünfer, hasteten an die Jukebox, warfen das Geldstück ein, und suchten einen Song mit Donnerschlag-Charakter. Da war er! Draufgedrückt, Wiederholung ein, Bier ausgetrunken, Geld auf Theke und raus aus dem Puff.

Und als unser Rebell wieder die Gaststube betrat, schalmeite es ihm entgegen: Mathias Reim - Verdammt ich lieb Dich' !!! X-mal hintereinander, bis es endlich jemandem gelang, die Höllenbox abzuwürgen.

Ab dem nächsten Tag hatten wir Hausverbot - bis die Kneipe nach 2 Monaten dicht machte.
Oliver Wojtczak
30. September 2011, 16:10
Komisch, keine einzige wirklich uneingeschränkt positive Reaktion hier auf die Gunners. Sollte man doch meinen, dass solche Artikel eher von Fans gelesen und kommentiert werden. Wobei, doch eigentlich nicht so unverständlich: Kaum eine Band Anfang der 90iger war so schnell so tierisch uncool wie GnR. Kein Mensch, der sich ernsthaft für Musik interessierte, hätte sich ab so 92 auch unter Folterandrohungen dazu bekannt, GnR zu hören. GnR hörten Leute, die keinen Musikgeschmack. Der typische GnR-Hörer ca. 92/93 schraubte gerne an seinem Roller und brillierte im Schulsport. Der typische weibliche GnR-Hörer, wenn sich ein Mädchen überhaupt dafür interessierte, war die hübsche Freundin des rollerfahrenden Sportlers. Kein Wunder, dass die Art von Jungs, die sich im allgemeinen als echte Musikfans bezeichneten, schon aus diesem Gesichtspunkt wenig mit der Band zu tun haben wollten. Erstaunlich ist nur, dass manche Reaktionen ca. 20 Jahre später immer noch so heftig sind.

Ich stolperte über GnR tatsächlich erst bei den „Use Your Illusion“-Alben. Meine ersten Erinnerungen an die Band sind ein Bericht im ZDF „heute journal“ über den Verkaufsstart der CDs und das Video zu „You could be mine“ mit Arni als Terminator. „You could be mine“ haut mich immer noch um, aber schon im Herbst 1991 reichte das Interesse nur noch für die Maxi mit Arni auf dem Cover und „Civil War“ auf der B-Seite. Zu dem Zeitpunkt war „Nevermind“ schon draußen, ich hatte die ersten Takte Red Hot Chili Peppers gehört, Metallica entdeckt, das war alles ernsthafte, richtige Musik. GnR waren die prolligen Rock ’n Roll-Poser. Allein die peinlichen Typen mit GnR-Stickern, das ging ja mal gar nicht. Und dann dieses unsägliche „November Rain“-Video, wie grauenhaft kitschig.

Irgendwann landeten die UYI-Alben und die Appetite for Destruction aber doch in meiner Sammlung. Die Faszination war, trotz allen Widerwillens, stets da. Klar waren das „Poser“, aber wenn der Vorwurf von pickligen deutschen Provinzgymnasiasten voll Inbrunst in die Welt geschleudert wird, hat das auch irgendwie was Lächerliches. Sind die Alben, wie man so schön sagt, menschenverachtend (schwulenfeindlich etc.), ist da zu viel Verbindung mit rassistischer White-Trash-Ursuppe? Gegenfrage: Selbst wenn, na und? Seit wann ist Bösartigkeit ein Kriterium, das gegen gute Rockmusik spricht?

Natürlich sind die UYI-Alben zu lang, die meisten Songs reine Lückenbüßer. Und vieles, ganz vieles, enorm kitschig. Aber nur für „You could be mine“ haben sich die Alben schon gelohnt, der Song hat eine solche Wucht und Wut, das Schlagzeug-Intro, der Riff, das ist ganz groß! Und ansonsten ist ja GnR sowieso eine Band der „guilty pleasures“: Nicht nur „Sweet Child“, sondern auch einige Songs von den UYIs. „November Rain“ ist richtig übel, eigentlich. Und trotzdem so bombastisch, dass so was überhaupt mal geschrieben wurde, also echt? Irgendwie dann doch ziemlich cool. Ich habe den Song damals richtig gehasst, und doch träume ich bis heute davon, das Mädchen, in das ich damals bis über beide Ohren verknallt war, zu Slashs finalem Gitarrensolo zu küssen. Wenn es darum ging, Teenagergefühle und Sehnsüchte zu beflügeln, dann ist dieser Song, na, it gets the job done. Gleiches gilt für „Don’t cry“.

Höre ich die Band heute noch? Nein, Ausnahme s.o. Habe ich meine Frieden mit der Truppe gemacht? Ja. Durchaus ein längerer Prozess, hinter dem auch eine Erkenntnis steckt. Kurt Cobain hat GnR gehasst, da war ich noch d’accord, aber als er dann auf Pearl Jam schimpfte, war ich verwirrt, war das denn nicht auch total authentische Musik? Man konnte ja gut über die kommerzielle Massenmucke von GnR und die tumben Fans schimpfen, aber hinter jeder Ecke wartet dann jemand, der noch irgendwie indiehafter oder hardcoriger ist, als man selbst. Bis man dann erklärt bekommt, dass auch Ministry schon bei Psalm 69 die schlüpfrigen Pfade des Mainstream-Rocks betreten haben, oder das schon Zen Arcade von Hüsker Dü irgendwie ziemlich kommerziell ist, aber man selber habe da so alte Demotapes, als die wären so richtig…Das ist ja auch schon schön in den Kommentaren zu sehen, auch an meinem. GnR ne, habe ich nie gehört, zu der Zeit lieft bei mir diese eine finnische Truppe, die damals den atonalen feministischen Scandinavian-Post-Punk als Genre initiierte, in persönlicher heavy rotation….

Was bleibt für mich von GnR: Ein Poster von Slash mit Zylinder auf dem Kopf, nacktem Oberkörper, breitbeinig auf der Bühne, die Gitarre so tief unten baumelnd, wie es nur geht, das bei einem Freund im Zimmer hing. Die Namen, Izzy Stradlin, Duff, das klang nach USA, Westküste und großer weiter Welt. Das waren „Poser“, meinetwegen, aber dann doch irgendwie larger than life, und heute mutet die Zeit ja fast unschuldig an. You could be mine und das Solo von November Rain. Das Gefühl, dass da wenigstens noch Typen waren, die den Willen hatten, Rockstars zu spielen, und das auch viel besser konnten, als die unsäglichen Gallagher-Brüder. Die Erinnerung an den Herbstabend, an dem ich die Maxi von „You could be mine“ kurz vor Ladenschluss im lokalen Hertie erwarb.

Forgive me, Kurt Cobain: Ohne GnR und „UYI 1&2“ wäre die Popgeschichte viel ärmer. Für einen kurzen Moment waren GnR das Versprechen einer großen, weiten Welt, dreckig und schön, aufregend und gefährlich. Izzy und Slash waren ein famoses Gitarristen-Paar. Die Live-Mitschnitte von den Auftritten sind toll anzusehen, rocken konnten die Jungs alle mal. Und was will man von einer Rockband denn anderes?



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