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Lothar Thoß
7. November 2009, 12:00
für Gustav und Christiane sei nur noch hinzugefügt: wußten sie, dass es der Stasi- Oberst und KOKO-Chef Schalck-Golodkowski war, der dafür sorgte- auftragsgemäß-, dass die Wandlitz-DDR-Elite immer mit ausreichend Nahrungs- und Genußmitteln aus dem"Westen"
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Bernd Irmler
22. Oktober 2009, 12:33
Damals erschien die BILD - Zeitung mit einem Bericht auf der ersten Seite mit Fotos und Kommentar über Honecker's "Luxushaus" in Wandlitz.
Auf der letzten Seite der gleichen Ausgabe brachte BILD einen Bericht über die Villa von Max Grundig.
Wer die beiden Artikel gelesen hat, wird nie wieder behaupten, dass Honecker in "Luxus" gelebt hätte.
Thomas Glöckner
22. Oktober 2009, 12:48
Wenn der damalige Fernsehbeitrag eines gezeigt hat, und ich hatte ihn damals gesehen, dann dieses, dass es die angeblich vorher kolpotierten Privilegien der DDR Partei- und Staatsführung nicht gab. Wandlitz war noch nicht einmal staatsmännisch repräsentativ, sondern einfach nur kleinbürgerlich normal. Warum hat man sich also aufgeregt,damals ?
Steffen Rau
22. Oktober 2009, 12:57
Ja, ich denke der Bericht war ein grosser Fehler. Nicht wegen dem Bericht an sich, soweit ich mich erinnern kann war er eh ziemlich banal und oberflächlich.
Sondern dem, was er auslöste- in einer Zeit des Chaos, in der es kaum noch geordnete Strukturen in den Institutionen gab, goss er noch Öl ins Feuer und stachelte die Unzufriedenen zusätzlich an.
Carpentier ist durch seine Verantwortungslosigkeit mitverantwortlich dass die Wende nicht so reibungslos verlief wie sie hätte verlaufen können.
Ohne ihn wäre Wandlitz nicht kurze Zeit später gestürmt worden, man hätte die Siedlung und ihre Bewohner in aller Ruhe erforschen können.
So aber besteht seine ganz persönliche historische Fussnote darin, all denen die zu dieser Zeit Behörden,Läden, Wohnhäuser und Kasernen plünderten, Argumente dafür geliefert zu haben ("die haben in Wandlitz wie im Paradies gelebt und uns betrogen"). Er hat seinen kleinen persönlichen Beitrag dazu geleistet, dass Kriminelle und Nazis zu dieser Zeit schalten und walten konnten wie sie wollten.
Mit den Folgen, die sein Beitrag zumindest mitverursachte, muss er halt jetzt leben.
Gustaf Etmirror
22. Oktober 2009, 15:43
Schon wieder so ein zurückgebliebener Mauerbauer (womit mein Vorredner gemeint ist - wobei sein Beitrag von 15:09? wohl wieder raus ist).
Vor dem ELF99-Bericht konnte man sich seinerzeit ja auch im Westen kaum retten :-)
Wenn ich ihn noch richtig im Hinterkopf hatte, wurde eher sparsam kommentiert - und er bestand immer wieder aus Schwenks, in denen man kleinbürgerliche Piefigkeit und manchmal ein bisschen Luxus zu Gesicht bekam.
Ihm wie SR die Schuld daran zu geben, dass die handelsüblichen Vandalen loszogen oder gar Nazis eine Daseinsberechtigung verschafft zu haben, ist eine masslose Überinterpretation.
Wenn jemand Wasser predigt und Wein säuft (auch wenn er vom (West-)Discounter stammt - und nichts anderes zeigte die Reportage) fühlt(e) man sich als nichtprivilegierter DDR-Bürger natürlich verarscht.
Auch wenn die meisten es wussten.
Daher verstehe ich diese Schuldzuweisung überhaupt nicht:
Der (recht objektive) Bericht ist das Eine, die hier aufkommenden Schuldzuweisungen sind das Andere. Und durch nichts zu rechtfertigen.
"Macht kaputt, was Euch kaputt macht" wäre eine ganz andere Kiste gewesen.
Beispiel West: Wenn hier ein Bericht über die HRE oder eine der dilletantisch geführten Landesbanken erscheint und dann deren Fensterscheiben eingeschmissen werden - schiebt man das auch dem Reporter in die Schuhe?
- Ausserdem beachte man den Schlussatz des Artikels, der das oben kommentierend behauptete "Im Rückblick würde er den Beitrag am liebsten ungeschehen machen" konterkariert.
Christiane Hanssen
22. Oktober 2009, 17:41
>Ja, ich denke der Bericht war ein grosser Fehler. Nicht wegen dem Bericht an sich, soweit ich mich erinnern kann war er eh ziemlich banal und oberflächlich.
>
>Sondern dem, was er auslöste- in einer Zeit des Chaos, in der es kaum noch geordnete Strukturen in den Institutionen gab, goss er noch Öl ins Feuer und stachelte die Unzufriedenen zusätzlich an.
>Carpentier ist durch seine Verantwortungslosigkeit mitverantwortlich dass die Wende nicht so reibungslos verlief wie sie hätte verlaufen können.
>Ohne ihn wäre Wandlitz nicht kurze Zeit später gestürmt worden, man hätte die Siedlung und ihre Bewohner in aller Ruhe erforschen können.
>
>So aber besteht seine ganz persönliche historische Fussnote darin, all denen die zu dieser Zeit Behörden,Läden, Wohnhäuser und Kasernen plünderten, Argumente dafür geliefert zu haben ("die haben in Wandlitz wie im Paradies gelebt und uns betrogen"). Er hat seinen kleinen persönlichen Beitrag dazu geleistet, dass Kriminelle und Nazis zu dieser Zeit schalten und walten konnten wie sie wollten.
>
>Mit den Folgen, die sein Beitrag zumindest mitverursachte, muss er halt jetzt leben.
Was ist denn das für ein abenteuerlicher Vorwurf. Die Liebe der "Volksgenossen" zum Politbüro war doch sehr erkaltet, und die Wut, die dem Sturm auf die StaSi-Quatiere etc. zugundelag, konnte doch heißer kaum werden. Und daß sich jemand von denen auf Carpentier berufen hätte, wäre mir jedenfalls nicht bekannt.
Und die Behauptung "Ohne ihn wäre Wandlitz nicht kurze Zeit später gestürmt worden, man hätte die Siedlung und ihre Bewohner in aller Ruhe erforschen können" ist doch grotesk. Zum einen konnte man kaum erwarten, die Bewohner dort sozusagen wie in einem Zoo halten und bei Gelegenheit "studieren" zu können, zum anderen wurde, nach meiner Erinnerung, die Siedlung nicht "gestürmt".
Es kamen in der Folge zwar zahlreiche neugierige Besucher, aber die waren enttäuscht, daß es dort nichts Spektakuläreres zu sehen gab, was auch immer sie zu sehen erwarteten, der ruhige Bericht gab auch nach meiner Erinnerung keinen Anlaß, besondere Sensationen zu erwarten.
Die Existenz einer solchen Siedlung als solcher kann doch wohl insgesamt nicht wirklich überraschend gewesen sein. Daß die Genossen nicht in der Platte nebenan hausten, wird den meisten durchaus bewußt gewesen sein.
Übrigens war er offensichtlich nicht der einzige Journalist vor Ort, und hätte er den Bericht nicht gemacht, hätte das ein anderer getan. Carpentier hat Zeitgeschichte geschrieben, möge er sich lange dran erfreuen.
max muetze
22. Oktober 2009, 19:55
Zitat aus dem Artikel: "Nein, die Einfamilienreihenhäuser in der Waldsiedlung Wandlitz, über deren Größe und Ausstattung sich jeder gut beschäftigte Handwerker, Kneipenwirt oder Filmschauspieler in der DDR nur totlachen konnte, haben mein Gerechtigkeitsempfinden nicht auf die Barrikaden gejagt."(Zitat Ende)
Was mich an der Sendung auf die Barrikaden jagte bzw. erschütterte, war der Umstand, wie piefig unsere Chefs wohnten. Wandlitz, das war der Mythos unserer Jugend. Man erzählte sich vom Luxus und Reichtum dort. Und nun war zu sehen, dass zahlreiche DDR-Bürger wesentlicher luxuriöser und geschmackvoller wohnten als die Einwohner jener legendenumrankten Siedlung.
Und deshalb frage ich mich, was das für Leute waren, die in ihren Protestbriefen schrieben: "Jetzt muss aufgeräumt werden! Überall! Schonungslos! Nieder mit den Privilegien! Die Privilegierten an den Pranger!"
Sind die blind durch die Gegend gelaufen? Kannten die keinen selbständigen Handwerker, Kneiper oder Musiker? Hatten die keine Kumpels, die nach Feierabend für 25 Alu-Taler oder Westgeld sich mit Handwerkerleistungen eine goldene Nase verdienten.
Wahrscheinlich waren diese Briefeschreiber die selben Knalltüten, welche die rasche Einführung der D-Mark forderten und sich, nachdem ihnen der Wunsch erfüllte wurde, wunderten, dass sie nun arbeitslos waren, weil niemand mehr für Westgeld Ostprodukte kaufen wollte.
Benjamin Krohn
22. Oktober 2009, 23:07
Ich hab als 10 Jähriger diesen Bericht mit enormer Spannung in der sendung Elf99 gesehen und war dann doch irgendwie entäuscht, wie jämmerlich das Geschäft in W aussah, das angeblich voll von Westwaren sein sollte. Also Wandlitz kannte ich nur aus sagenumwobenen Erzählungehn meiner Eltern und dachte, es sei sonst was für ein Ort. Der Bericht war eine einzige Entäuschung, eher war das spannende, so was überhaupt sehen zu können. Kritischer Journalismus im DDR Fernsehen. WOW!
Aber "Öl ins Feuer gießen", dass ich nicht lache. Und wer eine 'reibungslose' Wende erwartet, wenn ein ganzer Staat von seiner eigenen Bevölkerung vom Kopf auf die Füße gestellt wird (re-voltare), der ist nur zu bemitleiden.
"Zeit für Demokraten und Dumme" - das ist ein guter Satz, werd ich mir merken! Danke für den Bericht. War mir neu, wie der Autor von der Geschichte so 'verfolgt' wurde.
Lothar Thoß
7. November 2009, 12:00
für Gustav und Christiane sei nur noch hinzugefügt: wußten sie, dass es der Stasi- Oberst und KOKO-Chef Schalck-Golodkowski war, der dafür sorgte- auftragsgemäß-, dass die Wandlitz-DDR-Elite immer mit ausreichend Nahrungs- und Genußmitteln aus dem"Westen" und auch anderen Waren des gehobenen Lebensbedarfs , die für die DDR-Bürger unerschwinglich waren, ausgestattet war.Bei aller Spiesbürgerlichkeit, die die Reportage offenbarte, ließ es sich die Wanlitzelite sehr wohl viel besser gehen als die Regierten, sprich häufig schlecht Versorgten. Dass das den Bürgern, die von Regierenden der DDR eine-wie sich herausstellte zu -hohe Meinung hatten, aufstieß, ist gut zu verstehen. Wer sich für das sozialistische Musterland DDR Tag für Tag aufarbeitete, dem sollte man aber doch ein wenig besseren Wein und stängig frisches Obst gönnen, oder etwa nicht auch Herrn Mielke?
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