11 Debattenbeiträge zu diesem Thema
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Ryszard Rzedkowski
26. April 2010, 18:04
Ich lebte 1970-1974 in West-Berlin und fuhr tagtäglich zur Schule nach Ost-Berlin (Offiziell : Berlin Hauptstadt der DDR), also 2 Mal am Tag entweder Checkpoint Charly, oder Bhf. Friedrichstrasse. 1974 und 1975 machte ich mein Abitur.
Schon damals war mir klar, dass diese paranoide Teilung
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Melinda Roncevic
9. November 2009, 16:23
Ja ich war zu dem Zeitpunkt in Jugoslawien und sah wie die Mauer sich oeffnete. Fuer uns war es immer selbstverstaendlich das wir durch Tito frei ausreisen durften, aber fuer andere menschen war es das nicht.
Ich habe mich sehr gefreut , da es fuer mich das Zeichen war das der eiserne Vorhang endlich fiel.
Wiebke Ehret
9. November 2009, 17:15
Fast hätte ich am 9. November 1989 den Mauerfall verpasst. Ein langer Uni-Tag lag hinter mir und zuhause blieben Radio und TV deshalb erstmal aus. So lange, bis mein Mitbewohner mit der Sensationsmeldung nach Hause kam: "Die Mauer ist offen." "Ja ja, Du bist überarbeitet..." "DOCH! Mach den Fernseher an!" Die berühmte Pressekonferenz mit Schabowski lief auf allen Kanälen und wir rätselten über die Bedeutung des folgenschweren Schlusssatzes "Sofort, unverzüglich.." Sollte das ernst gemeint sein? Wollen wir mal gucken?
Plötzlich war auch ich wieder hellwach und wir machten uns gemeinsam auf den Weg durch die Berliner Nacht zum nahe liegenden Grenzübergang Chausseestraße. Die ersten Ostberliner Fußgänger und Trabis waren inzwischen im Westen eingetroffen. Das waren noch jene mit dem Stempel im Ausweis, der ihnen eigentlich die Rückreise verwehren sollte. Was damals keiner wusste und was später im übrigen auch keine Bedeutung mehr haben sollte.
Sofort war eine spontane Party in Gange. Wo kamen nur so schnell so viele Sektflaschen her? Fassungslose Freude und große staunende Augen der Touristen aus dem gar nicht mehr so fernen Osten. Die erste Frage bei fast allen: "Wo ist der Kudamm?" Jubelnde Begeisterung beim immer größer werdenden "Empfangskomitee" auf der Westseite. Mahnende Worte der West-Grenzer, nicht zu hart auf die Trabidächer zu trommeln: "Die halten das nicht aus."
Jahrzehntelang anerzogene Vorsicht war plötzlich vergessen. Freudestrahlend lief die Menge aus West-Berlin jedem ankommenden Trabi entgegen, immer weiter hinein in die Grenzanlagen. Zaghafte Versuche der unsicheren DDR-Grenzer, die feiernden Menschen mit mahnenden Worten aufzuhalten, wirkten nur kurz. Und doch blieb immer eine Rest-Angst: Was passiert, wenn jemand die Nerven verliert? Werden wir ein Massaker wie vor wenigen Monaten am Tienanmen in Peking erleben? Aber zurück wollte jetzt keiner mehr. Die Euphorie zog alle mit. Auch uns. Immer tiefer ging es hinein in den bis vor kurzem noch tödlichen Grenzbereich. Plötzlich standen wir neben dem Schlagbaum, einige lehnten sich keck an. Und das Ding sprang auf.
Der Weg in Richtung Osten war frei. Fast. Ein Gitter stand noch vor uns. Ein ähnliches Gitter nur wenige Meter weiter. Die Rufe von "drüben" waren jetzt deutlich zu hören. "Wir wollen raus." Einige Mutige wackelten zaghaft am Gitter. Es bewegte sich. Nun wurde stärker gerüttelt und das Drahtgestell fiel krachend zu Boden. Zeitgleich fiel das genauso traktierte Pendant auf der Ostseite. Nun war kein Halten mehr. Wir sahen die Menge aus dem Osten auf uns zustürmen und begannen ebenfalls zu rennen. Rannten durch die Grenzanlage, rannten unseren neu gewonnenen Berliner Nachbarn entgegen.
In der Mitte ein kurzer Stopp. Vor mir stand ein junger Ost-Berliner, wir standen Nase an Nase , starrten uns an wie Außerirdische, außer Atem vor Aufregung. "Wahnsinn!" Eine kurze aber heftige Umarmung. Dann liefen wir beide weiter und wenige Sekunden später war ich tatsächlich in Ost-Berlin.
Mein Mitbewohner und ich sahen uns an. "Hast du eigentlich deinen Ausweis dabei?" "Nö. Du?" "Nein." Wir beschlossen, uns über die eventuellen Konsequenzen erst später Gedanken zu machen und schlenderten weiter gen Osten.
Wenige Meter von der Grenze entfernt staunte ein älterer Herr mit Dackel an der Leine über die strömenden Menschenmassen in der sonst eher ruhigen Straße. Er kam direkt aus dem Bett, hatte sich gegen die bissige Novemberkälte nur einen Morgenmantel für einen kurzen Gassigang übergeworfen. "Was ist denn hier los?" "Die Mauer ist offen, Sie können rüber." "Ich hab doch kein Visum." "Das ist heute egal." "Wirklich?" Der Senior zerrte den widerstrebenden Dackel vom Laternenpfahl fort und rannte in Pantoffeln und Schlafanzug in Richtung Grenze.
In den frühen Morgenstunden reisten wir ohne Ausweis problemlos wieder im Westen ein und bestaunten die hupenden Trabikorsos auf dem Kurfürstendamm.
Die Mauer wurde von den Ostdeutschen niedergerissen. Aber wir "Wessis" durften dabei sein.
Lothar Steinmueller
9. November 2009, 19:59
Dieser Tag ist für viele in der DDR aus heutiger Sicht kein Tag zum Feiern ,denn da wußten viele nicht das sie eines Tages von Hartz IV leben müssen,das sie nur noch Menschen 2.Klasse sind und das sie eigentlich nur als Verbraucher gebraucht werden solange sie noch Geld haben.Keine Arbeit kein Geld dann wird einen erst bewußt das mann eigentlich keiner braucht.
Der 9. Nov.ist ein Rückschritt in der gesellschaftlichen Entwicklung.Die westdeutsche Politik und das Kapital wird der DDR nie verzeihen 40 Jahre verhindert haben da bei uns keine Grafen und Barone von Gutenberg die Menschen ausbeuten und darauf Profit erzielen konnten.Am 9.Nov. ging eine Periode ohne Krieg in Europa zu ende.Deutschland befindet sich wieder im Krieg gegen Jugoslawien oder das was davon noch übrig ist,gegen das Volk von Afgahnistan,gegen Irak.
Über die DDR werden Lügen und unwahrheiten verbreitet und dabei ist der Herr Köhler in vorderster Reihe,siehe Rede zu Demo in Leipzig.Herr Köhler war es welcher die Deindustriealiesierung vorrangetrieben hat" es muß gestorben werden,Blut muß fließen "Dieser Tag ist kein Tag zum feiern.
Armin Ginschel
9. November 2009, 21:54
Ich war damals Zeitungszusteller in Berlin (West).
Wie jeden Abend verfolgte ich zuerst die aktuellen Meldungen im DDR-Fernsehen (um 20:00 gab es immer West-Nachrichten). Gegen 19:30 lief im Fernsehen die berühmte Pressekonferenz. Als Schabowski die bekannten Worte sprach, zuckte ich zusammen und dachte an die möglichen Konsequenzen. Sofort danach schaltete ich in die Westberliner Regionalnachrichten, wo dies auch schnell zum Top-Thema wurde. Von da ab saß ich den ganzen Abend mit Gänsehaut wie gebannt vor dem Fernseher.
Gegen 01:30 ging ich zum Arbeiten und machte mich mit meinem Zeitungswägelchen auf den Weg. Meine Tour erstreckte sich in Charlottenburg vom Bahnhof Zoo bis Ernst-Reuter-Platz und Savigny-Platz. Die Straßen waren voller feiernder Menschen, ein einziges Hupkonzert von Trabis und Wartburgs. Die Lokalrunden in den angrenzenden Kneipen sorgten für einen feuchtfröhlichen Flüssigkeitspegel. Die Menschen lagen sich in den Armen und es floß bei allen so manche Träne der Freude. Ich kam nicht dazu, meine Zeitungen ordnungsgemäß abzuliefern, weil ich an alle DDR-ler Gratis-Exemplare verteilte (meine Kunden mussten an diesem Tag bis 10:00 warten). Der Springer-Verlag lieferte zum Glück zahlreich Zeitungen nach und gab uns dafür einen Freibrief. Jeder wollte eine Zeitung haben als Erinnerung haben mit den Worten "Ich weiß nicht, ob morgen die Mauer nicht wieder zu geht! Sonst glaubt mir das keiner!".
Vor jeder Bank sammelten sich ab 02:30 Uhr Schlangen von teilweise über 100 Metern Länge. Da einige Banken keinen Publikumsverkehr und auch kein Begrüßungsgeld hatten, schickte ich die Wartenden zu anderen Filialen. 10 Minuten später auf dem Rückweg waren bereits wieder 50 Meter Menschen vor den geschlossenen Türen.
Um 06:00 half ich einer befreundeten Zeitungshändlerin in der Kantstrasse den Ansturm zu bewältigen. Wie ein Türsteher wurden 20 Menschen eingelassen und dann die Türen verschlossen. 5 Leute rein und 5 wieder raus, so ging das in den nächsten Stunden. Brigitte, Bravo und Playboy wurden ihr aus den Händen gerissen und alle bezahlten mit 100-Mark-Scheinen. Um 12:00 kam ich endlich zu zwei Stunden Schlaf um direkt danach wieder in die vollkommen durchgeknallte Innenstadt zu verschwinden.
Die Stimmung in dieser Nacht und in den folgenden Tagen zählen zu den intensivsten Momenten meines Lebens.
Juergen Bachmann
9. November 2009, 23:01
Ich wurde wach als das Telefon klngelte. Pünktlich wie bestellt. Aber von einem Luxuyahotel in Manila kann man das erwarten. Zum ersten Mal auf einer Dienstreise in den 3 Jahren seit wir in Hongkong leben hat mich meine Frau begleitet.
Auf der vorderen Bettkante sitzend geht der Griff automatisiert zur Fernbedienung des TV und die Finger zippen durch zu CNN.
Ich muss zur Toilette, dringend, und ich habe meine Brille nicht auf.
Wo ist der Reporter denn da? Was machen all die Leute dort. Und auf DER Mauer? Deutschland Fahnen? Jubel? Vopo's?
Dann die ersten Worte, wie eingebrannt:
....This is Tom Brokaw reporting from the Berlin Wall....
Scheisse....., Eva, wach auf.... Scheisse...., Eva, Eva!
---- Was ist denn los? ----
Scheisse, jetzt haben die Russen Berlin überrannt!
Das war mein erster, spontan ausgesprochener Gedanke!
Eva schlief bis zum Mittagessen, kein Wunder nach der Feier gestern Abend, Und ich erledigte meine Termine.
Eigentlich wollten wir den Abend nutzen zur Erholung und mehr.
Aber nach unzähligen Pints SanMiguel Bier und gutem Scotch kam die Ernüchterung noch vor der Ausnüchterung.
....Bis heute
Stephan Mertens
9. November 2009, 23:11
Ich habe am 9.11. überhaupt nichts mitbekommen vom Fall der Mauer. Am 10.11. habe ich mich dann vormittags (noch immer ahnungslos) von Göttingen aufgemacht Richtung Berlin, wo ich meine Freundin über das Wochenende besuchen wollte. Die Mitfahrzentrale hatte mir drei Mitfahrer vermittelt, die (ich schwöre es) auch alle nix von den Ereignissen in Berlin wussten.
Irgendwann machten wir dann das Radio an und hörten pathetische Worte von Willy Brandt.
Im ersten Moment dachten wir an eine historische (im Sinne von: alte) Aufnahme, aber dann begriffen letztlich auch wir, was in Berlin inzwischen passiert war.
Am Grenzübergang Helmstedt war alles wie immer (bis auf den Gegenverkehr), und die
Grenzbeamtin der DDR stellte die übliche Frage: Wohin wollen Sie? Ich: "Nach Berlin.
Wollen Sie mit?" Sie: "Beim nächsten Mal" und lächelte. Und das war in all den Jahren des Pendelns durch die Zone das einzige Mal, das ich vom DDR Grenzpersonal ein Lächeln geschenkt bekommen habe.
Ralf Schmidt
11. November 2009, 06:02
Ich war an dem Donnerstag, als die Mauer fiel, an der Uni in Sachsen-Anhalt und sah im Fernsehen, was gerade in Berlin passierte. Am Freitag fuhr ich nach Hause nach Sachsen und habe den Abend auf der Polizeidienststelle verbracht, wo viele Leute anstanden, um ein Touristenvisum nach dem Westen zu beantragen. Der Polizist im Dienst hatte gegen 20 Uhr die Nase voll und wollte nach Hause gehen, aber wir liesen ihn nicht; er musste so lange weiter stempeln, bis alle ihre Visas hatten. Die Gaststaette nebenan versorgte uns mit heissen Getraenken, denn die Schlange war so lang, dass die meisten draussen in der Kaelte warten mussten.
Am naechsten Tag, am 11.11. sind wir dann mit dem Trabi zum ersten Mal nach West-Berlin gefahren... Es war eine tolle Zeit.
Klaus Gebhardt
13. November 2009, 05:57
Ich lebte damals in Hamburg und arbeitete für eine Software-Firma. Für den 9.11. war eine Projektbesprechung mit dem Berliner Kunden angesetzt. Aus Kostengründen fand die Konferenz direkt am Flughafen Tegel statt. Danach flog ich abends zurück und erkannte erst abends in den Nachrichten, dass ich einen historischen Moment beiwohnte und dennoch verpasst habe.
Christian Felchow
20. Januar 2010, 22:34
4.4.1988 Cecilienhof
Über den Kontrollpunkt Dreilinden fahren wir in Kolonne zum Schloßhotel Cecilienhof, das unmittelbar neben der Gedenkstätte im Park liegt, um dort einen Geburtstag zu feiern. Das Personal ist sehr aufmerksam und geleitet uns in den reservierten Saal, wo ein schöner Tisch gedeckt ist. Da wir später Potsdam anschauen wollten, stellte uns INTOURIST eine Begleitung. Die Dame nahm rechts neben mir Platz und wir kamen ins Gespräch.
Sie kam nach einigen Umwegen schnell zu einem Themenkomplex, der mich sehr verwunderte - Sie bat mich, meine Meinung über die DDR erfragen zu dürfen. Nach einigen Belanglosigkeiten ging es um die DDR Wirtschaft und ich versuchte ihr zu erklären, dass die DDR pleite sei, wie es das Gutachten vom DIW 1988 ausführlich darstellte.
Am Tisch kam etwas Unruhe auf, da sie immer wieder den Raum verlassen hatte, um zu telefonieren. Mit neuen Fragen, auf einem kleinen Stenoblock, kam sie zurück.
"Wann und wie ich mir das Ende der DDR vorstelle", war dann die Frage. Ich gab der DDR noch ca. ein Jahr und erklärte ihr dann, wie ich die Situation auflösen würde.
Nachdem ein Tag ausgesucht wurde, der wenige geschichtliche Belastungen habe, würde ich einen Politiker im Fernsehen äußern lassen, dass man die DDR zu Besuchszwecken verlassen dürfe und ab sofort die Grenzen offen wären. NVA, Grenztruppen und Volkspolizei müssten ( ohne Hinweis ) an diesem Tag ohne Waffen auskommen. An den Grenzübergangsstellen würden sich sicher tausende Menschen sammeln und die Grenzer hätten keine Chance Gewalt anzuwenden, bei der zu erwartenden Menge. Die Ostberliner würden zum "Kudamm" pilgern, sich am KaDeWe und anderen Kaufhäusern die Nase platt drücken und wieder zurückkehren. Alles andere würde sich dann, als Anpassung der Systeme, von alleine regeln und der wirtschaftlich stärkere Teil den schwächeren stützen. Gesamtdeutsche Neuwahlen könnten dann bald abgehalten werden. Es wurden auch rechtliche Fragen angeschnitten, die die DDR-Führung betrafen und deren eventuelle Verurteilung. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass man dafür besonders lange Haftstrafen aussprechen würde, was dann ja auch geschah.
Der 9.11.1989; das Datum war ein Ärgernis ( Reichskristallnacht ) und widersprach den Vorgaben. Wie sich später herausstellte, war Schabowski nur nicht eingeweiht und hatte den den Termin eigenmächtig vorverlegt, denn eigentlich wäre der 10.11.1989 / 4 Uhr der "richtige" Termin gewesen, den man auch als Feiertag hätte nutzen können.
Ich fuhr mit meinem Auto zur Grenzkontrollstelle Invalidenstraße und ging dann zu Fuß zum Fernsehturm. Mir kamen nur Menschen entgegen, die einen entspannten Eindruck machten und sich über den Tag freuten. Eine Kontrolle gab es weder bei der "Ein- noch bei der Ausreise".
Christian Felchow
1. Februar 2010, 10:46
Sollte jemand eine Möglichkeit sehen, an diese Dame von "INTOURIST" heran zu kommen, so wäre ich sehr dankbar, denn offiziell habe ich keine Akte laut BStU, womit alle weiteren Aktivitäten von dieser Seite entfallen. Der neue Inhaber des Schloßhotel Cicilienhof kann auch nicht weiter helfen, da die Unterlagen aus dieser Zeit nicht in seinem Besitz sind. Befragungen des "Altpersonals" haben leider auch zu keinem Ergebnis geführt.
Ich bin mir sehr sicher, dass die gesuchte Person dieses Gespräch in ihrer Erinnerung behalten hat.
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