Im Sommer 1961 wollte ich mit drei Freunden mit einem VW Käfer von Eschweiler nach Boulouris/Saint Raphael in Frankreich fahren. Mein Freund Rainer hatte dieses Vehikel auf einem Schrottplatz gekauft und wir schleppten ihn zu einer Garage in der Nähe. In monatelanger Kleinarbeit wurde die Blechkiste wieder zu einem richtigen Auto aufgerüstet. Anschließend wurde die Karosse mit einem Pinsel blau lackiert. Für unseren Urlaub im August war alles fertig und vom TÜV abgenommen.
Während der Fahrt durch Frankreich bekamen wir allerdings sehr viel Ärger mit dem VW. Bei einem nötigen Reifenwechsel gaben drei der fünf Feststellschrauben den Geist auf. Gegen Mitternacht hatten wir zwischen Dijon und Lyon die zweite Reifenpanne. Der Reservereifen war schon im Einsatz. Da half uns nur noch die Reparatur des Reifens. Der Schlauch war wahrscheinlich nicht mehr zu benutzen. Ratlos machten wir uns in der Nacht auf den Weg zum nächsten Ort, von dem wir nicht wussten, wie weit er entfernt war. Durch die Felge hatten wir einen Stock gesteckt, um ihn zu zweit besser tragen zu können.
Plötzlich hielt ein kleiner Peugeot neben uns. Drei junge Männer stiegen aus. Wir verständigten uns mit Händen und Füßen und wurden schließlich mitgenommen. Zwei unserer Mitreisenden bleiben bei dem VW, der auf drei Rädern stand, zurück. Rainer und ich saßen neben dem Unbekannten auf der Rückbank. Die Fahrt war mehr als ungemütlich, da wir auch das Rad mit in den Fahrgastraum nehmen mussten. Nach wenigen Minuten waren wir aber schon am Ziel und standen vor einer Autowerkstatt. Einer der jungen Männer brach das Schloss vom Tor auf. Wir spürten, dass er sich hier auskannte. Der Schlauch wurde geflickt und ein neues Ventil aus einem anderen Reifen entnommen. Tor und Schloss wurden provisorisch verschlossen, dann ging es wieder zurück. An unserem VW angekommen, waren sie uns bei der Montage behilflich und verschwanden sie wie sie gekommen waren. Ein Winken zum Schluss und unsere Freunde waren nicht mehr zu sehen. Gelebte deutsch französische Freundschaft.