Die Titelseite VOGUE Nr. 16 von 1928, Signiert von William Bolin (Lebensdaten unbekannt)
Als Francis Lew Wurzburg im April 1928 die Erstausgabe der deutschen VOGUE einführte, geschah das gegen den Rat der US-Chefredakteurin Edna Woolman Chase. Die Vorzeichen deuteten jedoch nicht unbedingt auf ein waghalsiges Experiment des deutschstämmigen Wurzburg hin. Die 1892 in New York gegründete VOGUE hatte zu diesem Zeitpunkt den Sprung nach Europa bereits geschafft. 1916 expandierte sie erfolgreich nach England, vier Jahre später auch nach Frankreich. Außerdem hatte der florierende Verlag in den Goldenen Zwanzigern die nötigen finanziellen Mittel, um einen deutschen Marktstart im großen Stil hinzulegen.
Trotz dieser strategischen Pluspunkte behielt die Vogue-Frontfrau Recht: Bereits nach 19 Monaten mit 34 Ausgaben erschien im Oktober 1929 die vorerst letzte VOGUE in Deutschland. Es gelang ihr nämlich nicht, dem erfolgreichen Ullstein-Verlag und seinem mondänen Gesellschaftsblatt "Die Dame" die Leserschaft und Inserenten abzuringen. Im Nachhinein betrachtet ein Segen für die Marke VOGUE, denn die Vergewaltigungen von Kunst und Kultur während des "Drittes Reiches" wurden ihr damit nicht mehr zugemutet. Erst 50 Jahre später, im August 1979, sollte wieder eine deutsche Ausgabe erscheinen. Zu der Zeit war sie bereits international die Grande Dame der Modemagazine - eine Markenikone.