Die Creme de la Creme der zeitgenössischen Kunstszene gestaltet in den Goldenen Zwanzigern die Umschlagseiten der legendären Ullstein-Zeitschrift "Die Dame". Wenn es jedoch um die Titelseiten der wichtigen Frühjahrs- und Herbstmoden-Hefte geht, setzt der Verlag auf seinen Art Director Ernst Dryden. Er ist selbst prominenter Modedesigner für die Pariser Haute Couture und ein begnadeter Zeichner.
Zwischen 1926 und 1933 illustriert er mit unzähligen Zeichnungen die Pariser Modelwelt für das deutsche Blatt und entwirft zum Teil spektakuläre Titelseiten - zur Freude der Leserschaft und zum Wohl des Verlagsgeschäftes. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP und Abschaffung der Pressefreiheit in Deutschland, beendet der Künstler seine Mitarbeit bei Ullstein. Seine letzte Titelseite für "Die Dame" erscheit im September 1933 - zwei Monate später emigriert er in die USA.
Im gleichen Heft finden wir unter dem Titel "Herbst- und Wintermode - deutsche Modelle" von Prof. Sigmund von Weech eine Erklärung für Drydens Emigration:
"Wir Deutsche litten von jeher an einem zu kleinen Selbstvertrauen und an einem unverbesserlichen Autoritätenglauben dem Ausland gegenüber. Ich möchte jedoch der eleganten modischen deutschen Frau an dieser Stelle sagen, dass unser deutsches Volk ausgezeichnet künstlerisch-modeschöpferische Persönlichkeiten besitzt."
Göbbels Rotstift hat die Pariser Haute Couture gestrichen.