Sie war die geistige Anführerin des "Wir sind das Volk"-Aufstands in der DDR, obwohl sie nie einen derartigen Anspruch erhob. Schon 1982 zog die Ost-Berliner Malerin auf den Alexanderplatz, um mit weiteren schwarzgekleideten Frauen gegen die zunehmende Militarisierung der DDR zu protestieren. Danach wurde sie von der Stasi verfolgt; zweimal saß Bohley in Haft, 1988 schob man sie nach England ab. Doch im Sommer 1989, als ihre Landsleute sich massenweise in den Westen absetzten, kam sie zurück und gründete mit Gleichgesinnten das "Neue Forum". "Die Zeit ist reif", lautete ihr Gründungsappell. Am 4. November 1989 folgten eine halbe Million Ost-Berliner dem Aufruf: Es war die größte Demonstration in der Geschichte der DDR. "Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat", beklagte sich Bohley 1991. In der Parteipolitik der Bundesrepublik fand sie keinen Platz. 1996 zog die Künstlerin ins ehemalige Jugoslawien, half Kriegsopfern und heiratete einen bosnischen Lehrer. 2008 kehrte Bohley wegen einer Krebserkrankung nach Berlin zurück. Dort starb sie am 11. September 2010 im Alter von 65 Jahren. Die Aufnahme zeigt sie im Jahr 2006 in Berlin.