Sie war ein echtes Nordlicht - ein Star ohne Allüren und bei aller Volkstümlichkeit nie rührselig. 64 Jahre lang stand Heidi Kabel auf der Bühne des Hamburger Ohnsorg-Theaters; die TV-Übertragungen ihrer Stücke gehörten jahrzehntelang zur Abendunterhaltung. Als Tratschmaul Meta Bold oder Mutter Mews las sie Männern mit Schalk und Nachsicht die Leviten. Dabei zog es sie mit 17 Jahren mindestens so sehr zur Bühne wie zu einem Theatermann: Ohnsorg-Schauspieler und -Regisseur Hans Mahler. Sie heirateten 1937, bekamen drei Kinder. Mitte der dreißiger Jahre traten beide in die NSDAP ein, dafür erhielt Kabel nach dem Krieg eine Bühnensperre. 1970 erfuhr sie in einer Theaterpause vom Herzinfarkttod ihres Mannes - und spielte weiter. Sie war Profi, ohne je eine Schauspielschule besucht zu haben, auf der Bühne verließ sie sich auf ihr Gefühl und ihr schönes Missingsch, den Dialekt, der über s-pitze S-teine s-tolpert. Heidi Kabel starb am 15. Juni 2010 im Alter von 95 Jahren in Hamburg. Die Aufnahme zeigt sie 1998.